Lavendel richtig schneiden ist nicht schwer, Sie müssen nur die richtige Zeit erwischen, egal ob Lavendel im Garten oder Lavendel im Topf. Lavendel schneiden kann aber schwierig werden – sobald Sie den Schnitt nur eine Saison unterlassen, im Artikel erfahren Sie, warum das so ist.

Lavendel im Garten und Lavendel im Topf werden grundsätzlich gleich beschnitten, sonderlich kompliziert ist das nicht. Das Wichtigste ist, beide von Anfang an überhaupt zu beschneiden, und zwar regelmäßig.

Die komplizierten Halbsträucher

Der echte Lavendel „Lavandula angustifolia“ ist ein Halbstrauch, ein schnitttechnisch heikles Zwischending zwischen krautiger Pflanze und Gehölz.

Halbsträucher verholzen, aber nicht so richtig, nur in einem nicht genau definierten unteren Teil. Wo sie das Verholzen dann allerdings hinbekommen haben, treibt möglicherweise nach einem Schnitt nie wieder etwas aus.

Fest steht, dass ein Halbstrauch unten verholzt, nicht fest steht, was „unten“ ist. Triebe der aktuellen Saison verholzen erst einmal nicht, sie sollen ja Blüten und Früchte entwickeln. Beim echten Halbstrauch sollen diese Triebe am Saisonende absterben, im Frühjahr soll er neu austreiben. Nach dieser Erklärung würden, rein logisch, kein Triebe bis zum Verholzen kommen, sie betrifft aber nur ausgewachsene Pflanzen. Insgesamt entwickeln Halbsträucher nämlich Triebe mit ganz unterschiedlichem genetischem Programm: Zuerst eine Basis (die verholzt und Zentimeter oder Meter hoch wird), dann (Frucht-) Triebe, die bei den meisten Halbsträucher nicht absterben, sondern unterschiedlich schnell verholzen.

L-Schnitt

Auch das „möglicherweise nach einem Schnitt nie wieder austreiben“ ist variantenreich: Manche Halbsträucher treiben nur aus grünen Trieben, manche treiben auch aus Spitzen des alten (verholzten) Holzes aus, manche treiben aus jedem Rest Altholz. Lavandula angustifolia gehört zu den pingligen Halbsträuchern, er treibt nur aus grünen Trieben.

Damit es nicht zu einfach wird: Die in der Pflanzenforschung bisher ermittelnden Regeln (von vielen Halbsträuchern weiß man noch gar nicht, ab wann sie die Lust zum Neuaustrieb verlässt) gelten im Zweifel nur für die ursprünglichen, „echten“ Pflanzen, mit den „Erfindungen der Hobbygärtner-Industrie“ (Massenpflanzen-Zucht) befassen sich Pflanzenforscher nicht unbedingt.

Zuchtsorten können sich in Bezug auf Fähigkeit zum Neuaustrieb also noch einmal ganz anders verhalten – und wenn Sie jetzt vermuten, dass bei der Zucht bestimmt darauf geachtet wird, dass eine Pflanze auch dann noch austriebsfähig bleibt, wenn ein Beschnitt einmal etwas zu tief angesetzt wird, wäre das bei verantwortungsvollen Züchtern sicher so, aber nicht unbedingt bei gewinnorientierten.

Lavendel braucht unbedingt regelmäßigen Schnitt
Halbstrauch hin, Halbstrauch her, jetzt konkret zum Lavendel: Oben wurde schon gesagt, dass der echte Lavendel am besten nicht bis ins alte Holz hinein beschnitten werden sollte und das es bei Zuchtsorten anders sein könnte. Würde bedeuten, dass Sie Zuchtsorten eventuell bis ins alte Holz herunterschneiden könnten. Wenn Sie nicht in einer Gärtnerei kaufen, die diese Zuchtsorten schon länger kultiviert, wäre dass das jedes Mal ein Experiment.

Anleitung zum „sicheren“ Schnitt

  • Schneiden Sie Ihren Lavendel von Anfang an regelmäßig
  • Im ersten Jahr vor der Blüte, so soll Lavendel üppige Blütenfülle entwickeln
  • Jeder neue Trieb, der älter als eine Saison wird, verholzt irgendwann
  • Das Ergebnis sieht dann so aus:

Lavendel-verholzt

  • Also müssen die Triebe gekürzt werden, bevor sie beginnen zu verholzen
  • Damit beginnen sie, wenn sie die Frucht zur Fortpflanzung gebracht haben
  • Deshalb bekommt Lavendel einen Schnitt gleich nach der Blüte, um den ganzen Strauch herum ein Drittel bis Hälfte des Neuaustriebs wegnehmen
  • Dieser Sommerschnitt erfolgt Mitte Juli bis Anfang August, später nur noch verblühte Blüten und vertrocknete Zweige wegschneiden, den Rest im Frühjahr
  • Der Rest des Neuaustriebs muss nämlich nun reifen, um über den Winter Schutz zu bieten
  • Er wird im Frühjahr gestutzt, nach dem letzten Frost und vor dem Austrieb, bei uns gewöhnlich Ende März/Anfang April
  • Die meisten Gärtner möchten, dass ihr Lavendel größer wird, sie nehmen im Frühjahr ein bis zwei Drittel weg
  • Sommerschnitt + Frühjahrsschnitt zusammen entfernen so maximal 5/6 des Neuaustriebs, 1/6 bleibt
  • Wenn Lavendel nicht verholzen soll, müssten Sie den gesamten Neuaustrieb wegschneiden
L-Schnitt2
Sommerschnitt

Da die Abgrenzung von „grün“ und „verholzt“ aber eine Wissenschaft für sich ist (der verholzte Teil verholzt ja nicht über Nacht), gilt für „heikle Halbsträucher“ die Faustregel: Bis zum Start in die neue Wachstumssaison den meisten Neuaustrieb wegnehmen, aber nur so tief schneiden, dass noch ein Rest grüner Austrieb (um 1/2 cm) zu sehen ist.

Tipp: Wenn Sie im Sommer laufend Lavendel für die Vase oder zum Nutzen (Kosmetik, Trocknen, etc.) brauchen, können Sie den Lavendel auch nach und nach von den jungen Trieben befreien. Der notwendige Lavendel-Schnitt erfolgt dann ganz ohne zusätzliche Arbeit während und mittels der regelmäßigen Ernte.

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