Kunststoff Kleben

Ob im Haushalt, in der Garage oder im Modellbaukeller – nahezu überall finden sich Gegenstände aus Kunststoff. Was tun, wenn die Utensilien plötzlich Beschädigungen aufweisen? Aus umweltschützender Sicht ist es ratsam, sie nicht wegzuwerfen, sondern zu kleben. Was es gilt es zu beachten, wenn Sie Kunststoff kleben und welcher Kleber eignet sich für welchen Kunststoff?. Dies erfahren Sie in unserem umfassenden Ratgeber!

Kunststoff ist aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Tatsächlich gibt es kaum etwas, das nicht aus diesem vielseitigen Werkstoff hergestellt werden könnte. Somit verwundert es auch nicht, dass Kunststoffe inzwischen in vielen Bereichen Naturmaterialien ersetzt und verdrängt haben – eine Entwicklung, die nicht ganz unproblematisch ist: Die meisten Kunststoffe brauchen sehr lange, um zu verrotten, was die Müllentsorgung erheblich erschwert und entsprechend der Umwelt schadet. Bei rissigen oder anderweitig defekten Kunststoffgegenständen, die an und für sich noch sinnvolle Dienste erweisen können, sollte daher die Devise lauten: Lieber reparieren als wegschmeißen! Moderne Kunststoffkleber sorgen für haltbare Ergebnisse. Wir liefern Ihnen sowohl kurze theoretische Erläuterungen zu den verschiedenen Kunststoffarten als auch praktische Tipps zur Verwendung der verschiedenen Klebervarianten!

Theoretischer Part

Die unzähligen Kunststoffe werden in drei große Gruppen unterteilt:

  • Thermoplaste
  • Duroplaste
  • Elastomere

Trotz ihrer Unterschiede haben alle Kunststoffe eine große Gemeinsamkeit: Durch die Wahl der jeweiligen Ausgangsmaterialien und den genauen Herstellungsprozess lassen sich ihre technischen Eigenschaften – etwa Härte, Elastizität, Temperaturbeständigkeit und Bruchfestigkeit – nahezu unbegrenzt variieren. So kann für fast jeden Zweck ein speziell geeigneter Kunststoff entwickelt und produziert werden.

Die Kunststoff-Arten

Thermoplaste
Thermoplaste heißen auch Plastomere. Sie lassen sich in einem bestimmten Temperaturbereich verformen. Dabei handelt es sich um einen reversiblen Vorgang. Das heißt, die Thermoplaste können beliebig oft erwärmt und wieder abgekühlt werden. Nur im Falle von Überhitzung zerfällt das Material. Man spricht dann von der „thermischen Zersetzung“. Zudem sind Plastomere schweißbar. Polyamid, Polypropylen und Polystyrol bilden Beispiele für Thermoplaste, die unter anderem zur Fertigung von Brillengestellen, Batteriekästen und Kugelschreibern genutzt werden.

Duroplaste
Im Gegensatz zu den Thermoplasten können Duroplaste, auch Duromere genannt, nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformt werden. Lichtschalter, Steckdosen oder auch Tabletts bestehen aus Aminoplasten, Kochlöffel und Küchenmöbeloberflächen sind häufig aus Phenoplasten hergestellt. Beide Stoffe zählen zu den Duroplasten.

Elastomere
Elastomere sind formfeste, aber elastisch verformbare Kunststoffe. Das bedeutet, dass sie ihre Gestalt bei Zug- und Druckbelastung verändern können, danach jedoch in ihr ursprüngliches – also unverformtes – Design zurückfinden. Elastomere wie Polyurethan kommen beispielsweise bei Reifen, Gummibändern, Dichtungsringen und Matratzen zum Einsatz.Reifen

Klebstoff-Arten

Nun kümmern wir uns um das Kleben von Kunststoffen, bleiben dabei zunächst aber noch (halb)theoretisch!

Neben den verschiedenen Kunststoffarten werden auch die Kunststoffkleber in mehrere große Gruppen unterteilt:

  • Nassklebstoffe
  • Kontaktklebstoffe
  • Reaktionsklebstoffe (einkomponentige und zweikomponentige)
  • Schmelzklebstoffe

Nassklebstoff
Bei Nassklebstoffen wird grundsätzlich nur einer der zu verklebenden Plastikteile mit Klebstoff benetzt. Danach gilt es die Ablüftzeit abzuwarten, ehe man die Teile zusammenfügt. Unter Ablüftzeit versteht man die Zeitspanne, die für das Entweichen des im Kleber vorhandenen Lösemittels benötigt wird. Sie beträgt in der Regel maximal vier bis fünf Minuten.

Kontaktklebstoff
Bei Kontaktklebstoffen werden – anders als bei den Nassklebstoffen – beide Flächen der zu verklebenden Plastikteile bedeckt. Wiederum muss man anschließend zunächst die Ablüftzeit (bis zu zehn Minuten) abwarten. Unter Druckanwendung presst man die Teile zusammen. Manchmal empfiehlt es sich, eine Schraubzwinge zu Hilfe zu nehmen (um den Druck zu erhöhen).

Reaktionsklebstoff
Physikalisch, chemisch oder katalytisch härtende Klebstoffe bezeichnet man als Reaktionsklebstoffe. Es gibt einkomponentige und zweikomponentige Varianten. Bei Letzteren muss das Mischungsverhältnis von Binder und Härter stimmen, ansonsten klappt die Verklebung vielleicht nicht wie gewünscht. Einkomponentige Produkte sind sofort einsatzbereit.

Schmelzklebstoffe
Schmelzklebstoffe werden mittels Hitze und Schmelzklebepistole in den verarbeitbaren Zustand gebracht – also aufgeschmolzen. Dem Anwender bleibt dann nur ein kurzes Zeitfenster, um den Klebstoff auf die zu verklebenden Teile aufzubringen. Nach dem Abkühlen entfaltet der Schmelzklebstoff nämlich sofort seine Wirkung. Diese Art des Klebens findet allerdings nur eingeschränkt beziehungsweise selten Anwendung, da der Klebstoff wieder weich (und die Verbindung aufgelöst) wird, wenn er erhöhten Temperaturen ausgesetzt ist.Heißkleber

Soweit also die Theorie (mit dem einen oder anderen praktischen Einwurf). Nun ist es höchste Zeit, die Kleber so richtig praktisch zu erproben!

Praktischer Part

Bevor wir uns näher mit verschiedenen Kunststoffklebern und deren Anwendung auseinandersetzen, soll die korrekte Vorbereitung der Klebestellen erläutert werden. Von diesem Schritt hängt nämlich die Haltbarkeit und Lebensdauer der Klebung ab.

Die Vorbereitung

  1. Reinigen Sie die Oberflächen der Teile, die Sie kleben möchten – und zwar gründlich. Entfernen Sie Farbreste, Fremdstoffe und sonstige Verschmutzungen mit geeigneten Mitteln.
  2. Als nächstes müssen Sie die Klebeflächen sorgfältig entfetten. Zu diesem Zweck verwenden Sie am besten eine Nitroverdünnung, Alkohol oder Aceton (Nagellackentferner).Nagellackentferner
  3. Lassen Sie die Klebestellen gut trocknen.

Hinweis: Berühren Sie die vorbereiteten Klebestellen möglichst nicht mehr. Hautfette verhindern eine gute Verklebung.

  1. Falls ein Stück Plastik gerissen ist, bohren Sie den Riss an den Enden ein wenig auf. Im Detail: Nehmen Sie eine Bohrmaschine zur Hand und bohren kleine Löcher an den Enden des Risses. So bleibt ein weiteres Einreißen des Kunststoffs aus.

Nun geht es ans Eingemachte: Wir haben eine Vielzahl von Kunststoffklebern getestet und stellen Ihnen im Folgenden unsere Sieger vor. Dabei unterscheiden wir übersichtlich zwischen Kleben im Haushalt, Kleben in der Garage und Kleben im Modellbaukeller.

Kunststoff kleben im Haushalt

Häufig ist es „nur“ ein zerbrochenes Kinderspielzeug oder der abgebrochene Griff einer Plastiktasse, das beziehungsweise der wieder „zusammengeflickt“ werden soll. Für alle Dinge im Haushalt, die aus Plastik bestehen (und das sind gemeinhin sehr viele…), eignet sich ein Allround-Kleber. Unsere Favoriten im Porträt:

Der UHU Allplast

Mit dem UHU Allplast hat der wohl bekannteste Hersteller von Klebstoffen einen vielseitigen Universal-Plastikkleber für den täglichen Gebrauch entwickelt. Er funktioniert bei allen handelsüblichen Kunststoffen außer PE, PP und Styropor (Letztere können aufgrund ihrer Zusammensetzung aber ohnehin nur sehr schwer beziehungsweise gar nicht geklebt werden).Uhu Klebstoff

Dass der UHU Allplast so fest klebt, verdankt er dem Prinzip der Kaltverschweißung: Die Oberfläche des Kunststoffs wird durch den Kleber angelöst, sodass die zu verbindenden Teile miteinander verschmelzen. Beinahe romantisch, nicht wahr? In jedem Fall entspricht die Festigkeit der Klebung der Festigkeit des verklebten Materials. Nach dem Aushärten bleibt der UHU Allplast transparent und zeigt sich wärme- beziehungsweise kältebeständig.

Wie Sie den Klebstoff verarbeiten müssen, hängt von der Oberflächenbeschaffenheit der Klebestellen ab:

  • Poröse oder raue Oberflächen: Tragen Sie den Kleber beidseitig dünn auf. Danach fügen Sie die zu verklebenden Teile sofort zusammen und fixieren sie.
  • Harte und geschlossene Oberflächen: Tragen Sie den Kleber beidseitig dünn auf. Danach lassen Sie den Kleber für drei bis vier Minuten antrocknen. Anschließend bestreichen Sie eine Seite noch einmal dünn mit dem UHU Allplast. Jetzt erst fügen Sie die Teile zusammen und fixieren sie.

Kostenpunkt: Eine 30 Gramm beherbergende Tube UHU Allplast kostet knapp 5 Euro.

Der Pattex Special

Das Tollste am Pattex Spezialkleber: Er ist nicht nur zur reinen Verklebung von Kunststoff(en) geeignet, sondern schafft auch die Verbindung von Kunststoffen mit anderen Materialien (etwa Glas, Holz, Stein, Keramik und Metall). Die Verklebung trocknet transparent aus. Nach dem Aushärten ist sie schlagfest, temperaturbeständig und unempfindlich gegen Wasser sowie Spül- beziehungsweise Waschmittel.

Da es sich beim Pattex Special um einen sogenannten Kontaktkleber handelt, unterscheidet er sich in seiner Anwendung vom UHU Allplast. So gehen Sie vor:

  • Tragen Sie den Kleber nur auf einer Seite der zu verklebenden Teile auf.
  • Lassen Sie ihn fünf bis zehn Minuten antrocknen. (Hinweis: In der Antrocknungszeit verflüchtigen sich die enthaltenen Lösemittel.)
  • Fügen Sie die Klebeteile passgenau ineinander und drücken Sie sie einige Sekunden lang zusammen.

Tipp: Je höher der ausgeübte Druck, desto besser die Haftung. Beachten Sie zudem, dass eine nachträgliche Korrektur nicht mehr möglich ist. Arbeiten Sie beim Zusammenfügen der Teile also sehr konzentriert und entsprechend genau.

Aufgrund der enthaltenen Lösemittel sollten Sie während des Vorgangs und danach gut lüften oder von vorneherein im Freien arbeiten.Pattex Klebstoff

Kostenpunkt: Eine 30-Gramm-Tube kostet etwas mehr als 4 Euro.

Kunststoff kleben in der Garage

Auch Auto- und Motorradteile bestehen zum Teil aus Kunststoff. Klebungen an solchen Fahrzeugen müssen gegebenenfalls hohen mechanischen Belastungen oder dem Kontakt mit aggressiven Flüssigkeiten standhalten. Insofern kommt nur ein Spezialkleber in Frage. Wir empfehlen Ihnen ein Produkt aus dem Hause Würth:

Würth REPLASTeasy Kunststoffkleber

Der Würth REPLASTeasy eignet sich für diverse kunststoffbezogene Reparaturen an Ihrem Auto – beispielsweise am Spoiler oder Kühlergrill sowie an Spiegelhalterungen, Stoßfängern und Ähnlichem. Bei Motorrädern können Sie mit dem Spezialprodukt sämtliche Verkleidungsteile kleben. Generell lässt sich festhalten, dass mit dem Würth REPLASTeasy fast alle Kunststoffe, die im Fahrzeugbau verwendet werden, mit sehr hoher Festigkeit verkleben.Außenspiegel kleben

Nach dem Aushärten haben Sie die Möglichkeit, die mit dem schwarzen (oder transparenten) Zwei-Komponenten-Kleber zusammengefügten Plastikteile weiterzuverarbeiten, beispielsweise zu schleifen. Der getrocknete Würth REPLASTeasy ist von -40 bis +100 °C temperaturbeständig. Zudem trotzt er Schmierölen, Benzin und Ethylacetat (Essigester).

Sie brauchen den Kleber nicht umständlich anzumischen. Praktischerweise befinden sich die beiden Komponenten des Produkts nämlich in zwei getrennten Kammern und werden beim Herausdrücken automatisch im adäquaten Verhältnis gemischt. Für die genaue Verarbeitung sollten Sie dennoch die Herstellerangaben beachten und befolgen.

Kostenpunkt: Eine 50 ml fassende Flasche des Würth REPLASTeasy Kunststoffklebers kostet zwischen 30 und 35 Euro.

Kunststoff kleben im Modellbaukeller

Sie beschäftigen sich mit Modellbau? Verklebungen in diesem Bereich müssen einerseits sehr filigran und punktgenau sein, sollen andererseits aber auch eine hohe Festigkeit aufweisen – speziell bei Funktionsmodellen. Bei unserer Recherche sind wir auf einen Kleber gestoßen, der fast alle Kunststoff- und sonstigen Materialien, die im Modellbau verwendet werden, zuverlässig verbindet:

Der UHU Hart

Außer PP, PE und Styropor klebt der UHU Hart so ziemlich alle Modellbau-Kunststoffe. Darüber hinaus wird er auch mit Holz, Metall und Balsa locker fertig.

Bei dem Produkt handelt es sich um einen glasklaren und schnelltrocknenden Klebstoff, der explizit auf das Kleben von Kleinteilen ausgerichtet ist. Nach dem Trocknen wird der UHU Hart – wie es sein Name schon vorwegnimmt – ausgesprochen hart. Aus diesem Grund können Sie ihn auch zur Versteifung und Versiegelung von Oberflächen verwenden.Klebstoff im Modellbau

Im Lieferumfang ist eine Feindosierspitze enthalten. Diese schrauben Sie einfach auf die Tube. So lassen sich punktgenaue Klebungen erzielen. Wie’s geht:

  • Nach der obligatorischen Vorbereitung der Klebeflächen (nicht vergessen!) tragen Sie den Klebstoff einseitig dünn auf.
  • Fügen Sie die Klebeteile unmittelbar zusammen und fixieren Sie sie.

Tipp: Besitzen die zu verklebenden Teile eine harte und geschlossene Oberfläche, tragen Sie den Kleber beidseitig dünn auf. Dann lassen Sie den Klebstoff kurz antrocknen (drei bis vier Minuten reichen absolut aus), ehe Sie eine Seite noch einmal dünn einstreichen. Daraufhin drücken Sie die Klebeteile zusammen und fixieren sie.

Die Vorgehensweise ist demnach dieselbe wie mit dem UHU Allplast, den wir Ihnen für den Haushaltsbereich vorgestellt haben.

Kostenpunkt: Eine 35-Gramm-Tube des UHU Hart kostet knapp 6 Euro.

Achtung: Alle beschriebenen Klebstoffe sind giftig. Halten Sie Kinder fern, wenn Sie mit einem Kunststoffkleber arbeiten, und sorgen Sie stets für eine ausreichende Belüftung!

Fazit

Kunststoffe zu kleben ist ein relativ schwieriges Unterfangen. Man muss sehr genau arbeiten, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Erleichterung verschaffen jedoch die verschiedenen Kleber, die es im Handel weitestgehend preisgünstig zu kaufen gibt. Sie sind so konzipiert, dass sie sich für die verschiedensten Kunststoffarten eignen beziehungsweise einem bestimmten Bereich (Haushalt, Auto und Motorrad, Modellbau) zugeordnet sind. Zudem helfen die in der Regel sehr detailliert gestalteten Herstellerangaben bei der richtigen Umsetzung. So gelingt es Ihnen, Ihre rissigen oder anderweitig defekten Kunststoffteile schnell und zuverlässig zu reparieren und dabei die Umwelt zu schonen. Mit jedem Plastikteil, das Sie „wiederbeleben“ statt es wegzuwerfen, tun Sie Gutes!

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