Komplementärfarben – Definition + Farben richtig kombinieren

Komplementärfarben

Sei es beim Malen und Basteln, zur Bearbeitung der Lieblingsfotos oder ganz allgemein bei allen Arten von Gestaltung – ob sie nun das Make-Up, besondere Outfit-Ideen oder die Erstellung einer Website betrifft: Komplementärfarben entscheiden mit darüber, wie gut das Resultat aussieht! Das Tolle daran: Dieser immense Effekt lässt sich spielend nachvollziehen und anschließend für die eigenen kreativen Zwecke nutzen.

Die Kraft der Farben erkennen und gezielt einsetzen

Farben machen den ersten Eindruck von Dingen aus. Das liegt daran, dass das menschliche Gehirn farbliche Informationen schneller verarbeiten kann als etwa Oberflächenformen oder deren Strukturen. Im Falle eines roten Balles würde der Betrachter also zunächst dessen Rot wahrnehmen, bevor die runde Form oder gar das glatte Material eine Rolle spielen.

Daraus zeigt sich ganz deutlich: Farben haben eine unheimlich starke Wirkung. Neben ihrer Vorrangstellung können sie außerdem sinnliche Botschaften mitbringen, etwa eine warme oder kühle Ausstrahlung, gut gelaunte Helligkeit oder mysteriöses Dunkel. Zudem können sie als sehr passend empfunden werden – oder sich beißen. Genau hier kommen die Komplementärfarben ins Spiel. Denn die Macht der Farben stellt mitnichten eine zufällige Erscheinung dar. Vielmehr basiert die gesamte bunte Welt – wie fast immer – auf purer Physik. Keine Sorge, damit müssen Sie sich nicht abmühen, um sich die Wirkung der Komplementärfarben demnächst zunutze zu machen. Zum genaueren Verständnis benötigen Sie nicht mehr als den weiter unten dargestellten Farbkreis und wenige Minuten Lesezeit. Wer zusätzlich noch einen alten Farbkasten oder eine ähnlich funktionierende Software griffbereit hat, kann die spannende „Magie“ der Farben direkt selbst ausprobieren.

Grundfarben bzw. Primärfarben

Es gibt drei Grundfarben, auch Primärfarben genannt. Diese lassen sich nicht in andere Töne zerlegen und somit auch nicht durch Anmischung erzeugen. Man könnte sie mit den Primzahlen in der Mathematik vergleichen, die bekanntlich nur durch sich selbst teilbar sind. Zu den drei Primärfarben zählen:

  • GELB
  • ROT
  • BLAU

Grundfarben

Bei diesen drei Tönen handelt es sich um dominante Farben mit dem stärkst möglichen Ausdruck. Dieser tritt vor allem zu Tage, wenn mindestens zwei davon nebeneinander vorkommen. Eine solche Kombination von Primärrot, Primärgelb und Primärblau wird dank ihrer sehr vitalen und lebensfrohen Wirkung beispielsweise gerne für Clownskostüme verwendet, um einen sympathischen Eindruck auf Kinder zu erzeugen. Auch die intensive Kraft expressionistischer Gemälde beruht nicht zuletzt auf der gerne eingesetzten Nebeneinanderstellung zweier Grundfarben.

Während die Primärfarben nicht anmischbar sind, erlauben sie im Gegenzug die Herstellung vieler neuer Nuancen, der sogenannten Sekundärfarben. All die die unzähligen dem Auge bekannten Nuancen können grundsätzlich aus dieser Dreiton-Basis zusammengemischt werden.

Mischfarben bzw. Sekundärfarben

Von Mischfarben oder folgerichtig Sekundärfarben ist immer dann die Rede, wenn sich aus der Vereinigung zweier Primärfarben – und zwar zu gleichen Anteilen – ein dritter Ton ergibt. Das bedeutet, zwei Grundfarben werden 50:50 gemischt und es entsteht eine neue, eine Sekundärfarbe. Diese sind wiederum drei:

  • VIOLETT = ROT + BLAU
  • GRÜN = GELB + BLAU
  • ORANGE = GELB + ROT

Farben mischen

Zusammengefasst haben wir nun drei Primär- und drei Sekundärfarben zur Verfügung. Diese können übersichtlich in einem aus sechs gleichen Teilen bestehenden Kreis platziert werden. Dabei sollte zwischen den Primärfarben immer ein Feld frei bleiben. In dieses wird genau jene Sekundärfarbe eingezeichnet, die aus ihren beiden Nachbarn entsteht.

Komplementärfarben

Komplementärfarben am Farbkreis bestimmen

Sobald Sie sich die Grundfarben eingeprägt haben, macht dieser simple Farbkreis deutlich, welche Mischfarben aus deren jeweiliger Kombination entstehen. Aber der Kreis zeigt auch noch etwas Anderes, und zwar die Komplementärfarben. Denn jede Primärfarbe besitzt eine Ergänzung, ihre Komplementärfarbe. Das lateinische Wort Complementum bedeutet nichts anderes als Ergänzung. Die beiden zueinander komplementären – also sich gegenseitig ergänzenden – Töne liegen stehen sich im Farbkreis gegenüber. Das Ergebnis können Sie mit einem Blick ablesen. Hier sind die Komplementärfarben im Überblick:

  • Primärfarbe GELB -> Komplementärfarbe VIOLETT
  • Primärfarbe ROT -> Komplementärfarbe GRÜN
  • Primärfarbe BLAU -> Komplementärfarbe ORANGE

Komplementärfarben

Tipp: Rot ist auch Komplementärfarbe von Grün, Orange von Blau, und so weiter. Die einseitige Darstellung dient lediglich dem Verständnis der Entstehung. Komplementärfarben sind aber immer beide gleichberechtigte Partner eines Paares.

Die Logik dahinter ist ganz simpel: Denn die drei Grundfarben ergeben in der Farblehre auf diese Weise immer ein Ganzes.

Beispiel: Sie mischen Blau mit Rot. Es ergibt sich Violett. Die Grundfarbe Gelb bleibt übrig. Sie hat aber dennoch eine Aufgabe. Sie verhält sich komplementär zu Violett. Probieren Sie das Gleiche im Kopf mit den anderen Sekundärfarben durch. Immer jene Primärfarbe, die nicht an der Mischung der jeweiligen Sekundärfarbe beteiligt ist, bleibt als Komplementärfarbe über.

Einen etwas ausgefeilteren Farbkreis hat der Schweizer Maler und Kunsttheoretiker Johannes Itten Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen. Seine Vorlage gilt noch immer als offizieller Standard in Sachen Farblehre. Ittens Farbkreis ist in etwa wie ein Zifferblatt aufgebaut. Auf jeder der zwölf Stunden liegt eine Farbe. Denn unsere bisherigen sechs Töne werden hier um jeweils zwei Abwandlungen ergänzt, die sogenannten Tertiärfarben. Sie entstehen aus der Mischung einer Sekundär- mit einer Grundfarbe.

Farbkreis
Farbkreis nach Itten

Wichtig für Ihren Gebrauch bleibt auch bei diesem Modell: Immer die genau gegenüberliegenden Töne sind komplementär zueinander.

Farben schnell und einfach ermitteln

Einen solchen Farbkreis können Sie sich für den späteren Gebrauch einfach ausdrucken, abspeichern, oder – besonders kreativ – selber per Hand gestalten. Hier bieten wir Ihnen den Farbkreis zum Ausdruck.

Er bietet durch den Trick der gegenüberliegenden Komplementärfarbe zuverlässige Hilfe, wenn es darum geht, den richtigen Ton zu treffen. Zudem lassen sich bequem jene Farben ermitteln, die harmonisch zueinander aussehen. Das geht so:

1. Schritt: Wählen Sie im Kreis Ihre Wunschfarbe, die auf jeden Fall in Ihrer Gestaltung vorkommen soll.

2. Schritt: Imaginär oder tatsächlich mit Hilfe eines Zirkels oder entsprechenden virtuellen Tools zeichnen Sie von dieser Farbe ausgehend nun ein gleichschenkliges Dreieck im Inneren des Kreises. Die gleichen Seiten gehen im spitzen Winkel immer von der Wunschfarbe aus.

3. Schritt: Die drei nunmehr verbundenen Farben ergeben eine harmonische Kombination. Sie flankieren die Komplementärfarbe des Ausgangstones jeweils links und rechts.

Komplementärfarben erkennen

Beispiel: Gehen Sie von Rot-Orange aus (das im Farbkreis auf 3 Uhr sitzt), dann werden die gleichlangen Schenkel des Dreiecks auf Blau und Grün weisen.

Tipp: Wer vier Farben ermitteln möchte, kann anstelle des Dreiecks ein Rechteck von seiner Wunschfarbe ausgehend ziehen. Auch hier werden genau jene Farben ermittelt, die harmonisch wirken.

Komplementärfarben erkennen

Das Ergebnis ist natürlich kein Muss – erlaubt ist, was gefällt. Es liefert Ihnen lediglich die Information darüber, welche Töne grundsätzlich besonders gut zusammenpassen.

Wirkung der Farben

Die Wirkung der Komplementärfarben liegt in Harmonie und Ausgleich. Die entsprechenden Töne passen gut zusammen, aber in einer ganz besonderen Weise, denn sie maximieren die Schönheit ihres Gegenübers. Beide Farben bringen sich gegenseitig zum Strahlen. So passen beispielsweise viele Töne ganz nett zusammen, ohne komisch auszusehen, das ganz große Leuchten kitzelt aber nur die Komplementärfarbe heraus. Hierbei spricht man auch von Simultankontrast. Das bedeutet, die verstärkende Wirkung der Komplementärfarben tritt genau dann zutage, wenn diese gleichzeitig nebeneinander vorkommen.

Zusätzlich ergibt sich eine besondere Harmonie, die für eine ruhige Ausstrahlung sorgt. Das Gegenstück dazu wären solche Farben, die sich „beißen“. Darunter versteht sich im Grunde nur, dass sie im Farbkreis zu nah oder zu fern liegen, also zu viel oder zu wenig Kontrast liefern. Auch diese Disharmonie muss übrigens nicht per se vermieden werden. Gerade in der künstlerischen Gestaltung kann der Effekt durchaus gewünscht sein, denn er sorgt für Aufregung.

Tipp: Neutrale Töne sind die Weiß, Schwarz und auch Grau. Sie besitzen weder Komplementärfarben noch solche, die sich mit ihnen beißen würden. Deshalb passen die neutralen Töne bekanntlich zu so ziemlich allem. Als Mischzusatz zu den Primär- oder Sekundärfarben beeinflussen sie die Helligkeit (Weiß und Schwarz) sowie die Reinheit (Grau).

Komplementärfarben richtig einsetzen

In der Praxis können Komplementärfarben unterschiedliche Verwendung finden, je nachdem, welchen Effekt Sie damit erzielen wollen. Drei Beispiele zeigen die facettenreichen Wirkungsfelder.

1. Ruhe und Harmonie vermitteln – für den seriösen Auftritt

Um besondere Balance in einem Bild zu erzeugen, empfehlen sich vor allem die mithilfe des Dreieck-Tricks ermittelten direkten Nachbarn der Komplementärfarben. Ihr Anblick vermittelt dem Auge genau die richtige Abstimmung von Helligkeit, Tiefe und Kontrast. Eine gewisse Festigkeit signalisiert diese Harmonie, und dieser Effekt kann für zahlreiche Einsatzgebiete erwünscht sein, sei es bei der Kreation einer eigenen Website, der Gestaltung eines Rundbriefes oder einer Einladungskarte oder natürlich auch im weitschweifigen Bereich der Home-Dekoration. Auch wer sich künstlerisch betätigt, kann durch den Harmonie-Effekt gezielt eine unterschwellige Bildaussage treffen – oder diese bewusst zugunsten einer anderen Stimmung vermeiden.

2. Neutralisieren – mit der Farblehre richtig schminken

Die zweite Leistung der Komplementärfarben liegt darin, sich gegenseitig zu neutralisieren. Color Correcting ist ein großes Thema im Bereich von Make-Up und Fotobearbeitung. Denn wenn ein Ton mit seiner Ergänzungsfarbe überdeckt wird, anstatt daneben zu liegen, entsteht ein Ausgleich, der die Ausgangsfarbe nahezu unsichtbar erscheinen lässt. In der dekorativen Kosmetik stehen deshalb zunehmend sogenannte „Corrector“-Produkte zur Verfügung, die nichts weiter als die Komplementärfarbe zu einem gängigen Hautproblem darstellen.

  • Blaue Augenschatten werden mit einer apricotfarbenen Abdeckung unsichtbar. Je lila-stichiger die Augenringe sind, desto eher gilt es, einen sehr gelblichen Corrector zu wählen
  • Rote Stellen wie Narben oder Pickelchen wirken durch ein grünes Produkt wie retuschiert.

3. Zum Leuchten bringen – Schokoladenseiten betonen

Wenn sie nicht direkt übereinander, sondern nebeneinander platziert werden, erzielen sich ergänzende Farben genau den entgegengesetzten Effekt. Sie neutralisieren sich keineswegs, sondern betonen sich – wie bereits weiter oben ausgeführt – umso mehr. Diese Wirkung ist bei Augenschatten natürlich alles andere als hilfreich. Um jedoch beispielsweise die eigene Haar- oder Augenfarbe gekonnt in Szene zu setzen, kann ein Oberteil in dem komplementären Ton wahre Wunder wirken. Beispiel: ein rotes Shirt zu grünen Augen.

Tipp: Wer sich in Sachen Make-Up und Styling für braune Augen oder ganz allgemein fragt, was die Komplementärfarbe zu Braun sein könnte, sollte bedenken, dass dieser Ton aus Grün gemischt mit Rot hervorgeht. Somit liegt der jeweilige Braunton im Farbkreis zwischen diesen beiden Farben. Die Nuancen sind vielfältig, am ehesten trifft es jedoch eine Abdunklung von Orange. Somit ist die Komplementärfarbe eine dunklere Variante von Blau.



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