Knistertuch nähen

Das Knistertuch gehört zu den beliebtesten Baby-Spielsachen. Durch das Greifen und Kneten des kleines Stofftuches können die Babys ihre haptischen und audiovisuellen Fähigkeiten besser kennen lernen. Wir zeigen in dieser Anleitung, wie Sie solch ein Kinstertuch nähen können – ganz einfach, schnell und individuell.

Auch heute möchte ich mich wieder mit dem Baby-Thema beschäftigen. So eine aufregende Zeit kommt für die Kleinen wohl nie wieder. Alles ist neu! Sie sehen, hören, riechen, schmecken und ertasten so vieles zum ersten Mal. Zum Angreifen gibt es unzählige Materialien, die sich alle unterschiedlich anfühlen. Sie können weich oder rau sein, glatt oder uneben, feucht oder trocken und sich sogar warm oder kalt anfühlen. Manche sind auch klebrig. Und gerade beim Thema Haptik kann man mit vielerlei schönen Spielereien ansetzen, die schnell und einfach selbst angefertigt werden können. Wie beispielsweise einem „Etiketten-Tuch“, an dem einfach ganz viele unterschiedliche Etiketten angebracht sind (ich weiß auch nicht, warum gerade so etwas für die Zwerge besonders spannend ist) oder eben einem Knistertuch, wie ich es heute beschreiben möchte.

Damit auch der Sehsinn nicht zu kurz kommt, sind die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten was Farben, Formen und Motive angeht ein weiterer Pluspunkt. Ob Sie sich an die Regenbogenfarben halten, Ihre persönliche Lieblingsfarbe einsetzen oder das Knistertuch passend zur restlichen Babyausstattung anfertigen, bleibt ganz Ihnen überlassen. Das Eulenmotiv beispielsweise ist ungebrochen attraktiv und auch Giraffen, Füchse und Bären tummeln sich seit Jahrzehnten in den Babybettchen unserer kleinen Lieblinge in allen möglichen Farben und Formen.

Auch Knistertücher lassen sich hervorragend personalisieren und als besondere Geschenke weitergeben. Worauf dabei zu achten ist, erzähle ich später ausführlich.

Knistertücher sind schnell und einfach gefertigt und ich persönlich finde es gut, wenn ich weiß, was sich in solchen Utensilien verbirgt. Gerade bei unseren Kleinsten sind wir in solchen Punkten ja sehr penibel und fragen lieber extra nach. Darum habe ich in dieser Anleitung auch darauf geachtet, diese Punkte detailliert zu behandeln.

Schwierigkeitsgrad 1/5
(für Anfänger geeignet)
Materialkosten 2/5
(je nach Stoffauswahl zwischen EUR 0,- aus der Resteverwertung und EUR 40,-)
Zeitaufwand 1,5/5
(inkl. Schnittmuster etwa 1-3 Stunden je nach Variante)

Materialauswahl

Die Materialauswahl ist bei Knistertüchern ein ganz wichtiger Punkt, da die Babys sie ja nicht nur anfassen, sondern sie auch liebend gerne in den Mund stecken und daran rumknabbern. Daher sollten Sie bei der Stoffauswahl darauf achten, dass Ihre Materialien unbedenklich sind.

Knistertuch für Babys nähen

Für das Tuch selbst nehme ich in diesem Fall 100% Baumwollstoff gemäß ÖKOTEX 100 – Standard. Für die „Füllung“, unser Knistermaterial, hat sich ein einfacher Bratschlauch am besten bewährt. Dieser ist nicht nur lebensmittelecht, sondern auch waschbar und äußerst hitzebeständig – er kann also im Stoff einfach mitgebügelt werden. Einen solchen Bratschlauch erhalten Sie im gut sortierten Supermarkt in 3m-Stücken, da kommen Sie lange aus und können viele Knistertücher gestalten.

Selbstverständlich können Sie auch dehnbare Stoffe verwenden. Denken Sie nur bitte daran, diese entsprechend zu verstärken. Grundsätzlich empfehle ich für Knistertücher aber nicht dehnbare, weiche Stoffe.

Gerade wenn Sie passend zur restlichen Babyausstattung nähen möchten, können Sie für dieses Knistertuch hervorragend Ihre Reste verarbeiten!

Materialmenge und das Schnittmuster

Sie benötigen genug Stoff, um eine Ober- und eine Unterseite zuzuschneiden. Knistertücher sind normalerweise quadratisch und nicht besonders groß.

Ich habe für meine kleineren Quadrate einen Topfuntersetzer als Schablone eingesetzt, für die runden einen Dessertteller. Sie können beide Seiten aus dem gleichen oder auch aus unterschiedlichen Stoffen gestalten. Ich habe mich für verschiedene Muster im gleichen Farbton entschieden.

Schnittmuster für ein Knistertuch
Beim Schneiden können gleich zwei Stofflagen übereinander gelegt geschnitten werden – so haben Sie sofort eine Vorder- und Rückseite, die zueinander passen.

Ebenso schneiden Sie den Bratschlauch in der passenden Größe zurecht.

Bratschlauch zuschneiden

Tipp: Den Bratschlauch schneide ich etwas größer zu, da er beim Annähen leicht verrutschen kann und dann fehlt vielleicht ein Millimeter.

Denken Sie daran, dass Sie in Länge und Breite noch jeweils etwa 2cm an Nahtzugabe abziehen müssen, um die Endgröße einschätzen zu können.

Tipp: Verwenden Sie niemals Ihre Stoffschere, um andere Materialien zuzuschneiden! Dadurch werden die Klingen stumpf und die Schere kann Stoffe nicht mehr gut schneiden.

Das Knistertuch nähen

Zu allererst wird wieder einmal geendelt. Dies können Sie entweder mit Ihrer Overlock-Maschine tun oder mit einem einfachen, langen Zick-Zack-Stich Ihrer Nähmaschine. Wenn Sie mehrere Knistertücher auf einmal zugeschnitten haben, ist das nun der langweilige Teil. Aber es lohnt sich, da die Stoffe so später beim Nähen nicht ausfransen können und Ihre Tücher auch länger halten werden.

Stoff endeln

Stoff feststeckenLegen Sie nun Ihre Ober- und Unterseite rechts auf rechts (also die schönen Seiten zueinander) aufeinander, legen Sie den zugeschnittenen Bratschlauch darauf und stecken sie diese drei Schichten mit Stecknadeln am Rand entlang fest. Bei größeren Tüchern können Sie gerne mehrere Stecknadeln verwenden, dann fällt später das Nähen leichter.

 

Tipp: Achten Sie auch beim Zusammennähen darauf, dass die Seite mit dem Bratschlauch oben vor Ihnen liegt. Der Schieber Ihrer Nähmaschine könnte Schwierigkeiten damit haben, die Folie weiterzuschieben.

Nun nähen Sie ringsum mit 0,7-1cm Abstand zum Rand mit einem einfachen Geradstich alle drei Lagen zusammen. Denken Sie daran, eine Wendeöffnung frei zu lassen. Anfang und Ende bitte immer gut vernähen! Hier sollten etwa 4cm ausreichen. Wenn Ihr Werkstück größer ist, benötigen Sie natürlich auch eine größere Wendeöffnung.

Knistertuch nähen

Tipp: Bei teilweise runden Schnittformen bietet es sich an, die Wendeöffnung an einer geraden Seite auszusparen, da sie so im Nachhinein einfacher und schöner geschlossen werden kann.

Sollten Sie ein Knistertuch mit Ecken anfertigen, nähen Sie bis zur jeweiligen Ecke, lassen die Nadel im Stoff, heben den Nähfuß, drehen Ihr Werkstück um 90°, senken den Nähfuß wieder und nähen weiter.

Kinstertuch nähen

Tipp: Die Wendeöffnung platzieren Sie im Idealfall nicht an einer Ecke sondern an einer geraden Seite, so ist sie später schöner zu schließen.

Nun können Sie die Kanten und Ecken des Bratschlauchs an die restlichen Nahtzugaben anpassen. Bei Knistertüchern mit Ecken können diese in der Nahtzugabe gekürzt werden, damit sie nach dem Wenden leichter auszuformen sind.

Knistertuch nähen

Wenden Sie nun das Knistertuch achtsam und lassen Sie an allen Kanten und Ecken Vorsicht walten. Der Bratschlauch ist durch die Naht perforiert und kann dadurch leicht an der Naht abreißen, dann bleibt er nicht schön in Form. Nach dem Wenden legen Sie sich die Kanten der Nahtöffnung möglichst gleichmäßig auf und bügeln alles gut fest.

Und fertig!

Jetzt steppen sie noch einmal knappkantig mit einem einfachen Geradstich rundherum und Ihr Knistertuch ist fertig!

Variationen

Selbstverständlich können Sie sich vom Design her in jeder Hinsicht austoben! Sie können für Ihr Knistertuch ganz einfach aus Uni- oder Motivstoff fertigen, ein Mini-Patchwork gestalten, verschiedenen Stoffstreifen aneinander nähen, unterschiedliche Muster einbringen und/oder es besticken (dies tun Sie nach dem Endeln, aber vor dem Zusammennähen). Auch Applikationen eigenen sich für ein solches Projekt.

Knistertuch Variationen

Von geplotteten Motiven und sonstigen aufbügelfähigen Dekorationen würde ich persönlich eher absehen, da sich eventuell etwas lösen und so in den Mund des Babys gelangen könnte. Auch bei Stoffmalfarben sollten sie auf die Qualität und die Inhaltsstoffe achten. Diese können auch verlaufen und sich in der Waschmaschine eventuell verwaschen, daher würde ich auch von Stoffmalfarben abraten.

Anstelle der einfachen Steppnaht im finalen Schritt können Sie beispielsweise auch die Zierstiche Ihrer Nähmaschine einsetzen und damit Ihrem Knistertuch noch einen persönlichen Touch geben.

Eine weitere Möglichkeit, vor allem, wenn Sie keine schönes Kindermotiv zur Hand haben, ist ein einfarbiger Stoff (idealerweise weiß oder schwarz), den Sie dann mit verschiedenen Farben mehrfach absteppen. Beispielsweise in den Regenbogenfarben 6 Steppnähte nebeneinander (rot – orange – gelb – grün – blau – violett).

Tipp: Denken Sie daran, jeweils auch immer den Unterfaden in der entsprechenden Farbe einzusetzen! Die äußere Steppnaht ist jeweils auf beiden Seiten sichtbar!

So ein Knistertuch wirkt dann gerade aufgrund des eintönigen Ausgangsstoffes besonders farbenfroh und leuchtend. Bei dieser Technik können Sie mit etwas Geduld und Geschick auch „Nähmalen“, also mit Ihrer Nähmaschine ein schönes Motiv in das Tuch steppen. Dies können Sie wahlweise vor oder nach dem Zusammennähen der einzelnen Lagen umsetzen, je nachdem, ob das Motiv auf beiden Seiten sichtbar sein soll oder nicht.

Tipp: Wenn Sie das Motiv zum Abschluss aufnähen, nähen Sie im Idealfall erst ein Probestück und kontrollieren das Nahtbild an der Unterseite, damit das Motiv an beiden Seiten schön wird.

Wie bereits in meiner Anleitung zur Krabbeldecke beschrieben, können Sie Ihr Knistertuch auch direkt auf eine solche Decke aufnähen oder es mittels Druckknöpfen anbringen. Sie können am Knistertuch auch in der Wendeöffnung eine Schlaufe einnähen, damit man es an einen Spielebogen, an einen Autogriff oder direkt an die Babyschale oder den Kinderwagen hängen kann. Am besten nähen Sie gleich mehrere Tücher und verteilen Sie an den Lieblingsplätzen des Babys, damit es immer damit spielen kann.

Schnellanleitung:

1. Stoffe auswählen, endeln, je nach Wunsch Oberstoff gestalten
2. Stoffe zuschneiden und stapeln (Ober- und Unterstoff rechts auf rechts, obenauf Bratschlauch)
3. Alle Lagen gut feststecken und dann einmal ringsum mit Nahtzugabe vernähen, Wendeöffnung aussparen
4. Gegebenenfalls Nahtzugaben (Bratschlauch) anpassen, Ecken abschrägen
5. Durch Wendeöffnung wenden
6. Bügeln
7. Rundherum absteppen – fertig!

Die Zwirnpiratin

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT