Die japanische Schneidekunst Kirigami bringt mit etwas Übung und Begeisterung wahre Kunstwerke hervor. Für Einsteiger gibt es hier zwei einfache Anleitungen für kreative Pop-Up-Karten sowie ein Tutorial, nach dem Sie mit etwas Falten und Schneiden einfache Kirschblüten gestalten können.

Kirigami-Blumen und Karten

Die Kirigami-Technik stellt eine zugleich einfache und dennoch sehr wirkungsvolle Methode dar, um Grußkarten selber zu kreieren. Sie erhalten eine besondere Karte, aus deren Innerem ein dreidimensionales Pop-Up-Gebilde hervorgeht: in diesem Falle einmal interessante und vielseitig interpretierbare Querbalken und eine prachtvolle Lotusblüte. Im Anschluss zeigen wir Ihnen eine leicht verständliche Anleitung, mit der Sie in wenigen Schritten dekorative Kirigami-Blumen erstellen und weiterverarbeiten können. Wer die Herangehensweise des Kirigami einmal verinnerlicht hat, wird mit der Zeit immer komplexere Arbeiten erstellen, bestaunen und verschenken können. Und das Beste: All diese sehr persönlichen Kreationen benötigen neben hübschem Papier lediglich grundlegende Hilfsmittel wie Schere und Geodreieck, die sich mit Sicherheit schon in Ihrem Haushalt befinden.

Einfache Pop-Up-Karte

Diese – für ein Kirigami-Kunstwerk verhältnismäßig – sehr einfache Pop-Up-Karte passt zu zahlreichen Anlässen. Die dreidimensional erscheinenden Stufen lassen sich mit poetischen Glückwünschen zu Geburtstagen, Hochzeitsfeiern oder allen erdenklichen Jubiläen kombinieren.

Schwierigkeit: leicht, auch für absolute Anfänger gut zu meistern
Zeitaufwand: je nach Fertigkeit zwischen 20 Minuten und einer Stunde
Materialkosten: schönes Papier ist in größeren Packungen oder Einzelblättern für Preise zwischen 1 und 10 Euro zu haben, alles andere sollte vorhanden sein

kirigami-materialDas werden Sie brauchen:

  • robustes Kartonpapier in zwei harmonierenden Farben (je nach Wunschgröße der resultierenden Karte ist das Format optional, etwa A5 oder A4 – nur rechteckig sollte das Papier in jedem Fall sein)
  • Zeichendreieck (gleichschenklig)
  • Schere
  • Kleber
  • Bleistift

So geht es:

1. Entscheiden Sie sich zuerst, welche Farbe das Äußere der Karte bilden soll, und welche in der Innenansicht erscheinen wird. Wir bezeichnen die so festgelegten Papiere von nun an als A (außen) und I (innen).

2. Zunächst nehmen Sie I zur Hand und reduzieren seine Größe rundum um etwa einen Zentimeter.

Tipp: Besonders leicht geht dieser Schritt, wenn Sie das Papier einmal symmetrisch zusammenklappen (ohne die Kante stark zu falten) und einmal sowohl der Länge als auch der Breite nach einen Streifen von einem Zentimeter Breite abschneiden.

3. Nun falten Sie beide Papiere an ihrer kleineren Symmetrieachse einmal und ziehen die Kante mit dem Geodreieck oder per Hand stark nach.

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4. Jetzt legen Sie I so vor sich hin, dass die geschlossene Kante zu Ihnen zeigt. Die breite Seite Ihres Geodreiecks positionieren Sie genau an der geschlossenen Kante – beide sollten genau abschließen, die gegenüberliegende Spitze des Dreiecks exakt mittig sein.

5. Sie ziehen nun die kürzeren Seiten des Dreiecks mit dem Bleistift nach und markieren zuerst den Mittelpunkt jeder Seite und daraufhin den Mittelpunkt der soeben erzeugten Hälften. Jede der beiden kurzen Dreiecksseiten sollte nun also vier gleichgroße Abschnitte aufweisen.

6. Im Anschluss ziehen Sie mithilfe des Geodreiecks senkrechte Linien nach unten zur geschlossenen Kante hin, und zwar indem Sie das Dreieck immer 0,5 Zentimeter links und rechts von den in Schritt 5 eingezeichneten Markierungspunkten anlegen und dann an beiden Seiten rechtwinklig nach unten zeichnen.

7. Auch mit dem Mittelpunkt Ihres Bleistiftdreiecks, also dessen Spitze, verfahren Sie, als wäre Sie einer der Markierungspunkte: Messen Sie auf beiden Seiten davon einen halben Zentimeter ab, legen Ihr Geodreieck rechtwinklig zur Unterkante an und ziehen gerade Linien nach unten.

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Tipp: Wenn Sie die beiden vorangegangenen Schritte richtig ausgeführt haben, ist es schon fast geschafft. Vorerst aber sollten in ihrem per Bleistift gezeichneten Dreieck auf I fünf gleichmäßige (einen Zentimeter breite) Balken senkrecht stehen.

8. Jetzt wird geschnitten! Setzen Sie jeweils entlang der Balken senkrechte Schnitte von der Unterkante bis hin zu den kurzen Seiten des Dreiecks. Schneiden Sie jedoch nichts ab: „Einschneiden, nicht abschneiden“ lautet die Devise!

9. Nun lassen sich die Balken leicht nach oben klappen, bis sie etwa im rechten Winkel zu Ihrer Tischplatte stehen.

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10. Versehen Sie nun alles von I – außer ebendiesen Balken! – mit Kleber! Natürlich nur die obenliegende Fläche, auf der Sie soeben alles einzeichneten sowie deren Rückfront. Das im Inneren von I liegende bleibt unberührt.

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11. Daraufhin klappen Sie I auf und ziehen die Balken durch die Öffnungen in dessen bisher innen liegende Seite – dabei werden sie sich auffalten und als Langstriemen erscheinen.

12. Kleben Sie I mit der eingekleisterten Fläche in die Innenseite von A – natürlich schön gleichmäßig, sodass überall ein Rand von etwa einem Zentimeter bleibt, an dem man die Farbe von A sieht.

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13. Zum Abschluss alles gut in Form ziehen, vorsichtig zuklappen und trocknen lassen. Fertig ist Ihre Karte!

Pop-Up-Karte mit Lotusblüte

kirigami-karte-lotusbluete-basteln-08Etwas komplizierter und zeitintensiver als Variante 1 ist die Lotuskarte. Der geringe Mehraufwand lohnt sich allerdings für ein traumhaftschönes Ergebnis: eine Lotusblume, die direkt aus der aufgeklappten Karte erblüht!

Schwierigkeit: Mit etwas Geduld auch für Anfänger problemlos machbar.
Zeitaufwand: etwa halbe Stunde- je nach Fertigkeit
Materialkosten: je nach Papier zwischen 2 und 5 Euro.

Das werden Sie brauchen:

  • Stabiles Kartonpapier in präferierter Farbe (für die Außenansicht der Karte); Format nach Wunsch, Hauptsache rechteckig
  • Weiteres dünneres Papier für die Blüte – normales weißes Kopier- oder Zeichenpapier bringt bereits schöne Resultate, noch besser: ein zarter Roséton
  • Buntstifte in Rot- oder Pinknuancen
  • Schere
  • Kleber

So geht es:

1. Nehmen Sie Ihr dünneres, für die Blüte vorgesehenes, Papier zur Hand. Halbieren Sie es einmal, indem Sie die Längskanten symmetrisch aufeinander klappen. Die Kante gut falten!

2. Nun klappen Sie das Papier wieder auf und falten eine der Längskanten bis zur durch den Falz aus Schritt 1 vorgegebenen Mitte hin.

3. Auch wieder auffalten und entlang der entstandenen Mittellinie den äußeren Streifen abschneiden. Er macht in der Breite genau ein Viertel des Papieres aus.

4. Verfahren Sie ebenso mit dem danebenliegenden Streifen. Die ursprüngliche Längsachse Ihres Papieres ist nun die Schnittstelle!

5. Nach diesen beiden Schritten sollten zwei Streifen von gleichem Format vor Ihnen liegen – plus dem doppelt so breiten Reststück, das sie nun weglegen können.

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6. Nehmen Sie einen der Streifen und klappen seine kurzen Kanten einmal symmetrisch aufeinander.

7. Das entstandene Stück legen Sie wieder mit dessen kurzen Kanten aufeinander und falten es gut.

8. Und auch dieses kleine verbleibende Stück halbieren Sie noch einmal, indem Sie wieder die kurzen Kanten übereinander klappen und gut falten. Nun sollte ein kompaktes rechteckiges Papierpaket vor Ihnen liegen.

9. Die oberste Seite des „Paketes“ halbieren Sie nun wieder. Dafür klappen Sie die offene Kante symmetrisch nach hinten zu der geschlossenen Seite.

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10. An die Schere! Halten Sie das „Paket“ hochkant vor sich und schneiden ihm die oberen Ecken rundlich ab. Danach sollte als Resultat die etwas dickere Seite (auf die in Schritt 9 ein Stück geklappt wurde) ebenso mit einem Halbmond umschnitten sein wie ihre benachbarte leicht dünnere Hälfte.

11. Im Anschluss können Sie das Paket entfalten! Ein langer Streifen mit einseitigen Hügeln – wie eine Berg- und Talbahn – liegt nun vor Ihnen.

12. Die Hügelkuppen malen Sie nun mit Ihren Buntstiften oder Acrylfarbe an – das werden die späteren Blütenblätter und die Farbe verleiht ihnen den typischen Lotuseffekt.

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Tipp: Lassen Sie die Farbe nach innen hin sanft auslaufen, also von einem kräftigeren Rand malen Sie zur Mitte hin immer sanfter, bis Ihre Farbe allmählich in den ursprünglichen Ton des Papiers übergeht. Für einen noch zarteren Look können Sie die Farbe anschließend mit dem Finger oder einem Taschentuch leicht verwischen.

13. Wiederholen Sie Schritt 6 bis 12 sorgfältig mit den zweiten verbleibenden Streifen!

14. Beide Berg- und Talbahnen versehen Sie nun mit vier Einschnittlinien, und zwar einmal nach dem ersten Hügel, dann nach den zwei darauffolgenden und weiter im Zweiertakt. Achtung! Bei einem Streifen liegen diese Striche an der Unterkante, während Streifen Nummer 2 seine Markierungen oben zwischen den Hügeln trägt. Sinn ist es, beide Streifen nach dem Schnitt an diesen Stellen ineinanderstecken zu können.

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15. Überprüfen Sie noch einmal, ob Ihre Markierungen korrekt gesetzt sind, bevor Sie im Anschluss die Schnitte setzen!

16. Jetzt stecken Sie die Streifen an Ihren Schnittstellen ineinander: Unterkante des einen in die Oberkante des anderen, sodass abschnittsweise immer ein Streifenstück vor und dann wieder hinter dem anderen liegt. Danach sollte es aussehen, als hätten Sie nur noch einen einzigen homogenen Streifen vor sich.

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17. Fassen Sie nun zwischen beide Streifen und ziehen die Abschnitte an ihren Faltkanten leicht auseinander, um sie anschließend aufeinanderzudrücken. Nach diesem Schritt sollte wieder ein Paket vor Ihnen liegen, das diesmal leicht herzförmig aussieht und sich wie der Blasebalg einer Ziehharmonika auseinanderziehen lässt.

18. Die Ober- und Unterseite des Herzpaketes versehen Sie sorgfältig mit Kleber und befestigen sie mittig in Ihrer einmal gefalteten Außenkarte!

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19. Gut trocknen lassen, am besten gepresst unter einem schweren Gegenstand (etwa einem dicken Buch) – und fertig ist Ihr erblühender Lotus!

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Einfache Kirschblüte per Kirigami

kirigami-kirschbluete-01Blumen sind immer gut – wer keine frischen zur Hand hat, faltet sich mit dieser simplen Kirigami-Technik einfach hübsche Kirschblüten aus Papier: ob als kleine Aufmerksamkeit, für die Wohndeko oder um die Außenseite der oben erklärten Karten damit zu verzieren!

Schwierigkeit: ganz leicht, wenn die Schritte einmal verstanden wurden
Zeitaufwand: mit etwas Übung in 5 Minuten fertig
Materialkosten: am besten einen Pack hübsches Origamipapier kaufen – für 5 bis 10 Euro, reicht ewig. Ansonsten einfaches Kopierpapier für wenige Cent nehmen und anmalen!

Das werden Sie brauchen:

  • Quadratisches Papier, am besten in zartem Rosé oder sanftem Muster – an echte Kirschblüten angelehnt
  • eine Schere
  • eventuell Buntstifte

So geht es:

1. Falten Sie Ihr quadratisches Papier zunächst einmal in der Mitte, um ein Rechteck zu formen. Die geschlossene Seite legen Sie so, dass sie nach unten, also zu Ihrem Körper hin zeigt.

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2. Danach falten Sie die untere rechte Ecke zur Mitte hin: Es bildet sich eine diagonale Linie. Wieder auffalten.

3. Nun nehmen Sie die rechte obere Ecke und falten Sie zur unteren Mitte hin: Die erste Diagonale wird von einer zweiten gekreuzt. Auffalten.

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4. Daraufhin falten Sie die linke untere Ecke zum Mittelpunkt der beiden rechtsliegenden gekreuzten Diagonalen.

5. Die Ecke, die in Schritt 4 zum Diagonalenmittelpunkt wanderte, legen Sie nun zur linken Kante. Danach sollte auf der Linken der Anblick einer Art Eistütenform entstehen.

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6. Falten Sie nun die verbleibende rechte Unterkante zur rechten Außenseite der Eistüte hin.

7. An dieser Mittellinie klappen Sie beide Seiten nach hinten um. Die Eistüte sollte nun weiter nach vorne zu Ihnen zeigen.

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8. An ihrer untersten sichtbaren quer verlaufenden Papierlinie (nicht Faltkante!) schneiden Sie von rechts nach links einen großzügigen Halbkreis ab. Der Endpunkt an der Linken liegt in etwa am Ende des ersten Drittels der gesamten linken Seite.

9. Nach diesem Schnitt sollte oben eine kleine Spitze entstanden sein, die Sie nun mit einem geraden Schnitt von wenigen Millimetern entfernen.

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10. Wenn Sie das Papier nun auffalten, sehen sie die fünf Blätter einer wunderschönen Kirschblüte.

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11. Nun können Sie die Blüte auf eine Karte kleben, weiter bemalen oder als Raumdeko verwenden.

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Tipps für Schnellleser:

  • Einfach Kirigami Pop-Up-Karte mit fantasievollen Stufen
  • Ein Papier mit Geodreieck und Bleistift bearbeiten
  • Querbalken einzeichnen und einschneiden
  • Flächen mit Kleber versehen
  • und in zweites Papier kleben
  • Schöne Lotusblüten-Karte Pop-Up
  • Zwei gleiche Streifen zurechtschneiden
  • Falten und Kuppen abrunden
  • Rundungen blütenartig bemalen
  • Streifen ineinanderstecken, aufziehen und falten
  • In äußere Kartenhülle kleben
  • Einfache Kirigami-Kirschblüte schneiden
  • Quadratisches Papier in mehreren Schritten falten
  • Kante durch Rundschneiden in Blattform bringen
  • Aufklappen und eventuell weiter verzieren
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Feli
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