Kabelkanal kleben: DIY-Anleitung | Ohne bohren befestigen

Kabelkanal kleben

Ob für den nachträglichen Aufbau von Leitungen, für eine gute Revisionierbarkeit der Installationen oder bei häufigen Veränderungen – es gibt viele Gründe, einen Kabelkanal einzusetzen. Doch nicht immer ist es möglich oder gewünscht, diesen mit dem Untergrund zu verschrauben. Wir erklären, wie es schnell, einfach und dauerhaft gelingt, den Kabelkanal zu kleben.

Ein Kabelkanal ist aus der modernen Gebäudetechnik kaum noch weg zu denken. Er fasst Installationen zusammen und ermöglicht zugleich einen einfachen Zugriff bei Veränderungen oder Instandsetzungen. Vor allem dann, wenn keine speziellen Träger für die Kabeltrassen verwendet werden, kann eine dauerhafte und schadfrei rückbaubare Verschraubung häufig nicht zur Anwendung kommen. Stattdessen ermöglicht das Kleben von Kabelkanälen den Aufbau auf Wandbeläge, ohne in die Unterkonstruktion eingreifen zu müssen. Wie das Kabelkanal Kleben für Hobbyhandwerker gelingt und welche Klebstoffe sinnvoll sind, erklären wir hier an Hand bildhafter Erläuterungen und leicht nachvollziehbarer Beispiele.

Die Voraussetzungen

Am bekanntesten und gerade im Bereich von industriellen oder auch gewerblichen Vorhaben auch Gang und Gäbe ist es, Kabelkanäle auf die sie tragende Unterkonstruktion, also Konsolen oder Wand, zu schrauben. Hintergrund ist die meist intensive Belegung mit Kabeln, die in Summe ein hohes Gewicht darstellt. Im privaten Wohnungsbau dagegen kann es dagegen ausreichend sein, den Kabelkanal auch nur mit dem Untergrund zu verkleben. Der große Vorteil liegt dabei in der Tatsache, dass das Trägerbauteil nicht penetriert wird und bei Versetzen oder Entfernen des Kabelkanals höchstens die Oberfläche in geringem Umfang in Stand gesetzt werden muss. Zudem gelingt das Kabelkanal Kleben weit schneller und günstiger, als es durch zeitraubende Verschraubungen mit allen erforderlichen Arbeitsschritten vom Anzeichnen über Bohren und Einschlagen der Dübel bis zur finalen Montage der Fall wäre. Damit man einen Kabelkanal aber kleben kann, sollten einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Ausreichende Dimensionierung des Kabelkanals für stimmiges Verhältnis von Gehäuse- und somit Klebefläche zu beinhaltetem Kabelgewicht
  • Keine Überbelegung des Kanals, da in Folge Überlastung der Klebeflächen
  • Tragfähiger und für gewählten Klebstoff geeigneter Untergrund
  • mit Material des Kabelkanals und dem Untergrund harmonierendes Klebesystem
  • korrekte Anwendung des Klebers mit Vorbereitung der Klebeflächen

Kabelschacht

Gängige Untergründe

Dass man einen Kabelkanal nur kleben kann, wenn der Untergrund in der Lage ist, ihn aufzunehmen, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Doch was bedeutet das eigentlich? Hierzu lohnt ein kurzer Blick auf die unterschiedlichen Anforderungen, die an das Bauteil unter dem Kanal gestellt werden:

1. statische Tragfähigkeit

Natürlich muss die Wand, an der die Kabeltrasse befestigt wird, in der Lage sein, das Gewicht des Kanals einschließlich aller Kabel aufzunehmen. Idealerweise sind außerdem noch einige Reserven vorhanden, so dass auch die Ergänzung weiterer Leitungen ohne Austausch oder Verstärkung möglich sind. Bei Massivwänden wird hier selten ein Problem entstehen. Bei leichten Trennwänden dagegen kann ein üppig belegter Kabelkanal aber leicht dazu führen, dass die den Kanal aufnehmende Gipskartonplatte punktuell überlastet wird und sich verformt beziehungsweise in sich bricht oder sogar vom Tragprofil abreißt.

2. Eignung für Verklebung

Neben der statischen Tragfähigkeit der Unterkonstruktion muss die Oberfläche, meist die Wandoberfläche, geeignet sein, die Verklebung aufzunehmen. Je nach Oberflächenbeschaffenheit, können dabei unterschiedliche Kriterien ausschlaggebend sein:

Tapete

  • Tapezierte Wände: Verklebung Tapete auf Wand muss Kabelkanalgewicht aufnehmen und übertragen können
  • Bei Gipskartonplatten etc.: Kanalgewicht darf Integrität der Platte in sich nicht überschreiten, ansonsten Ausbrechen der Klebestellen aus dem Gipsverbund
  • Sonstige Oberflächen, wie Holz, Stein, Beton etc.: Oberflächenbeschaffenheit muss kraftschlüssigen Verbund des Klebers ermöglichen, darf also nicht stark sanden, übermäßig saugen oder chemisch mit Lösemittel des Klebstoffs reagieren

Geeignete Klebstoffe

Damit Kabelkanäle auch ohne Verschraubung sicher und vor allem dauerhaft an Ort und Stelle bleiben, kommt dem Klebstoff als Verbindungselement zwischen Untergrund und Wand eine elementare Bedeutung zu. Diese Anforderungen werden an den Klebstoff gestellt:

  • Verträglichkeit mit vorhandenen Materialien an Untergrund und Kabelkanal
  • Eignung für vorhandene Oberflächenbeschaffenheiten an Wand und Kanal
  • Gleichbleibende Leistungsfähigkeit ohne Ermüdungserscheinungen bei dauerhafter Belastung

Hinweis: Nicht zwingend erforderlich, aber sehr hilfreich im Falle von Revisions- oder Änderungsarbeiten ist eine gewisse Flexibilität des Klebstoffs. Härtet er spröde und vollständig unflexibel aus, sind bereits bei kleinen Bewegungen des Kabelkanals, etwa beim Öffnen des Deckels, Brücke und Risse im Klebstoff und in der Folge eine deutliche reduzierte Tragfähigkeit der Verklebung zu befürchten.

Aus dem genannten Anforderungskatalog ergibt sich die Tatsache, dass zum Kabelkanal Kleben heute letztlich zwei Typen an Klebstoffen gebräuchlich sind:

1. Doppelseitiges Klebeband -einfach zu verarbeiten und auch auf glatten Oberflächen (Rückseite Kabelkanal) gut haftend, sofort und ohne Reaktionszeit belastbar, zudem dauerhaft flexibel, um Bewegungen aufzunehmen

2. Montagekleber – hochbelastbar, flexibel, auf auch glatten Oberflächen haftend, allerdings produktabhängig mit Ablüft- bzw. Anpresszeit

Tipp: Je dicker ein Klebeband ausfällt, umso leichter kann es die in nahezu jeder Oberfläche vorhandenen Unebenheiten ausgleichen. Besonders gut geeignet sind daher so genannte Foam-Klebebänder, deren Tragmaterial aus einem schaumstoffähnlichen Material mit einer Dicke bis zu mehreren Millimetern besteht!

Ungeeignet sind dagegen andere, gerade im Heimwerkerbereich immer wieder anzutreffende Klebstoffe:

Kein Pattex

  • „Pattex“ – Einkomponenten-Universalkleber: nicht ausreichend tragfähig, mit verschiedenen Untergründen nicht kompatibel, härtet spröde aus
  • Mineralische Kleber, z.B. Fliesenkleber, Klebemörtel für Gasbetonsteine etc.: härten spröde aus, kein Haftungsvermögen auf glatten Untergründen, sehr lange Abbindezeit, im Einzelfall Angriff des Kunststoffs des Kabelkanals durch im Abbindeprozess entstehende Kieselsäure

Kabelkanal kleben

Nachdem nun klar ist, auf welchen Untergründen man einen Kabelkanal kleben kann und welche Klebstoffe hierfür üblicherweise auf Grund ihrer guten Eignung herangezogen werden, gelingt der eigentliche Aufbau in wenigen Schritten schnell und simpel:

Untergrundvorbereitung

  • Klebefläche des Kanals von Schmutz, Staub und Fett befreien, z.B. mit Lösemittel, alternativ milde Seifenlauge
  • Untergrund, also Wandoberfläche etc., von losem Schmutz und Staub befreien
  • Geplante Lage des Kanals für einfachere Positionierung an Wand anzeichnen

Hinweis: Wird zur Reinigung des Kabelkanals Waschbenzin oder Lösungsmittel verwendet, sollte unbedingt auf die Verträglichkeit mit dem Kunststoff des Kanals geachtet werden. Das Material muss zwar bei fehlender Eignung zwar nicht sofort in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch Veränderungen der Beschaffenheit kann aber die Haftung des Klebers auf Dauer verändert werden.

Doppelseitiges Klebeband

  • Möglichst dickes Klebeband wählen, um Unebenheiten im Untergrund auszugleichen
  • Schutzfolie einseitig abziehen und Klebeband auf Rückseite Kabelkanal aufbringen
  • Schutzfolie im Verlauf des Aufklebens nur stückweise abziehen, gleichzeitig Klebeband sukzessive auf Untergrund aufdrücken, somit geringere Gefahr von Falten und schräg verlaufender Klebung
  • Zweite Schutzfolie abziehen
  • Kanal nach Markierung ausrichten und kurz und kräftig andrücken
  • Tragfähigkeit vor dem Einlegen der Kabel prüfen

Doppelseitiges Klebeband

Bei Einsatz von Montagekleber

  • Kleberkartuschen gemäß Herstellerangabe für den Einsatz vorbereiten (Kanüle aufschrauben, Sicherung entfernen, ggf. schütteln oder auf den Kopf drehen)
  • Kleberraupe nach Vorgabe Hersteller auf Kanalrückseite aufbringen
  • Bei erforderlicher Ablüftzeit vorgegebene Zeitspanne abwarten
  • Kanal an Markierung ausrichten und an Wand andrücken
  • Erforderliche Presszeiten nach Herstellerangaben einhalten
  • Bei zusätzlichen Aushärtungszeiten bis zur endgültigen Belastbarkeit diese abwarten
  • Belastbarkeit vor Beladung mit Kabeln testen

Kabelkanäle mit werkseitig aufgebrachtem Klebeband

Einen Sonderfall stellen Kabelkanäle dar, die bereits vom Hersteller auf ihrer Rückseite mit einem doppelseitigen Klebeband versehen wurden. Hier gestaltet sich der Aufbau noch einfacher, da lediglich die Schutzfolie abgezogen und der Kanal an der Wand angedrückt wird. Allerdings kommen hierbei meist sehr dünne Klebebänder zum Einsatz. Ihre Klebekraft ist zwar ausreichend bemessen, allerdings kann ein zu dünnes Klebeband die bei jeder Wand vorhandenen Unebenheiten selbst im geringen Rahmen nicht ausgleichen. Die Folge ist eine nicht durchgängige Verklebung. Je intensiver die Unebenheiten ausfallen, umso schneller werden die tatsächlich klebenden Stellen auf ein Maß reduziert, dass nicht mehr in der Lage ist, den Kanal einschließlich Kabelfüllung zu tragen.

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