Wer einen Holztisch mit geölter Oberfläche besitzt, der kennt das Problem: obwohl man regelmäßig nachgeölt hat, wird die Tischplatte irgendwann unansehnlich, stumpf, hat Flecken, Beschädigungen usw. und muss deshalb aufgearbeitet werden. Damit der Tisch wieder so schön wie zuvor wird, gilt es, einige Punkte zu beachten.

Flecken auf einem Holztisch
Flecken auf einem Holztisch

Bevor man nämlich mit dieser umfangreichen und doch zeitaufwändigen Arbeit beginnt, so muss man erst abklären: ist die Tischplatte furniert, oder besteht sie aus Massivholz? Eine massive Platte kann nämlich auch mehrmals mit einem Bandschleifer bearbeitet werden, um eventuelle starke Beschädigungen oder Flecken, die tief in das Holz gedrungen sind, zu entfernen; eine furnierte Platte verzeiht eine solche Behandlung nicht. Das Furnier würde durchgeschliffen, die Trägerplatte sichtbar und somit der Tisch unbrauchbar werden.

Das Aufarbeiten einer geölten Tischplatte geschieht nun in mehreren Schritten:

  • Tischplatte säubern
  • stärkere Flecken entfernen
  • Beschädigungen ausbessern
  • mehrmaliges Schleifen
  • Ölen
  • Polieren

Tisch säubern

Zum einfachen Säubern, also dem Entfernen leichterer Verschmutzung, kann man sog „güne Seife“ (Schmierseife) verwenden. Sie ist rückfettend, nicht aggressiv und bildet keinen Film auf dem Holz. Bei stärkeren Flecken, z.B. Rotwein, Brandflecken o.ä. wird man aber zu Schleifklotz oder Schleifmaschine greifen müssen, da diese Flecken i.d.R. in tiefere Holzschichten eingedrungen sind.

Grüne Seife
Grüne Seife

Hier muss man mit Bedacht vorgehen, um nicht an dieser Stelle eine Vertiefung in die Platte zu schleifen. Außerdem ist die Wahl der richtigen Körnung sehr wichtig. Eine zu grobe Körnung, dazu noch ein zu fester Anpressdruck, hinterlassen Riefen im Holz, die sich nur sehr schwer durch mehrmaliges Nachschleifen wieder entfernen lassen. Deshalb muss auch grundsätzlich immer mit der Holzmaserung geschliffen werden!

Ein Problem kann hier bei Kiefernholz auftreten, da es mit der Zeit nachdunkelt und dann nach dem Schleifen natürlich an der geschliffenen Stelle wieder heller ist. Deshalb muss hier immer die ganze Platte geschliffen und, soll sie farblich wieder zu den umgebenden Möbeln passen, mit einer Lasur oder mit Holzöl, dem Farbpigmente zugesetzt sind, behandelt werden, um erneut den etwas dunkleren Farbton zu erhalten.

Beschädigungen ausbessern

Die Beseitigung von größeren Beschädigungen kann man wie folgt angehen:

Fällt etwas auf den Tisch, so können – besonders bei Weichholz wie Fichte oder Kiefer – Dellen im Holz entstehen, denen man mit einem Bügeleisen und Wasser zu Leibe rücken kann: die Stelle wird mit Wasser beträufelt, darauf kommt ein Tuch und wird mit einem Bügeleisen bedampft. Ist die Delle nicht zu tief, kann man sie so entfernen. Sehr tiefe Dellen und Kratzer kann man mit Holzkitt in der passenden Farbe ausbessern.

Vorsicht: Keinesfalls Holzwachs verwenden! Denn an der so ausgebesserten Stelle würde später das Öl abgestoßen werden.

Oberfläche behandeln

Danach folgt die eigentliche Oberflächenbehandlung in mehreren Schritten.

Schritt 1: Das Abschleifen

Man beginnt mit Schleifpapier der Körnung 80 – 100; bei jedem weiteren Arbeitsschritt wird die Körnung feiner (bis 240). Natürlich darf man auch die Stirnseiten nicht vergessen, hier ist nur Handarbeit mittels Schleifklotz möglich. Je besser man aber diese – zugegebenermaßen zeitintensiven – Vorarbeiten durchführt, umso besser wird das Endergebnis sein! Am besten führt man alle Arbeiten übrigens im Freien oder in einer Garage durch, da doch sehr viel Staub entsteht und auch der Geruch von Beize oder Öl im Haus sehr unangenehm ist.

Beim Abschleifen auf die Körnung achten
Beim Abschleifen auf die Körnung achten

Tipp: Wer diese Schritte umgehen möchte, wem die Zeit oder das notwendige Werkzeug fehlt, der sollte die Tischplatte abschrauben und zu einem Schreiner bringen, der sie ganz professionell auf der Bandschleifmaschine bearbeiten kann.

Ist die Tischplatte danach wieder im „Rohzustand“, dann folgen die nächsten Arbeitsschritte:

Schritt 2: Tischplatte vorbereiten

Hat man den Schleifstaub sorgfältig entfernt, dann wird die Platte „gewässert“, d.h. mit Wasser eingesprüht um zu erreichen, dass sich die Holzfasern aufstellen. Nach dem Trocknen wird dann mit Schleifpapier (Körnung 240 – 320) geschliffen, um die Holzfasern zu glätten (diesen Vorgang kann man auch mehrmals wiederholen) und der Tisch wird nochmals gründlich entstaubt!

Wässern und Entstauben
Wässern und Entstauben

Schritt 3: Gewünschten Farbton herstellen

War er zuvor gebeizt, dann ist nun der Zeitpunkt, den gewünschten Farbton wieder herzustellen. Dabei muss man beachten: helles Holz kann mit Beize einen dunkleren Farbton erhalten – umgekehrt ist das nicht möglich! Auch hier muss mit dem Weiterarbeiten gewartet werden, bis die Beize vollständig trocken ist.

Schritt 4: Das Ölen des Tisches

Theoretisch ist es möglich, jedes Öl zu verwenden, also auch Oliven-, Raps –  oder Sonnenblumenöl. Diese Öle härten aber nicht aus – es bildet sich ein Film, der z.B. an Kleidung oder Tischwäsche Flecken verursacht. Außerdem werden diese Öle ranzig und beginnen zu riechen.

Leinölfirnis und Terpetin
Leinölfirnis und Terpetin

Deshalb wird üblicherweise Leinölfirnis verwendet. Hier werden dem nativen Leinöl noch einige Zusatzstoffe wie Terpentin und Schwermetallsalze zugemischt, um es dünnflüssiger zu machen, so dass es besser ins Holz einziehen kann. Aber auch das Öl aus der Nuss des Tungbaums, Tungöl oder auch chinesisches Holzöl genannt, ist zum Versiegeln von Tischplatten gut geeignet und in Fachmärkten erhältlich.

Nun trägt man zum ersten Mal mit einem Tuch oder Pinsel das gewünschte Öl dünn auf und lässt es einziehen. Nach einer gewissen Trocknungszeit, die durchaus 1 – 2 Tage dauern kann (ob das Öl vollständig getrocknet ist merkt man daran, dass sich die Oberfläche nicht mehr „klebrig“ anfühlt) , wird der Vorgang mit weniger Öl wiederholt und zwar so oft, bis das Holz kein Öl mehr annimmt. Sollte überschüssiges Öl auf der Platte stehen bleiben, so ist dieses direkt zu entfernen, da sich sonst eine zähe Masse bildet, die man wiederum nur durch erneutes Schleifen der ganzen Platte entfernen kann. An den Stirnseiten ist Vorsicht geboten, da diese mehr Öl aufnehmen können und deshalb dunkler werden!

Tipp: Zum Aufnehmen des überschüssigen Öls eignet sich Küchenkrepp – es ist preisgünstig und fusselt nicht! Vorsicht ist bei ölgetränkten Lappen geboten – diese können sich selbst entzünden und müssen dementsprechend gelagert und entsorgt werden!

Ist der letzte Auftrag vollständig trocken, was je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit mehrere Tage in Anspruch nimmt, kann die Oberfläche – wenn gewünscht –  mit einem weichen Lappen poliert werden, wodurch man einen seidenmatten Glanz erzielt. Der Lappen wird mit weißer Porzellanerde (Kaolin, in Apotheken als Bolus Alba erhältlich) oder Bimsmehl sparsam befeuchtet und die Fläche mit kreisenden Bewegungen poliert.

Tisch ölen
Tisch ölen

Welche Kosten fallen an?

  • 0,15 – 0,20 EUR für einen Bogen Schleifpapier (je nach Körnung)
  • elektrischer Handbandschleifer ab ca. 60 EUR, dazu passendes Schleifband ab ca. 0,80 EUR / Band
  • 10 EUR / ltr. für Leinölfirnis, 15 EUR / ltr. für Tungöl (chin. Holzöl)

Tipps für Schnellleser:

  • leichte Verschmutzung mit „grüner Seife“ entfernen
  • starke Verschmutzungen mit Schleifpapier entfernen
  • größere Beschädigungen mit Holzkitt ausbessern
  • mehrmals schleifen (mit grober Körnung beginnen – mit feiner Körnung enden)
  • wässern und gut trocknen lassen
  • Endschliff mit feinem Schleifpapier (Körnung 240 – 320)
  • anschließend mehrmals mit geeignetem Holzöl ölen
  • polieren

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