Glaswolle/Mineralwolle entsorgen – aber wo? Kosten-Überblick

Glaswolle entsorgen

Glas- und Steinwolle gehörten zu den „mineralischen Faserdämmstoffen“. Sie sind als Dämmmaterial aus vielen Gründen ideal. Problematisch werden sie jedoch beim Austausch: Die bis 1995 bzw. 2001 verwendeten Dämmstoffe gelten als lungengängig und damit „potentiell krebserregend“. Hier erfahren Sie alles über den Austausch von Mineraldämmstoffen und welche Kosten dabei entstehen.

Glaswolle ist eigentlich optimal…

Dämmstoffe aus Mineralfasern sind aus vielen Gründen ihrer scharfen Konkurrenz aus Kunststoff-Hartschaumplatten weit überlegen. Die Vorteile von Mineralfaserplatten gegenüber Hartschaumplatten sind:

  • Unbrennbar
  • Flammhemmende Wirkung
  • Wieder verwertbar
  • Billiger und einfacher in der Entsorgung

Sie haben gegenüber den Dämmstoffplatten aus Styropor auch Nachteile. Diese sind:

  • Keine Druckfestigkeit
  • Kein guter Putzgrund
  • Anschaffungspreis
  • Aufwändig und unangenehm in der Verarbeitung und im Austausch

Mineraldämmstoffe bestehen aus geschmolzenem, versponnenem und gepresstem Glas oder Stein. Beides sind quarzbasierte Materialien, welche von Natur aus vollkommen unbrennbar sind. Das macht diese Dämmstoffe den Styroporplatten um Längen überlegen, die wegen ihrer leichten Brennbarkeit zunehmend in Verruf geraten. Diese Unbrennbarkeit macht sie auch für Feuer-Trennwände ideal: In Kombination mit einer ebenfalls unbrennbaren Gipskartonplatte, erzeugen Mineraldämmstoffe echte Brandmauern, welche das Ausbreiten eines Feuers verhindern können.

Da der Quarz stofflich nicht umgewandelt wird, können alte Stein- und Glaswollplatten problemlos wieder eingeschmolzen und zu neuen Produkten weiter verarbeitet werden.
Die Preise für die Entsorgung von Styropor sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Zudem ist die Entsorgung sehr schwer geworden, da längst nicht alle Deponien und Verbrennungsanlage über die notwendigen Zulassungen verfügen. Glaswolle ist da wesentlich einfacher los zu werden.

Mineralwolle

Problematisch sind allerdings die statisch-technischen Eigenschaften von Dämmwolle aus Mineralfasern. Sie eignen sich gut als Zwischenraumdämmung, als Zwischensparrendämmung und als Dämmung für Zwischendecken. In jedem Fall benötigen sie ein Tragegerüst, in dem sie eingebaut werden können. Sie selbst haben jedoch keinerlei Druck- oder Zugfestigkeiten, die technisch nutzbar wären. Eine Kellerbodendämmung ist deshalb nach wie vor nur mit den Styrodurplatten sinnvoll. Es gibt Lösungen für die Fassadendämmung mit Mineralwollplatten. Aber auch hierbei muss ein höherer technischer Aufwand betrieben werden, als bei der einfachen Styroporplatte-Außenputz Lösung. In der Regel kommen bei der Außendämmung mit Mineralfaserplatten nur zweischalige Systeme wie vorgehängte Platten oder Klinkerwände in Frage. Aber erste Versuche, mit Mineralwoll-Platten auch normale Wärmedämm-Verbundsysteme herzustellen wie man sie schon mit den Styroporplatten kennt, laufen bereits.

Der Dämmwert von Mineralwollplatten liegt zudem unter dem von Hartschaum. Der Unterschied ist jedoch nur geringfügig. Was wesentlich mehr ins Gewicht fällt, ist der Anschaffungspreis. Zum Vergleich:

  • 100 mm dicke Mineralwoll-Matte: 6,25 Euro pro Quadratmeter
  • 100 mm dicke Styropor-Universaldämmplatte: 0,90 Euro pro Quadratmeter

Allerdings sind diese Kaufpreise insofern nicht sehr aussagefähig, da sie die Entsorgungskosten von Rest- und Altstoffen nicht mit abbilden.

Wann Glaswolle austauschen?

Grundsätzlich gilt beim Betreiben eines mit mineralischer Dämmwolle isoliertem Haus Bestandsschutz. Auch alte Dämmwolle wird noch nicht als „Giftstoff“ identifiziert, der unbedingt sofort ausgetauscht werden muss. Das unterscheidet die alte Glas- und Steinwolle beispielsweise von Asbest. Wird dieser Stoff in einem alten Gebäude nachgewiesen, muss das ganze Haus aufwändig saniert und dekontaminiert werden.

Wenn jedoch bei einer Umbaumaßnahme eine vorhandene alte mineralische Dämmwolle entfernt werden muss, darf sie nicht wieder eingebaut werden. Ausnahmeregelungen betreffen hier nur Kleinreparaturen. Wichtig ist, den Unterschied zwischen „alter“ und „neuer“ Dämmwolle zu kennen. Der Grund dafür liegt in der Änderung des Herstellungsverfahrens, welche die Krebsgefahr der Fasern deutlich reduzieren sollte.

Krebsgefahr durch Dämmwolle?

Die karzinogene Wirkung von Asbest gilt mittlerweile als gesichert. Bei mineralischer Dämmwolle haben sich Gesetzgeber und Industrie jedoch lange Zeit nicht einigen können, bis 1995 eine neue Norm eingeführt wurde. Diese besagt, dass alle Fasern unter einer Dicke von 3 Mikrometer als „lungengängig“ angesehen werden. Das bedeutet, dass diese Fasern nach dem Einatmen nicht mehr vollständig abgehustet oder durch den Organismus abgeführt werden. Alle Fasern, die einen größeren Durchmesser als 3 Mikrometer haben gelten hingegen als „nicht lungengängig“ und damit als weit weniger gefährlich.

Glaswolle

Ab dem Jahr 1995 konnten die Hersteller ihre neu produzierten mineralischen Dämmwollprodukte mit dem entsprechenden Zertifikat auszeichnen, welches sie als ungefährlich einstuft. Die bisherigen Dämmwollen durften zwar noch produziert und verkauft werden, sie mussten aber mit einem Gefahrstoff-Symbol ausgestattet werden. Ab 1. Juli 2000 ist die Herstellung der lungengängigen Mineralwollen verboten. Daraus folgt folgende Unterscheidung:

Bis 1995: „Alte Dämmwolle“

Grundsätzlich gilt jede Art von mineralischer Dämmwolle, die bis zum Jahr 1995 verbaut wurde, als „alte“ Dämmwolle. Bei ihrem Ausbau und Entsorgung gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen

Ab Juli 2000: „Neue Dämmwolle“

Wird ein Baukörper saniert, der nachweislich mit Dämmwolle ausgestattet ist, die nach dem Juli 2000 hergestellt wurde, sind die Vorsichtsmaßnahmen beim Ausbau und der Entsorgung weniger aufwändig. Ein Vollschutz ist dennoch empfohlen, da die Fasern sehr unangenehm auf der Haut sind. Gegen das Jucken, welches einen Arbeiter nach dem Ausbau von Dämmwolle plagen kann, helfen im schlimmsten Fall auch Salben.

Mineralwolle verarbeiten

Wir empfehlen dennoch, beim Austausch oder Abriss von Dämmwolle größten Wert auf die persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu legen. Zu einer PSA für Dämmwoll-Arbeiten gehört:

  • ein scharfes Cuttermesser
  • langärmliges Hemd und Hose
  • Handschuhe
  • Kopfbedeckung
  • Atemschutz
  • geeignete Säcke zum Einlagern

Für den Atemschutz hat die Industrie die Staubschutzmasken nach Filterklasse: EN 149:2001 bzw. A1:2009 FFP2RD Norm entwickelt. Sie kosten ca. 7 Euro das Stück, sind jedoch wieder verwendbar.

Glaswolle richtig verarbeiten

Für die Entsorgung von Mineralwolle stellt der Handel spezielle Abfallsäcke zur Verfügung. Sie sind mit einem Aufdruck versehen, welcher Auskunft über den Inhalt gibt. Diese Säcke stehen in verschiedenen Größen zur Auswahl:

Normale Säcke mit 700 Liter Fassungsvermögen: Staffelpreise ab ca. 2-3 Euro pro Stück
Big Bags mit 2400 Liter Fassungsvermögen: Staffelpreise ab 12 Euro das Stück
Die Preise für diese Gebinde fallen sehr stark, je nachdem, wie viele Säcke abgenommen werden. Bei Big Bags kann sich jedoch ein Handling-Problem ergeben, da sie sehr sperrig werden, wenn sie voll gefüllt sind. Die Verwendung von normalen Abfallsäcken ist hingegen nicht empfohlen. Diese Säcke reißen zu leicht auf. Außerdem kann es mit diesen Plastiksäcken zu Problemen bei der Anlieferung an der Entsorgungsstelle kommen.

Glaswolle entsorgen

Preise für die Entsorgung

Die Preise für die Entsorgung von Dämmwolle werden nach Gewicht gerechnet. Das Grundmaß ist hier die Tonne. Die angesagten Preise von ca. 300 Euro pro Tonne sollten aber immer relativ gesehen werden: Dämmwolle ist kein Bauschutt, bei dem schnell eine Tonne an Material zusammen kommen kann. Zwar variieren die spezifischen Dichten von Dämm- und Glaswolle ganz erheblich, sie sind dennoch stets weit unter der, welche Schutt aus Beton, Steinen und Mörtel erreichen können.

Steinwolle hat eine Mindestdichte von 22 kg/m³ und eine Maximaldichte von 200 kg/m³. Der Dichtebereich von Glaswolle ist mit 20-153 kg/m etwas geringer. Auf ein begreifbares Volumen gerechnet: Ein voller Big Bag mit 2400 Litern Inhalt wiegt demnach zwischen 52,8 und 480 kg. Damit entstehen auf der Deponie Kosten zwischen 15 und 150 Euro. An den Entsorgungskosten wird ein Austausch der Dämmstoffe deshalb nicht scheitern.

Mülltrennung

Wie bei jeder Entsorgungsmaßnahme sind die Kosten im erheblichen Maße von der sauberen Trennung der Stoffe abhängig. Abfälle aus Mineralwolle sind nur und ausschließlich die Reststoffe aus diesen Materialien. Plastik, Folie, Nägel, Steine, Mörtel oder die Reste von der Frühstückspause haben in den Abfallsäcken für Dämmmaterialien absolut nichts zu suchen. Hier sind die Entsorger in der Regel wenig kulant. Wenn statt den reinen Reststoffen Mischmüll angeliefert wird, dann wird der Abfall auch als Mischmüll gewertet. Und der kostet in der Regel wesentlich mehr.

Insbesondere beim Sanieren eines Dachstuhls passiert es leicht, dass die Lattung, Verschalung, deren Verschraubung oder die Dampfsperre im gleichen Sack landen, wie die Dämmwolle. Das sollte unbedingt vermieden werden. Lieber jeden Sack vor dem Zuknoten genau kontrollieren, so spart man viel Geld.

Besonders fatal wird es, wenn die Gebinde mit Dämmwoll-Reststoffen mit Styropor verunreinigt werden. In diesem Punkt sind die Entsorger heute wenig kulant. Solcherart verunreinigte Abfälle werden von den meisten Dienstleistern gar nicht erst angenommen. Allerdings können kaschierte Dämmwoll-Matten so bleiben, wie sie sind. Ein Abreißen der optionalen Schicht aus Kunststoff-Aluminium-Folie ist nicht notwendig und ist, wegen der Freisetzung der Fasern, auch nicht empfohlen.

Hinzu kommt, dass Dämmmaterialien sehr leicht sind. Alles, was kein Dämmmaterial ist, erhöht das Gewicht der Abfallsäcke unproportional und verursacht damit zusätzliche Kosten. Das gilt vor allem für Baustoffe und für Metalle. Beides lässt sich durch saubere Trennung nicht nur besser entsorgen, mit einer gewissenhaften Sortierung lässt sich damit sogar Geld verdienen.

Metalle sind grundsätzlich Wertstoffe, die jeder Schrotthändler annimmt und dafür Tagespreise zahlt. Die Nägel, Streben und Anker, mit denen die Dämmwollmatten fixiert wurden, mit in die Big Bags zu werfen ist deshalb eine doppelte Geldverschwendung: Das Gewicht vom Sack steigt und das wertvolle Metall wird nicht verkauft. Das kann besonders bei Edelstahl-Wandankern ein sehr teurer Spaß werden. Für dieses Metall werden durchaus 750 Euro pro Tonne bezahlt.

Quittung

Wichtig: Quittung aufbewahren!

Die fachgerechte Entsorgung von Abfällen, die bei einer Renovierung entstehen, ist sehr wichtig. wenn es sich um eine angemeldete oder gewerblich ausgeübte Maßnahme handelt, sollten unbedingt alle Quittungen der Entsorger gut verwahrt werden. Besonders bei öffentlichen Baumaßnahmen werden die zuständigen Umweltämter die fachgerechte Entsorgung der Reststoffe prüfen wollen. Dabei wird auch eine Schätzung vorgenommen: Aus dem Volumen der Freiräume, beispielsweise zwischen Dachsparren, lässt sich die eingebaute Menge an Glaswolle leicht hochrechnen. Die auf der Quittung nachgewiesene entsorgte Menge an Glaswolle sollte dem so gut wie möglich entsprechen, sonst können Bußgelder drohen.

Preiswert und gut für die Umwelt

Die Entsorgung von Dämmwolle aus Glas oder anderen Mineralien ist sinnvoll, da sie eine permanente Gefahr für die Gesundheit beseitigt. Beim Entsorgen sollte die Wolle gewissenhaft von den anderen Reststoffen getrennt werden. Dann reißt die Fahrt zur Deponie auch kein Loch in das Budget.

Tipps für Schnellleser

  • Dämmwolle immer mit den geeigneten Säcken entsorgen
  • Reststoffe immer genau voneinander trennen
  • Umfassende Schutzkleidung tragen, vor allem zum Atemschutz
  • Glaswolle nicht gegen Styropor austauschen


1 KOMMENTAR
  1. Die im Beitrag als relativ problemlos dargestellte Entsorgung von Mineralwolle lässt einen wesentlichen Prroblemkreis vollständig aus, nämlich die Entsorgung von Mineralwolleprodukten, die Bestandteil eines Wärmedämmverbundsystems sind. In einem WDVS sind bekanntlich Kleber, Armierungsmörtel und -gewebe sowie i.d.R.. auch Dubel und sonstiges Zubehör fest miteinander verbunden und nicht ohne weiteres mit vertretbarem Aufwand trennbar.
    Erfolgt jedoch keine aufwendige Trennung liegt ein Baumischabfall vor, der derzeit von kaum einem Entsorger in großen Mengen abgenommen wird. Die Vorteile der Mineralwolle – nicht brennbar und unverrotbar – werden dann zum Problem. Große Mengen „unsauberer Mineralwolle“ werden an Deponien nicht angenommen, da sie nicht verrotten und zudem ein großes Volumen aufweisen. Auch die Müllberbrennungsanlagen nehmen diesen Mischabfall nicht ab, da er i.W. nicht brennbar ist. Zum vorhandenen und weiter zunehmedem Entsorgungsproblem der an Fassaden verbauten Mineralwolle gibt es m.E. weder ein plausibles Konzept für das Recycling noch eine preiswerte Entsorgungsmöglichkeit.. Staat und Hersteller verschließen hierbei gemeinsam die Augen, obwohl ihnen das Problem sehr genau bekannt ist.. .

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