Glasfasertapete selbst entfernen – Anleitung in 6 Schritten

Glasfasertapete entfernen

Glasfasertapete selbst entfernen kann ganz leicht werden, ist aber oft ein Spaß für sich. Die se Anleitung gibt Ihnen einen Stufenplan an die Hand, mit dem Sie auch eine altehrwürdige Dickschicht-Glasfasertapete von der Wand bekommen werden.

Ganz alte Glasfasertapete lässt sich manchmal noch mit Wasser von der Wand weichen, recht neue Glasfasertapete mitunter in einem Schwung abziehen. Dazwischen gibt es Glasfaser-Wandbeschichtungen, die mit Kleber und mehrfachem Überstreichen im Lauf der Zeit die Dicke einer Putzschicht erreicht haben. Auch die bekommen Sie mit nachfolgender Anleitung von der Wand herunter, und wenn im Extremfall nicht viel Wand (-putz) übrig bleibt, wird gleich der Putz vorgestellt, der ein traumhaftes Wohnraumklima schafft:

Problem – Glasfasertapete

Die Glasfasertapete besteht aus Glasfaser, einer künstlichen Mineralfaser aus Flaschenglas oder Fensterglas, Sand, Soda, Kalk und verschiedenen Chemikalien. Diese Glasfasern werden auf einer riesigen Webmaschine zur Glasfasertapete verwoben, zur Fixierung kommt dann noch Appretur, Kleber, Farbe (mit weiteren Chemikalien) dazu. Glasfasertapete ist von sehr dichter Struktur und praktisch unzerstörbar, das Material ist stoßfest, bruchfest, wasserfest, ziemlich brandfest und verrottungsfest. Sie übersteht jede Strapaze bis zu drei Jahrzehnte mühelos.

Schon die Glasfasertapete alleine kann eine ziemlich dicke Schicht auf die Wand bringen und wenn der Dreier-Verbund aus Kleber, Tapete und Farbe schon etwas in die Jahre gekommen ist, ist er durch Überstreichen vielleicht schon zum Sechser-Verbund (maximal 12-er-Verbund, Glasfasertapete soll 10 x überstrichen werden können) geworden, der sich untrennbar verbunden hat.

Glasfasertapete entfernen

Fantasievolle Menschen schaudern jetzt bereits mittelstark, wenn sie an die Entfernung der Glasfasertapete denken, aber es kommt noch besser, mit den Schadstoffen, die Ihnen beim Entfernen „um die Ohren fliegen“ könnten:

  • Glasfasertapeten sind nicht krebserregend
  • aus geschnittener, gerissener, geschliffener Tapete entsteht feiner Glasstaub, welcher möglicherweise lungengängig ist
  • Glasstaub kann die Haut reizen

Bei der Entfernung von Glasfasertapete sollten Sie sich daher mit genügend Schutz austatten (Schutzbrille, geeignete Atemmaske, Ganzkörper-Schutzanzug, der nach Arbeitsabschluss entsorgt wird, Handschuhe, usw.).

Fußleisten, Türen und Fenster sollten vorher abgeklebt werden, um das Material vor Beschädigungen beim Spachtelansetzen zu schützen.

Glasfasertapete entfernen

Glasfasertapete entfernen kann manchmal ganz einfach sein (meist ist es das aber leider nicht), so tasten Sie sich stufenweise an die Sache heran:

1. Glasfasertapete einweichen

Wenn Sie es mit einer wirklich alten Glasfasertapete zu tun haben, könnte die auf der Rückseite mit Papierkaschierung ausgestattet sein. Perforieren Sie eine Ecke und weichen Sie sie mit Wasser + etwas Spüli ein, nach einiger Zeit können Sie prüfen, ob sich die Tapete löst. Wenn ja, haben Sie den Hauptgewinn gezogen und können nun daran gehen, die Glasfasertapete mit Wasser und Spüli von der Wand zu holen.

Zusätzlichen Tapetenablöser aus dem Handel können Sie verwenden, er soll aber nur wenig mehr als Spüli bringen (bis auf mehr Kosten).

Tapete anfeuchten

Nicht jeder bekommt jedoch den Hauptgewinn, meist besteht die Wandbeschichtung aus reiner Glasfaser, Kleber und Farbe. Dicker Glasfasertapete, festem Klebstoff, ev. mehrere Schichten Farbe, Wasser, Spüli, – Einweichen bringt hier gar nichts.

Die in diesem Stadium häufig vorgeschlagene Variante, die Glasfasertapete einfach noch einmal zu überstreichen, kommt für Menschen mit Interesse an gesunder Wohnumgebung allenfalls in Frage, wenn sich die Glasfasertapete an einer einzelnen Wand befindet (mehr dazu siehe „Glasfasertapete – überwiegen Vorteile oder Nachteile?“). Falls Sie an diese Lösung denken und die Glasfasertapete wegen Auszugs aus einer Mietwohnung renovieren, sprechen Sie vor dem Überarbeiten mit dem Vermieter – Glasfasertapete ist nicht unbedingt das Material, das ein Vermieter mit Kenntnissen in Bauphysik an seinen Wänden haben möchte.

Wenn die Glasfasertapete runter soll und Spüliwasser nichts ausgerichtet hat, geht es so weiter:

2. Spachtel ansetzen

Erst einmal brauchen Sie nicht mehr als einen simplen Spachtel, mit dem Sie an einer Kante der Tapete ansetzen und ein Stückchen vorsichtig von der Wand lösen.

Wenn Sie so viel Tapete abgelöst haben, dass Sie eine Bahn gut greifen können, geht es weiter mit der Erkundung der besten Methode zum Ablösen der Glasfasertapete.

3. Glasfasertapete abziehen

Wie Sie gerade erfahren haben, wird die normale Methode zum Entfernen von Papiertapeten – nass machen, einweichen lassen, Tapete abziehen – bei der Glasfasertapete meist nichts ausrichten, weder Glasgewebekleber noch für Glasfasertapete geeignete Wandfarbe sind gewöhnlich wasserlöslich.

Es gibt jedoch gleich mehrere Umstände, die dazu führen können, dass Sie die Tapete trotzdem einfach von der Wand ziehen können:

  • die Wand ist sehr fest und glatt und der Kleber unter der Tapete eher nicht so gut
  • die Tapete ist schon so oft überstrichen, dass der Kleber der unteren Schichten bereits Alterserscheinungen zeigt
  • bei wirklich alten Häusern könnte sogar die Glasfasertapete schon Jahrzehnte hängen und bröseln

Glasfasertapete entfernen

Wenn sich die Glasfasertapete tatsächlich abziehen lässt, können Sie sich doppelt glücklich schätzen: Sie ersparen sich mühsame Kleinarbeit, und Sie vermeiden eine Verletzung des „Chemie-Verbundes“, den Sie da gerade von der Wand ziehen. Sie bearbeiten den Raum zunächst rundum mit dem Spachtel, um die Tapete im Bereich der Fußleisten, Türen und Fenstern zu lösen, und ziehen dann Bahn für Bahn von der Wand herunter.

5. Glasfasertapete abschleifen

Wenn Sie schon beim ersten Ziehen merken, dass die ganze extrem haltbare Wandverkleidung, Glasfasertapete, Kleber, Farbe, sich auch noch extrem fest mit der Wand selbst verbunden hat, werden weder Muskelkraft noch der Einsatz des Spachtels viel ausrichten. Sie würden höchstens große Teile der Wand in der Hand halten, ganze Gipskartonplatten, gebrochene Rigipsstücke oder Putzplacken.

Holen Sie mit dem Spachtel herunter, was sich ohne Probleme löst, und dann wird die Schleifmaschine angesetzt. Damit sind Sie beim oben geschilderten Problem gelandet, das Schleifen kann schon in Sisyphusarbeit ausarten.

Nicht ganz ungefährliche Sisyphusarbeit, die Arbeiten können Ihrer Gesundheit durchaus zusetzen, feine Glasfasern und der Staub aller möglichen Chemikalien, die beim Abschleifen durch die Luft wirbeln, können Ihren Lungen zusetzen, die Haut reizen und lange piken.

Je älter die Wandbekleidung, desto kritischer können die Schadstoffe sein, die beim Abschleifen in die Luft geblasen werden. Es ist noch nicht allzu lange her, dass bei der Herstellung von Wandfarben auch richtig giftige Schwermetalle wie Blei untergemischt werden durften.

Deshalb ist guter Arbeitsschutz beim Abschleifen unbedingt zu empfehlen, vom Arbeitshandschuh bis zum langärmligen Arbeitsanzug, von der seitlich geschlossenen Schutzbrille/Gesichtsmaske bis zur Atemmaske einer ausreichenden Schutzklasse.

Möbel und Bodenbelag sollten Sie ebenfalls schützen, abdecken bzw. am besten entfernen, das Abschleifen einer dicken Glasfasertapete wird mindestens eine mittlere Sauerei. Wenn dazu nicht genug Platz zur Verfügung steht, können Sie die Möbel in der Mitte des Zimmers sammeln und mit einer Plane abdecken, im Notfall können vielleicht die Planen für die Gartenmöbel aushelfen.

  • Wandschleifgerät (Langhalsschleifer) kann man im Baumarkt ausleihen – Kosten ab 50,- € pro Tag

6. Glasfasertapete entsorgen

Wenn Sie die Glasfasertapete endlich von der Wand haben, darf sie nicht einfach in die Mülltonne (oder in den wegen Hausumbau ohnehin vor dem Haus stehenden Container) geschmissen werden.

Glasfasertapete besteht aus Künstlicher Mineralfaser, und Künstliche Mineralfasern sind laut dem Europäischen Abfallverzeichnisses „besonders überwachungsbedürftiger Abfall“, der grundsätzlich separat erfasst werden muss und nur in einer hierfür zugelassenen Anlage entsorgt werden darf.Gefährliche Abfälle

Also: Entweder über eine Firma entsorgen lassen, die Ihnen dann meist auch einen passenden Sammelbehälter stellt, oder in Müllbeuteln sammeln (bzw. selbst Big Bag besorgen) und bei der öffentlichen Müllabfuhr Ihrer Gemeinde erkunden, wie Sie diese entsorgen sollen.

Wenn die Glasfasertapete von der Wand gepellt und entsorgt wurde, kann die Wand auf die nachfolgende Gestaltung vorbereitet werden.

Glasfasertapete hat ausgediehnt

Ob junge Familien und Gruppen Alleinerziehender (die die Wohnungssuche in der Stadt endgültig satt haben), Studenten-Cliquen (die im vierten Semester immer noch zu fünft in der Drei-Zimmer-WG hausen), Senioren-Gemeinschaften (die unsere Aufbewahrungsstätten für alte Menschen ganz sicher nicht von innen sehen wollen) oder Menschen aus sämtlichen Gesellschaftsschichten (die das Stadtleben einfach nur noch nervig finden) – Kauf und eigene Sanierung alter Häuser (in ländlichen Gegenden) ist der Trend unserer Zeit.

Wenn in einem solchen alten Haus eine Glasfasertapete auftaucht, hängt sie meist schon sehr lange an der Wand. Deshalb ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass der arme Mensch, der sie von der Wand holen muss, zwischendurch einen Wutanfall bekommt und eine Wand mit mehr oder weniger löchrigem Putz erschafft. Die andere – bei alten Häusern auch recht häufige – Variante ist, dass der Putz mit der Glasfasertapete in Stücken herunterkommt.

Sicher ärgerlich, aber vielleicht eine Chance: Die Menschen, die alte Häuser sanieren, sind im Durchschnitt eher gut über unsere Umwelt und ihre Schädigungen informiert; meist soll das alte Haus nach der Sanierung ein gesundes Wohnumfeld bieten.

Da könnte die „Desaster-Wand“ gerade recht kommen, Sie könnten nämlich den alten Putz einfach insgesamt „herunterfegen“ und eine wirklich atmende Wand mit Kalkputz oder sogar Lehmputz erschaffen.

Kalk- und Lehmputze zählen zu den ältesten Baustoffen überhaupt und erleben für die Gestaltung von Innenräumen gerade eine gewaltige Renaissance, denn sehr viele Menschen wollen heute in einer gesunden Umgebung wohnen (oder müssen in einer gesunden Umgebung wohnen, weil sie schon unter Krankheiten leiden, die durch Wohngifte oder andere Schadstoffe in der Umwelt verursacht sind). Kalk und Lehm stehen für Wohngesundheit, beide regulieren die Feuchtigkeit im Wohnraum und bewirken so ein behagliches Raumklima.

Kalkputz hat eine offenporige Struktur und deshalb gute Diffusionseigenschaften, seine Saugfähigkeit ist so groß, dass er sogar einen gewissen Grad an flüssigem Wasser aufnehmen kann. Feuchtigkeit wird später gleichmäßig an die Raumluft abgegeben, Kalkputze dunsten keinerlei Schadstoffe aus. Und sie sind wegen des hohen pH-Werts unempfindlich gegen Schimmelpilzbefall, in manchem alten Haus nicht unwichtig.

Lehmputz kann noch etwas mehr Feuchtigkeit speichern als Kalkputz, kostet aber mehr und ist weicher. Diese Weichheit sieht man der Wand aber später auch an, es entsteht eine sehr dekorative Wirkung:

Beide können mit ebenfalls diffusionsoffenen Farben oder Tapeten bedeckt werden, Raufaser oder anderen Papiertapeten, Sumpfkalkfarbe / Kalkfarbe / Streichkalk, Lehmfarbe, Lehmstreichputz und mehr.

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