Gewindearten: die wichtigsten Gewindetypen als Tabelle/PDF

Gewindearten Übersicht

Egal ob Sie eine Schraube verlieren oder als Hobby-Heimwerker tätig sind, Schraubgewinde lassen sich überall finden. Verschiedene Gewindearten verbinden und fixieren einzelne Elemente, die über Nägel oder Klebstoff nur schwer zu verbinden wären. Zudem bieten sie den großen Vorteil, dass sie auch wieder gelöst werden können, ohne den Werkstoff zu beschädigen, was besonders effektiv für einen reibungslosen Ablauf ist.

Sie haben eine Schraube verloren und wissen nicht, welchen Gewindetyp das Teil hatte? Sie verzweifeln, wenn Sie im Baumarkt vor der Schraubenabteilung stehen und sich wundern, welche Muttern zu den Schrauben gehören? Diese Probleme lassen sich lösen, sobald Sie die einzelnen Gewindetypen kennen, denen Sie im Alltag, im Beruf oder Hobbybereich begegnen könnten und sich auf den ersten Blick stark ähneln. Erste Gewinde tauchten mit der Archimedischen Schraube (etwa 200 vor Christus) auf und über die Jahrhunderte entwickelten sich die verschiedenen Gewindearten von der Verwendung als Förderanlage zu einem Allzwecksystem, das zahlreiche Verwendungszwecke unterstützt.

Wichtige Begriffe

Bevor die einzelnen Gewindetypen verglichen werden können, sollten Sie vorher über einige Begriffe Bescheid wissen, die für die Beschreibung notwendig sind. Aus diesem Grund sollten Sie die folgenden Informationen sorgfältig durchlesen, denn das erleichtert den Vergleich der Gewindearten um ein Vielfaches. Zudem helfen diese Informationen dabei, Gewinde genau auszurechnen und so die passende Größe bei der Anschaffung zu wählen:

1. Gewindespitzen: wird das Gewinde im Querschnitt betrachtet, stellen die Gewindespitzen den fühlbaren Teil des Gewindegangs dar. Sie können dem Gewindegang mit dem Finger folgen, da dieser niemals unterbrochen ist, sobald Sie die Schraube drehen. Fahren Sie jedoch mit dem Finger von oben nach unten über die Schraube, wirkt der Gewindegang unterbrochen. Die einzelnen, spürbaren Teile des Gewindegangs sind die Gewindespitzen, die zum Teil scharf sein können.

2. Nenndurchmesser: auch als Außendurchmesser bekannt. Dieser beschreibt den Abstand zweier Gewindespitzen, die sich direkt gegenüberliegen, aber aufgrund der gewundenen Form leicht nach oben und unten verschoben sind.

3. Kerndurchmesser: hiermit wird der Durchmesser von einem Gewindegrund zum gegenüberliegenden Gewindegrund bezeichnet. Stellen Sie sich einfach vor, sie entfernen den Gewindegang der Schraube und haben nur noch ein glattes Werkstück ohne Gewinde in der Hand. Das ist der Gewindegrund, also der tiefste Teil des Gewindes.

4. Flankendurchmesser: beim Flankendurchmesser wird der Abstand zweier Flanken bezeichnet, die sich gegenüberliegen. Diese werden über die Profilmittellinie ermittelt, die den Gewindegang genau in der Hälfte teilt.

5. Gewindeflanke: die Gewindeflanke wird durch eine Linie vom Gewindegrund bis zur Profilmittellinie ermittelt.

6. Flankenwinkel: der Flankenwinkel ist eine der entscheidenden Größen bei der Gegenüberstellung der einzelnen Gewindetypen. An sich wird hiermit der Winkel von Flanke zu Flanke bezeichnet.

7. Gewindesteigung: die Steigung in einem Gewinde beschreibt den Weg einer Umdrehung in Millimetern. Das heißt, wenn Sie eine Schraube anziehen, dringt diese tiefer ein und die Steigung beschreibt diesen Abstand nach einer Umdrehung. Bei Zollgewinden werden anstelle von Millimetern die einzelnen Windungen innerhalb eines Zolls zum Messen genutzt.

8. Gewindegang: damit wird der volle Umfang der Schraubenlinie bezeichnet.

Gewinde Aufbau

Tipp: Wenn Sie den Begriff Außengewinde lesen, handelt es sich hierbei im groben Sinne um Schrauben. Bei Innengewinden handelt es sich dementsprechend um Schraublöcher oder Muttern, in die die Schrauben hineingedreht werden.

Gewindearten im Detail

Über die oben erklärten Begriffe können Sie sich leichter ein Bild über die einzelnen Gewindetypen machen, was äußerst hilfreich bei der Auswahl von Schrauben und Muttern ist. Die größten Unterschiede zwischen den Gewindearten betreffen die genutzte Maßeinheit. Das Gewinde wird demnach metrisch oder in Zoll gemessen, was Sie unbedingt beachten sollten, da metrische Gewinde niemals zusammen mit in Zoll gemessenen Gewinden genutzt werden können.

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Tipp: Das Flachgewinde wird hier nicht aufgeführt, da es von den anderen Gewindetypen komplett verdrängt wurde und eigentlich nicht mehr zum Einsatz kommt, ebenso wie das Stahlpanzerrohrgewinde mit einem Flankenwinkel von 80°. Die größte Besonderheit an dem Flachgewinde war das flache Profil mit einem Winkel von 0°.

Metrisches ISO-Regelgewinde

Beim Metrischen ISO-Regelgewinde handelt es sich um das Gewinde, welchem Sie im Alltag am häufigsten begegnen werden, da dieses den Standard in Europa darstellt. Ein Großteil aller Schraubverbindungen in Europa werden mit diesen Gewindearten hergestellt, was die Nutzung in jeder Form erleichtert. Ein Vorteil an dem Gewinde sind die selbsthemmenden Eigenschaften, durch die sich das Gewinde nicht von selbst lösen kann, was wiederum keine zusätzlichen Sicherheiten erfordert. Einmal geschraubt, sitzt es fest und kann nur durch das entsprechende Werkzeug gelöst werden. Es wird für Schrauben, Muttern und Gewindestangen genutzt, die für eine Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.

Metrisches ISO-Gewinde (M)

  • Abkürzung: M
  • Synonyme: Spitzgewinde
  • Flankenwinkel: 60°
  • Profilform: keilförmig
  • nach DIN 13 und 14 genormt

Tipp: Das Linksgewinde ist, wie der Name schon sagt, ein sich gegen den Uhrzeigersinn drehendes Gewinde, das eingesetzt wird, wenn ein herkömmliches Gewinde sich von selbst lösen könnte. Aus diesem Grund wird es für spezielle Bereiche genutzt, wie zum Beispiel Ventile in Gasflaschen oder linke Fahrradpedale.

Metrisches ISO-Feingewinde

Das ISO-Feingewinde ist ein Gewindeprofil, das nicht so tief eingeschnitten ist. Der Kerndurchmesser ist im Vergleich zum Spitzgewinde größer, auch wenn der gleiche Nenndurchmesser behalten wird. Dadurch stehen die einzelnen Gewindespitzen enger zusammen. Dadurch können größere Zugkräfte auf einem kleineren Raum übertragen werden, was die Nutzung für feine Mechaniken, allen voran Uhrwerken, optimal macht. Bei der Auswahl dieser Gewindearten müssen Sie unbedingt die individuellen Steigungen vergleichen.

Metrisches ISO Feingewinde (MF)

  • Abkürzung: MF
  • Flankenwinkel: 60°
  • Profilform: keilförmig

Trapezgewinde

Das Trapezgewinde ist eine der spezialisierten Gewindearten, die für die Umwandlung von Dreh- in Axialbewegungen genutzt werden. Es wird in drei Gewindetypen genormt:

  • DIN 103: metrisches TR
  • DIN 380: flaches, scharfkantiges TR
  • DIN 30295: abgerundetes TR

Im Alltag kommen diese Gewindetypen vor allem im Heimbereich vor, allen voran Druckern und Schraubzwingen, und profitieren dabei von ihren selbsthemmenden Eigenschaften. Im Vergleich zu den Regelgewinden sind sie dicker und verfügen deshalb über größere Steigungen. Weiterhin werden Sie in Gabelstaplern und Förderbändern genutzt.

  • Abkürzung: TR
  • Flankenwinkel: 30°
  • Profilform: gleichschenkeliges Trapez, Winkel 15°

Trapezgewinde

Sägengewinde

Das Sägengewinde gehört ebenfalls zu den speziellen Gewindetypen und ist wichtig für industrielle Hebebühnen und Pressen, während in der Möbelindustrie Fräs- und Drehmaschinen mit diesen funktionsfähig gemacht werden. Der Vorteil an Sägengewinden ist die hohe, axiale Kraftübertragung und die hohe Beständigkeit, was den Nutzen dieser Gewindearten in der Industrie so wichtig macht. Definiert wird die Form des Sägengewindes nach den folgenden DIN-Normen:

  • 513
  • 2781
  • 20401
  • 55525
  • 6063

Sägengewinde sind metrisch und leiden aufgrund ihrer Form häufig unter Verschleiß, da die Kanten äußerst filigran sind.

  • Abkürzung: S
  • Flankenwinkel: 30° – 45°
  • Profilform: asymmetrische Sägeblätter

Sägengewinde

Rundgewinde

Die runde Form macht dieses Gewinde so effektiv. Da hier keine Kanten existieren, die mit der Zeit abgenutzt werden könnten, gehört es zu den langlebigsten Gewindearten. Aus diesem Grund wird es hauptsächlich für Bereiche genutzt, die eine hohe Nutzungsdauer und starke Verschmutzungen mit sich ziehen. Zugwaggons sind der typische Einsatzort für das Rundgewinde, da es kaum gereinigt, nachgefettet oder vor zu starken Reibungen geschützt werden muss. Es ist ein klassisches Kupplungsgewinde und wird nach DIN 405, 20400 und 15403 genormt.

  • Abkürzung: RD
  • Synonyme: Gleitgewinde
  • Flankenwinkel: 30°C
  • Profilform: rund

Rundgewinde

British Standard Whitworth Coarse Thread-Gewinde

Bei diesem Gewindetypen handelt es sich um die klassischen Gewinde aus dem Vereinigten Königreich, die in Zoll gemessen werden und ebenfalls im Rest von Europa und selbst Übersee zum Einsatz kommen. Das BSW ist das typische Rohrgewinde, wird aber auch für die gleichen Zwecke wie das metrische ISO-Regelgewinde genutzt. Es handelt sich um das erste Gewinde, das genormt wurde und in Deutschland unter den DIN-Normen 11 und 12 definiert wird. Es wird für allerlei Rohrverbindungen genutzt und ist in diesem Bereich besonders effektiv.

  • Abkürzung: BSW
  • Synonyme: Rohrgewinde, Whitworth-Gewinde
  • Flankenwinkel: 55°
  • Profilform: konisch

British Standard Whitworth Coarse Thread-Gewinde (BSW)

Tipp: Wird von einem Whitworth-Gewinde gesprochen, müssen Sie sich erkundigen, um welche Gewindearten es sich direkt handelt. Häufig werden diese Gewinde ausschließlich mit der Abkürzung W angeboten, was keinen direkten Aufschluss darüber gibt, um welchen speziellen Typ es sich handelt.

British Standard Fine Thread-Gewinde

Eine andere Form des Whitworth-Rohrgewinde ist das BSF, das dem metrischen ISO-Feingewinde entspricht, aber wie das BSW für die gleichen Einsatzbereiche genutzt wird. Das heißt, es wird vor allem für platzsparende Lösungen angewandt.

  • Abkürzung: BSF
  • Flankenwinkel: 55°
  • Profilform: konisch

British Standard Pipe Thread-Gewinde

Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim British Standard Pipe Thread-Gewinde um eine weitere, spezielle Form der Rohrgewinde. Im Vergleich zu den anderen Gewindearten ist es nicht selbstdichtend und wird auch nicht wie üblicherweise in den klassischen Zollwerten gemessen. Hier entspricht ein Zoll nicht 2,54 cm, sondern 3,325 cm.

  • Abkürzung: BSP
  • Flankenwinkel: 55°
  • Profilform: konisch

Unified National Coarse Thread-Gewinde

Das klassische Gewinde aus den USA und recht selten in Europa anzutreffen, da es hier kaum für den Alltag oder die Industrie genutzt wird. Dafür ist es ein wichtiger Bestandteil für Computerbauteile, das heißt, wenn Sie ein computergesteuertes Gerät aus den USA haben, wird dieses auf den Gewindetyp setzen. Ansonsten wird es wie das europäische Spitzgewinde genutzt.

  • Abkürzung: UNC
  • Flankenwinkel: 60°
  • Profilform: keilförmig

Unified National Fine Thread-Gewinde

Bei diesem Gewinde handelt es sich um das typische, amerikanische Feingewinde und wird ebenfalls für dieselben Einsatzbereiche genutzt. Eine Besonderheit bei den UNC- und UFC-Gewinden ist die Größenaufteilung in Nummern von eins bis zwölf, sobald der Durchmesser einen Wert von unter 1/4 Zoll hat.

  • Abkürzung: UFC
  • Flankenwinkel: 60°
  • Profilform: keilförmig

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