Druck bei Warmwasser geringer als bei Kaltwasser – Problem lösen

Geringer Warmwasserdruck

Mehr als nur ärgerlich – Da möchte man eine heiße Dusche oder ein warmes Vollbad genießen aber erlebt eine Enttäuschung: Der Druck von der Warmwasserleitung ist schwach. Statt eines prallen Strahls, kommt nur ein müdes Rinnsal aus der Leitung. Ein solches Schadensbild ist mehr als nur ärgerlich. Es ist ein Hinweis auf ein Problem, das sich zu einer sehr teuren Sanierungsmaßnahme auswachsen kann. Darum ist jetzt systematisches Handeln angezeigt.


Wirklich nur Warmwasser betroffen?

Bevor man das Schlimmste vermutet und an der falschen Stelle sucht, sollte man sich Klarheit über die gesamte Situation der Wasserversorgung in der Wohnung machen.
Ist der Druck der Kaltwasserleitung bereits nur noch ein Rinnsal, dann muss an der Stelle weiter geforscht werden. Hier kann eine Verkalkung, ein Ventilschaden oder eine defekte Wasserleitung die Ursache sein. Hat man nur ein latentes Gefühl, dass mit dem Druck etwas nicht stimmt, prüft man die Leitung genau. Dazu braucht man:

  • Information über den Wasserdruck
  • Stoppuhr
  • Wassereimer mit 10 Liter Fassungsvermögen
  • Waage oder Messbecher

Wie hoch der Wasserdruck ist, der vom lokalen Wasserwerk in die Leitungen abgegeben wird, kann man online oder per Anruf erfahren. Dieser Wert ist nicht 1:1 auf die Hauswasserleitung übertragbar, da sich viele Faktoren, beispielsweise die Höhe der Wohnung, druckmindernd auswirken können.

Nun stellt man den Wassereimer unter den Wasserhahn und lässt ihn voll aufgedreht genau 15 Sekunden laufen. Da ein Liter Wasser genau einem Kilogramm Gewicht entspricht, kann mit Hilfe der Waage das Füllvolumen vom Eimer genau berechnet werden. Ein Messbecher erfüllt den gleichen Zweck. Die ermittelte Anzahl an Litern nimmt man mal 4 und schon hat man den Durchflussmenge in l/min, der in der Wohnung vorliegt. Um dies in die Druckeinheit „bar“ umdeuten, sind noch viele weitere Berechnungen notwendig. Der Trinkwasserversorger kann aber mit dem Wert der Durchflussmenge ermitteln, ob mit dem Druck in der Wohnung alles in Ordnung ist.

Ein Tipp dazu: Es ist grundsätzlich ratsam, bei Bezug einer Wohnung den IST-Zustand über die Durchflussmenge zu ermitteln und zu notieren. Das macht man am besten an jedem einzelnen Wasserhahn. So hat man einen Vergleichswert, wenn Änderungen festgestellt werden und kann später auftretende Probleme schneller eingrenzen.

1. Perlator / Duschkopf prüfen

Perlator und Duschkopf sind die Aufrittspunkte des warmen Wassers. Diese können sich mit Kalk zu setzen und den Durchfluss stören. Beide Elemente können gefahrlos und einfach abgeschraubt werden. In der Regel ist dazu noch nicht einmal Werkzeug notwendig. Beide werden nach dem Abschrauben für 2 Stunden Essig-Essenz gelegt, mit einer neuen Dichtung ausgestattet und wieder angeschraubt – fertig. Wenn der Wasserdruck im Warmwasser anschließend immer noch zu niedrig ist, muss weiter mit detektivischem Spürsinn vorgegangen werden. Mit Dichtband werden die Gewinde von Perlator und Duschkopf wasserdicht.

Duschkopf reinigen

2. Armatur prüfen

Der größte Feind einer Wasserleitung ist der Kalk. Dieses Mineral ist in Trinkwasser unvermeidlich und wird über den „Härtegrad“ vom Wasserversorger angegeben. Je härter das Wasser ist, desto mehr Kalk ist enthalten.

Kalk setzt sich zuerst bei engen Durchflüssen fest. Die Armaturen sind deshalb besonders für eine Verkalkung gefährdet. Die engen Kanäle eine Armatur setzen sich einfach schneller zu, als die mehrere Zentimeter breiten Rohre der Trinkwasserleitung.
Um eine Armatur zu überholen braucht man:

  • 1 Rohrzange mit Gummi-Schonbacken ( ab ca. 5 Euro)
  • ggf. kleine Schraubenschlüssel und Schraubendreher (ca. 5 Euro pro Stück)
  • Dichtungen (im Set ca. 5 Euro)
  • Armaturenfett (2-5 Euro pro 30g Tube)
  • Essig-Essenz (ca. 1 Euro pro 0,5 Liter Flasche)
  • Dichtsatz, bestehend aus Hanf, Dichtpaste und ggf. Dichtband. (ca. 5 Euro)

Es gibt auch speziellen Kalklöser für Armaturen für ca. 5 Euro pro Liter. Dies ist aber in der Regel nicht notwendig, Essig-Essenz ist hier sehr wirksam.

Essig-Essenz

Zuerst wird die Zuwasserleitung abgestellt. In der Regel hat jede Armatur dazu ein kleines, separates Ventil unter dem Becken bzw. der Wanne. Man lässt einfach das Wasser laufen und dreht das Zulaufventil zu. Wenn kein Wasser mehr läuft, kann die Armatur mit der Rohrzange abgeschraubt werden. Die Gummi-Schonbacken verhindern dabei Kratzer auf der verchromten oder emaillierten Oberfläche der Verschraubung. Armaturen können vollständig zerlegt werden. Über Nacht in Essig-Essenz eingelegt und mit neuen Dichtungen ausgestattet, wird eine verkalkte Armatur wieder gangbar gemacht. Nicht vergessen, die Hähne auch zu fetten, sonst können die Hähne und Eckgelenke klemmen.

Man kann bei der Gelegenheit natürlich auch gleich die ganze Armatur austauschen. Diese sind als Neuteil ab ca. 30 Euro verfügbar.

Beim Einbau der Armatur werden die Hohlgewinde, an welcher sie mit den Wasserleitungen verbunden wird, eingehanft. Dazu wird mit Installationshanf von oben nach unten das Gewinde überlappend fest eingewickelt und anschließend mit Dichtpaste eingerieben.

Warmwasser-Systeme

Wenn die Überholung bzw. der Austausch einer Armatur nicht zur Wiederherstellung des Wasserdrucks geführt hat, dann muss man sich das Warmwasser-System genauer angesehen.

Für die Herstellung von warmen Leitungswasser stehen zwei grundsätzlich verschiedene Technologien bereit: Lokale oder zentrale Systeme.

Lokale Heißwassergeräte

Lokale Heißwassergeräte werden direkt am Entnahmepunkt mit der Kaltwasserleitung verbunden. Man unterscheidet zwischen Heizboilern und Durchlauferhitzern. Beide Geräte funktionieren mit elektrischen Strom. Ein grundsätzliches Wort zu diesen Geräten: Heißwasser-Endgeräte reagieren sehr empfindlich auf starke Druckschwankungen. Der Anschluss eines Hochdruckreinigers an eine Warmwasserleitung, die durch ein Heißwasser-Endgerät gespeist wird, kann durch die Rückschläge in der Leitung das Gerät schnell zerstören!

Boiler

Der Boiler wird als Untertisch- oder Hängegerät verkauft. Er kostet ca. 50-150 Euro und ist im Grunde nur ein fest installierter Wasserkocher, in dem eine definierte Menge an Wasser erhitzt werden kann. Diese Geräte arbeiten drucklos, das bedeutet dass sie vom Wasserdruck der Kaltwasserleitung entkoppelt sind. Druckverluste an einem Boiler deuten auf eine fortgeschrittene Verkalkung im Gerät selbst hin. Schlimmer sind jedoch Brüche in Leitungen, bei denen ein Teil des Wassers in das Gehäuse läuft. Diese Lecke können sich wegen der Durchnässung der Elektronik in den Geräten zu einer großen Gefahr entwickeln. Darum bei Druckverlust in Boilern: Gerät sofort vom Stromnetz abklemmen und Gerät auf austretendes Wasser untersuchen.

Durchlauferhitzer

Durchlauferhitzer erwärmen das Wasser der Kaltwasserleitung, während es durch ein internes Rohrsystem geführt wird. Sie funktionieren ebenfalls elektrisch. Durchlauferhitzer sind Druckgeräte, die den Druck der Kaltwasserleitung beibehalten. Sie sind wesentlich teurer als die Wasserboiler. Markengeräte sind ab ca. 250 Euro verfügbar. Um eine Dusche betreiben zu können, sind jedoch Geräte der 500 Euro Preisklasse notwendig. Bei diesen Geräten kann ein Druckverlust ebenfalls einen inneren Schaden oder eine fortgeschrittene Verkalkung bedeuten. Ein Schaden an der Hauswasserleitung kommt aber ebenso in Betracht. Darum geht man bei Druckverlust an Durchlauferhitzern in folgender Reihenfolge vor:

1. Strom abklemmen, notfalls Sicherung ausschalten
2. Kaltwasser aufdrehen und auf Druck prüfen
3. Gehäuse vom Durchlauferhitzer öffnen und auf Wasserverlust prüfen
4. Durchlauferhitzer auf Verkalkung oder andere Beschädigung überprüfen.

Liegt der Druckverlust im Durchlauferhitzer selbst vor, dann sollte das Gerät ausgetauscht oder einem Fachmann zur Reparatur überlassen werden. Überall, wo Wasser und elektrischer Strom zusammen kommen, sollten keine Reparaturversuche unternommen, sondern einem Fachmann vertraut werden.

Zentrale Heizsysteme

Bei zentralen Heizsystemen wird das Wasser an einem zentralen Punkt erwärmt und über separate Warmwasserleitungen zum Entnahmepunkt geführt. Zentrale Heizsysteme sind technisch wesentlich komplexer als die lokalen Geräte. Sie arbeiten jedoch wirtschaftlicher und komfortabler. Sie können sowohl im Keller, als auch in der Garage oder in der Wohnung selbst, meist im Badezimmer oder einer separaten Kammer, eingebaut sein.

Pelletkessel
Pelletkessel

Um auszuschließen, dass es sich beim Druckverlust in der Warmwasserleitung nicht um ein Problem mit der Zuwasserleitung handelt, vergleicht man immer zuerst die Durchflussmenge zwischen der Warm- und der Kaltwasserleitung. Ein kleiner Druckunterschied zwischen beiden Leitungsnetzen ist normal, da das warme Wasser einen wesentlich komplizierteren Weg gehen muss. Jede Komponente wie Ventile, Bögen oder längere Leitungen wirken sich druckmindernd aus.

Ein Druckverlust in der Warmwasserleitung kann bei zentralen Heizsystemen drei Ursachen haben:

  • Leitung ist zugesetzt
  • Leitung ist beschädigt und Druckwasser tritt aus
  • Warmwasser-Aufbereitung ist beschädigt

Leitung ist zugesetzt

Eine Leitung kann sich auf drei Arten zusetzen: Fremdkörper, Rost und Kalk. Fremdkörper wie Sand und Kies werden von einem fest installierten Wasserfilter zurück gehalten, der sich nah an der Einspeisestelle vom Wasserwerk befindet. Der Filter ist leicht zu wechseln. Die Verfahren sind dabei typabhängig. In der Regel sitzt der Wasserfilter zwischen zwei Absperrhähnen. Diese werden zuerst zugedreht und das Filterelement anschließend ausgetauscht.

Rost und Kalk treten meist nur bei verzinkten Stahlrohrleitungen auf. Diese wurden bis in die 1980er Jahre standardmäßig verbaut, werden aber heute durch Messing- und Kunststoffleitungen aufgrund ihrer größeren Resistenz gegen ein Zusetzen ersetzt. Verzinkte Stahlrohrleitungen glänzen silbern. An den Muffen und Bögen kann man austretende Rostspuren und Kalkablagerungen auch von außen erkennen. Es gibt Verfahren, welche verrostete oder verkalkte Rohrleitungen reinigen und sogar von innen mit wasserfestem Epoxidharz neu beschichten können. Es muss von Fall zu Fall geprüft werden, ob sich dieser Eingriff lohnt oder ob die Wasserleitungen ausgetauscht werden sollten.

Beschädigte Leitungen

Ein Druckverlust in der Warmwasserleitung, bei dem ein Leck die Ursache ist, sollte schnell zu finden sein. Wenn die Schadstelle so groß ist, dass sie einen spürbaren Druckunterschied bewirkt, dann ist der Schadensort nicht zu übersehen. Das austretende Wasser muss ja irgendwo hin fließen und macht durch nasse Wände oder Wasserpfützen auf sich aufmerksam. Hier hilft nur ein Austausch der beschädigten Rohrleitung. Stemm- und Verputzarbeiten können vom Heimwerker selbst erledigt werden. Der Austausch der defekten Druckwasserleitung sollte aber einem Fachmann überlassen werden.

Beschädigte Warmwasser-Aufbereitung

Eine zentrale Heizungsanlage kann durch verschiedene Arten befeuert werden. Die Funktionsweise ist aber immer die gleiche: Brennstoffe, wie Öl, Gas oder Pellets, erhitzen Wasser über einen Wärmetauscher, das in einem Tank zwischengespeichert und an die Entnahmestellen weiter gegeben wird. Auch Zusatzsysteme wie Wärmepumpen oder solarthermische Kollektoren wirken nur ergänzend und sind für den Druck in der Warmwasserleitung unerheblich.

Pellets
Pellets

Das warme Wasser wird über ein komplexes System zur Armatur geführt. Eine Vielzahl an Ventilen, Reglern und anderer Komponenten sollen den gleichbleibenden Druck gewährleisten. Jede einzelne dieser Komponenten kann durch Überalterung, Kalk oder Rost beschädigt werden. Häufig lassen sich die Komponenten durch den Austausch von Dichtungen, ein gründliches Entkalken und Abschmieren wieder gangbar machen. Dennoch müssen sie dafür meistens ausgebaut werden.

An einem Punkt kann der Heimwerker jedoch ein Wiederherstellen des Wasserdrucks selbst versuchen: Das KFR-Ventil kann, wenn es lange nicht bewegt wird verklemmen, und so für die Druckunterschiede in der Hauswasserleitung sorgen.

Das KFR-Ventil

Das kombinierte Freistromventil mit Rückflussverhinderer sitzt unmittelbar hinter der Wasseruhr. Man erkennt es an seiner schrägen Bauweise. Es hat zwei Funktionen: Das KFR-Ventil öffnet und schließt die Wasserzufuhr der Hauswasserleitung vom Trinkwasserversorger. Der eingebaute Rückflussverhinderer sorgt dafür, dass das Wasser nur in eine Richtung fließen kann. Wenn dieser Rückflussverhinderer klemmt oder auf andere Art beschädigt ist, dann kommt es zu den Druckschwankungen im System. Es können auch mehrere KFR-Ventile in einem Trinkwassernetz des Hauses verbaut sein.

KFR-Ventil

Durch einfaches Zu- und wieder Aufdrehen des KFR-Ventils kann sich der Rückflussverhinderer wieder lösen. Das Problem ist damit behoben.

Fachmann rufen

Ist der Wasserdruck aber trotz getauschter oder entkalkter Armatur, Perlator oder Duschkopf immer noch nicht zufriedenstellend und hat auch das Lösen des Rückflussverhinderers im KFR-Ventil keinen Erfolg gebracht, dann sollte sich ein Fachmann der Sache annehmen. Auch der engagierteste Heimwerker muss seine Grenzen kennen. Laienhafte Reparaturversuche an einem Druckwassersystem können ohne die notwendige Erfahrung, Ausbildung und Arbeitsmittel nur in einer Verschlimmerung der Situation enden.



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