Schwarze Wolken über der Obstschale verursachen schwarze Wolken im Gemüt? Alles halb so schlimm, das sind nur harmlose Fruchtfliegen, denen Sie ganz leicht mit Haushaltsmitteln selbstgebaute Fallen stellen können. Fruchtfliegen loswerden geht auch, manchmal ist nur ein wenig Umdenken nötig.

Fruchtfliegenfallen lassen sich sehr einfach selber bauen, und die Zutaten haben Sie bestimmt im Haushalt. Sie müssen den Fruchtfliegen einfach nur die richtigen Leckereien in die Fallen geben. Fruchtfliegen für immer loswerden klappt nur mit einigem Aufwand, auf ein erträgliches Maß reduzieren lässt sich das Aufkommen der Mini-Flieger dafür aber ziemlich einfach.

Fruchtfliegenfallen zum Selberbauen

Die perfekte Fruchtfliegenfalle besteht aus dem richtigen Gefäß mit dem richtigen Innenleben (der richtigen Füllung).

1. Das Gefäß

Als Fruchtfliegenfalle eignet sich alles, in das die Fruchtfliege gut hineinfliegen, aber schlecht wieder hinausfliegen kann:

Behälter für eine Fruchtfliegenfalle finden sich überall
Behälter für eine Fruchtfliegenfalle finden sich überall
  • unausgewaschene Wein-, Likör-, Saftflaschen
  • leere Lebensmittel-Gläser (Gewürzgurken, Sauerkraut, Marmelade)
  • leere Dosen (am besten Obstkonserven oder leicht gesüßte Sauerkonserven)
  • Behälter mit Rand, um einen Deckel zu befestigen
Behälter mit Schraubverschluss - ein paar Löcher mit dem Schraubenzieher machen
Behälter mit Schraubverschluss – ein paar Löcher mit dem Schraubenzieher machen

Der gewählte Behälter muss mit einer Abdeckung versehen werden, damit die Fruchtfliegen nicht wieder entkommen können. Haben Sie sich für ein Behältnis mit Deckel entschieden (Marmeladenglas, Gewürzgurkenglas oder auch Flaschen) wird der vorhandene Deckel mit Löchern versehen, durch die die Fliegen hineinkrabbeln können. Die Löcher können Sie mit einem Schraubenzieher recht problemlos erzeugen.

Einfache Behälter mit etwas Küchenfolie bedecken und kleine Löcher reinstechen
Einfache Behälter mit etwas Küchenfolie bedecken und kleine Löcher reinstechen

Behälter ohne Deckel werden einfach mit Küchenfolie abgedeckt. In diese können Sie nun mit einer Gabel oder einem kleinen Messer kleine Löcher stechen. Die Küchenfolie kann man vorsichtshalber mit einem Gummi am Glas befestigen.

2. Die Flüssigkeiten

Wer Hunger hat, nimmt einiges zu sich, Sie können ihre Fruchtfliegen aber auch mit ihrem absoluten Lieblingsessen füttern. Sie fliegt besonders gut auf Mischungen von verdünntem Alkohol und Säure, wie sie in gärenden Früchten vorkommen: 2,5 bis 20 % Alkohol, 0,6 bis 5 % Säure. Sie können also viele im Haushalt vorhandene Flüssigkeiten im Kampf gegen die Essigfliegen einsetzen:

  • Wein, Likör, Whisky, bereits gärender Saft schmecken der „Gärfliege“ sehr gut
  • Der Klassiker, ein Glas mit Essig und Wasser, tut es auch
    • in der Luxusversion mit ein wenig Hefe und/oder Zucker
Einfach Inhalte für die Fliegenfalle
Einfach Inhalte für die Fliegenfalle
  • Reste von Gurkenwasser, Pfirsichsaft etc.
  • Zitronensaft lockt Fruchtfliegen und duftet gut
  • aufgelöster Gebissreiniger

Tipp: Kampferfahrene geben einen Tropfen Spülmittel in die Flüssigkeit, dies setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab und die Fliegen ertrinken.

Alternative Mittel

Fruchtfliegenbekämpfung ist auch mit folgenden einfachen und ungiftigen Mitteln möglich:

  • Klebe-Fliegenfallen wie Gelbtafeln
  • Klebrige Mottenfallen mit etwas Marmelade bestrichen
  • Fettkraut heißt die fleischfressende Pflanze mit Appetit auf Fruchtfliegen

Fruchtfliegen loswerden

Um Fruchtfliegen dauerhaft loszuwerden, ist ein kleiner Vorbeugungsschlachtplan nötig, bei dessen Durchführung häufig von Fruchtfliegen geplagte Haushalte ihre Gewohnheiten bei der Küchenführung überprüfen sollten:

  1. Keine Fruchtfliegen in die Küche locken

Fruchtfliegen können gut riechen und fliegen über einige Entfernung zu einer Geruchsquelle. Da Fruchtfliegen in etwa 50 Arten in Deutschland leben, sich in knapp 2 Wochen vom Ei zur Fliege entwickeln und vieles mögen, was der Mensch verzehrt, sind Fruchtfliegen immer um uns herum.Wiese

Wenn Sie einen „richtigen Garten“ haben, einen Garten mit (Fall-)Obst und Kompost, steigt dieser köstliche Duft die meiste Zeit des Jahres von der Obstwiese oder vom Komposthaufen auf, dort leben dann auch die Fruchtfliegen. In vielen unserer Gärten wachsen aber nur noch unfruchtbare „Zuchtstars“ oder exotische Importe, da müssen sich Insekten woanders Nahrung suchen.

Wer keinen Garten hat, kann „seinen Anteil“ Fruchtfliegen mit einem natürlich bepflanzten Balkon zufrieden stellen, wenn es den auch nicht gibt, bleibt den Fruchtfliegen nur noch die Küche. Von der können Sie sie am leichtesten fernhalten, wenn Sie irgendwo in der Nähe ein kleines Insektenparadies einrichten.

Im Garten ein Kompost mit ein paar einheimischen (Beeren-) Sträuchern oder sonstigen Obstgehölzen drumherum, auf dem Balkon ein paar insektenfreundliche Stauden, in der Wohnung ohne Balkon z. B. als Hängeampel vor dem Küchenfenster.

  1. Die Küche und der Umgang mit den Lebensmitteln

Wenn es kein Ausweichquartier gibt, können Sie die Fruchtfliegen nur mit recht viel Sorgfalt von Ihrer Küche fernhalten. Ihr Lieblingsessen ist und bleibt (gärendes) Obst, Fruchtsäfte sind genauso gut, Marmelade und vieles andere, was Menschen essen, wird aber auch nicht verachtet. Der kleinste Rest reicht, Fruchtfliegen können um 1000 Mal besser riechen als wir, und sind mit etwa 1/4 Gramm Gewicht auch mit sehr wenig Nahrung zufrieden.

Kein Obst offen liegen lassen
Kein Obst offen liegen lassen

Das können Sie im Einzelnen tun, wenn Sie keine schwarzen Wolken mehr sehen wollen:

  • keine reifen Früchte oder Gemüse offen herumliegen lassen
    • vor allem keine klimakterischen (nach der Ernte weiter reifende) Früchte
  • keine Säfte oder andere süße/alkoholische Flüssigkeiten offen stehen lassen
  • verschüttete Flüssigkeit sofort aufwischen
  • Bioabfall häufig zur Tonne zu bringen
  • gründlich Lüften
  • sehr engmaschige Fliegennetze vor den Fenstern
  • Fenster schließen beim Früchte einkochen oder Likör ansetzen

Das bedeutet für einen lebendigen Haushalt mit häufig genutzter Küche entweder eine völlige Umstellung des Verhaltens (jeder räumt seine Spuren sofort bis auf den letzten Rest weg) und eine völlige Umstellung der Vorratshaltung (alles, auch die Tomaten, denen der Aufenthalt im Kühlschrank eigentlich nicht gut tut, muss verschlossen gelagert werden). Oder der Haushalt bleibt so lebendig, wie er ist, und Sie kaufen sich für offen gelagertes Obst und Gemüse die guten alten Schalen mit dem Fliegenschutzsieb und leben ansonsten mit ein paar gelegentlichen Fruchtfliegen.

Das Obst durch ein Netz schützen
Das Obst durch ein Netz schützen

Wenn Sie eigentlich ohnehin jeden Rest sofort beseitigen und jedes Lebensmittel sofort wieder einräumen und trotzdem von Fruchtfliegen in beträchtlichen schwarzen Wolken heimgesucht werden, sollten Sie die allgemeine Küchenhygiene überprüfen. Im saubersten Haushalt können sich Gewohnheiten einschleichen, die prächtig gedeckte Tafeln für Fruchtfliegen verursachen. Oftmals reichen schon Kleinigkeiten, um Fruchtfliegen anzulocken:

  • Arbeitsflächen morgens wischen statt abends
  • Schwamm viel benutzen, aber zu selten in der Mikrowelle desinfizieren

Fruchtfliegen abschrecken

Der lebendige Haushalt könnte dann noch versuchen, die enorme Geruchsbegabung der Tiere „andersherum zu nutzen“, nämlich den kleinen Fliegen ein paar abschreckende Düfte um die Nase wehen zu lassen (verbunden mit einem einladend offenen Fenster).

Ein Sträußchen getrocknetes Heiligenkraut (Santolina) in der Küche soll Obstfliegen zum Auswandern bringen können. Frische Zwiebeln riechen die Essigfliegen auch nicht gerne. Die mit Gewürznelken gespickte Zitrone mögen die Mini-Flieger ebenfalls nicht, wie auch der Duft einiger (angebohrter) Kastanien.

Fruchtfliegen: Harmloser als die käuflichen Mittel

Nachdem die Gefahr gebannt ist und auch die Vorbeugung vor der nächsten schwarzen Wolke behandelt wurde, folgt ein wenig Hintergrundwissen für gründliche Menschen (bei dem auch gleich klar wird, dass die Gefahr noch nicht mal eine vermeintliche Gefahr ist und Sie mit ein paar Fruchtfliegen durchaus leben können).

Die „Fruchtfliege“ ist keine Fliege einer besonderen Art, sondern umgangssprachlich erst einmal nur eine winzige Fliege, die gerne Früchte frisst. Besonders gerne mag diese „Obstfliege“ gärende Früchte (Gärfliege), klebrigen Saft (Mostfliege) oder einfach pflanzliche Säure (Essigfliege).

Die ursprünglichen, eigentlichen Fruchtfliegen heißen Tephritidae oder Bohrfliegen und leben in der freien Natur auf Obstpflanzen. Das sind aber ziemlich große Fliegen mit gestreiften Flügeln, die mit den Winzlingen in der Küche nicht viel zu tun haben und sich auch kaum in eine Küche verirren werden.

"Kevin" - die Fliege
„Kevin“ – die Fliege

Die bekanntere (Küchen-) Fruchtfliege kommt aus der Familie der Taufliegen (Drosophilidae) und hieß auch jahrhundertelang Taufliege. Bis die Anglizismen bei uns Einzug hielten und der englische Name „fruit flies“ die Taufliege in direkter Übersetzung zur Fruchtfliege machte. Unter den 50 deutschen Arten sind einige Kulturfolger, die ihre Nahrung als Obstfliege, Gärfliege, Mostfliege, Essigfliege auch in Häusern und Küchen suchen. Ansonsten gibt es an „häuslichen Kleinfliegen“ nur noch die Weißen Fliegen (Mottenschildläuse) und die Trauermücken, die aber eher an den Küchenkräutern oder den Zimmerpflanzen zu sehen sein werden als um die Obstschale herum.

Wenn die Fliegen ganz winzig (2 mm), ziemlich farblos/durchsichtig sind und auf Lebensmittel fliegen, sind es Fruchtfliegen und Sie können sich entspannen.

Alle „Haus-Fruchtfliegen“ haben nämlich eines gemeinsam: Sie sind harmloser als harmlos. Sie dezimieren Ihren Obstkorb nicht; 0,25 g Körpergewicht braucht um 0,004 g Nahrung, das merken Sie nicht. Sie tun Ihren Lebensmitteln nichts, die können ganz normal gewaschen und gegessen werden. Sie übertragen keine Krankheiten, wer das behauptet, will vermutlich als Schädlingsbekämpfer Geld verdienen. Sie tun Ihnen nichts, sie können weder beißen noch stechen. Sie gehen Ihnen noch nicht einmal lange auf die Nerven, weil sie nur ein paar Tage leben.

Jedes Insektizid (im Haus Biozide = „tödliche Mittel gegen Leben“), das Sie gegen Fruchtfliegen einsetzen könnten, hat das Potenzial, Ihnen mehr zu schaden als der Fruchtfliege. Biozide sind erkennbar am Packungsaufdruck: „Biozide sicher verwenden. Vor Gebrauch stets Kennzeichnung und Produktinformation lesen“ und meist noch an den bunten Gefahrstoffsymbolen.

Sie können natürliche Lockstoffe für Fruchtfliegen-Fallen kaufen, harmlos sind die aber auch nicht, zumindest nicht für Ihren Geldbeutel: Sie kaufen schlichten Essig, für 99,70 € anstatt 39 Cent pro Liter.

Vielleicht wird Fruchtfliegen-Geplagten demnächst von der Forschergruppe um Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt, Lehrstuhl für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum, www.cphys.ruhr-uni-bochum.de, geholfen. Die haben nämlich entdeckt, dass Fruchtfliegen nicht nur ein Riechrezeptorprotein zur Dufterkennung nutzt (wie der Mensch), sondern ein zweites unspezifisches Rezeptorprotein einsetzen, um Nr. 1 (Rezeptor für den bestimmten Duft) zu unterstützen – ein schöner Trick, um etwa tausendmal besser riechen zu können als wir. Angedacht wurde auch schon ein neu zu entwickelndes Insektizid, das das unspezifische Rezeptorprotein ausschaltet – dann wäre die Fruchtfliege ähnlich „geruchsblind“ wie der Mensch und würde auf dem Weg zum Obstkorb wahrscheinlich verhungern.

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