Der Ficus Ginseng hat unseren Pflanzenhandel erobert, und wir kommen nicht mehr an ihm vorbei. Für Bonsai-Freunde eine ständige Versuchung, ebenso ständig gestört durch merkwürdige Gerüchte, nach denen der Ficus Ginseng „kein richtiger Bonsai“ sei. Der Artikel klärt auf, über den Ficus Ginseng und über die überraschenden Möglichkeiten seiner Pflege.

Der Ficus Ginseng wird vor allem in einer Gestalt verkauft, die seinem wahren Wesen eigentlich nicht unbedingt entspricht. Macht nichts, auch ein Ficus Ginseng in der zur Zeit typischen Verkaufsgestalt ist eine schöne Pflanze, an der Sie z. B. Bonsaipflege üben können. Der Ficus Ginseng gibt aber noch mehr her, Sie können ihn auch als ganz normale Zimmerpflanze ziehen, für beides folgt unten die Pflege-Anleitung und Hinweise, um Fehler zu vermeiden.

Ficus Ginseng

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Ficus Ginseng

Wenn Ihnen aktuell irgendwo ein Ficus Ginseng unterkommt, handelt es sich meist um ein Bäumchen mit knubbliger Wurzel, das als Bonsai gezogen oder zumindest verkauft wird.

Ficus Ginseng werden im Discounter und in Möbelhäusern für ein paar Euro als Bonsai verkauft, meist in geschmacklich zweifelhafter Keramik; und auch viele Bonsai-Händlern wollen an ihnen verdienen, schließlich heißt das japanische Wort bonsai wörtlich übersetzt „Anpflanzung in der Schale“, ein Bonsai ist also ein Baum im Topf.

Wenn Sie in eine Suchmaschine Ficus Ginseng eingeben, kommen um 200.000 Einträge, in denen es vor allem darum geht, wie Sie diesen als Bonsai verkauften Ficus Ginseng am besten pflegen und schneiden und vielleicht noch drahten.

Der Handel muss es ja wissen – der Ficus Ginseng ist ein Bonsai?

Wenn man in Bonsaiforen nachliest, wird kaum über einen anderen Baum so viel diskutiert wie über den Ficus Ginseng.

Aber Ficus heißt doch Feige, und Feigen sind als Zier- oder Nutzpflanzen – vom guten alten Gummibaum (Ficus elastica) über die gute alte Birkenfeige (Ficus benjamina) bis hin zum echten Feigenbaum (Ficus carica) eigentlich immer recht großwüchsig und eher schnell wachsend und damit so überhaupt nicht zum Bonsai prädestiniert?

Im wohl zur Zeit vollständigsten internationalen Pflanzenverzeichnis der Welt, der aus einer Zusammenarbeit des Royal Botanic Gardens, Kew und des Missouri Botanical Garden seit 2010 entstehenden „Plant List“ hat man es inzwischen auf gut 350.000 identifizierte Pflanzenarten gebracht, aber ein Ficus Ginseng ist nicht dabei, noch nicht einmal unter den knapp 1.300.000 Synonymen und nicht anerkannten Namen.

The Plant List enthält aber nur Arten und keine Zuchtsorten, und genau hier liegt die Lösung des Geheimnisses. Manchmal hat der Ficus Ginseng nämlich auch einen echten Namen, Ficus microcarpa, die Chinesische Feige.

Beziehungsweise mehrere echte Namen, die Ficus microcarpa ist nach Erstbenenner Linné eine Unterart der Ficus retusa, andere Autoren stufen die retusa als jüngeres Synonym ein.

Ficus-VariantenAuf Deutsch heißt sie:

  • Chinesische Feige oder
  • Lorbeer-Feige oder
  • Indischer Lorbeer

Auf Englisch heißt sie:

  • Chinese Banyan
  • Malayan Banyan
  • Taiwan Banyan
  • Indian Laurel
  • Curtain fig oder
  • Gajumaru
  • retusa Cuban Laurel

Dann geht’s wieder zurück zu Linné und die microcarpa sei eine retusa-Varietät, die auch „Ficus retusa var. nitida King“ (wieder nur eins von 32 Synonymen) oder Banyan Feige oder GINSENG FEIGE heiße … Luft holen, volle Breitseite Feigen-Chaos, kaufen Sie dieses Gewächs unter irgendeinem Namen, wenn Sie keine Doktorarbeit über die Nomenklatur in der Biologie schreiben wollen.

Nur eines ist jetzt sicher, ein Bonsai ist es nicht, sondern ein mächtiger Baum mit Wuchshöhen bis 30 Meter (zum Vergleich: 1.000-jährige Eichen um 15 m), mit Stammdurchmessern von bis zu 50 cm und ausladend breiter Baumkrone.

Im Möbelhaus gibt es auch eine „echte“ Ficus microcarpa, allerdings nur eine fast echte einer Mini-Zuchtsorte namens ‚Moclame‘.

Die Geschichte des Ficus Ginseng
Eine der ersten Sichtungen vom Houseplantguru (www.thehouseplantguru.com/tag/ficus-microcarpa-moclame) war am 3.8.2014 auf einer Handelsshow der Grünpflanzenindustrie in Columbus, OH, USA.

Das Blumenbüro Holland, die Marketing- und Kommunikationsspezialisten der Produzenten für „FloraHolland“, hat den Ficus Ginseng dann bei uns eingeführt und ihn im Juli 2015 zur Zimmerpflanze des Monats gemacht, natürlich in den geschrumpften Versionen, was sollten Sie auch mit einem Baum im Wohnzimmer, der fast doppelt so hoch wie eine Eiche werden will?

Die eine Schrumpfversion, den Bonsai, gibt es schon lange. Der Ficus microcarpa neigt dazu, Luftwurzeln zu bilden und die werden in China und Malaysia seit Jahrhunderten als besondere Wurzel-Bonsai kultiviert, Ginseng ist chinesisch für „Wurzel“. In jahrelanger, geduldiger Pflege wird ein möglichst bizarrer Wurzelstumpf geformt, auf den dann ein winziger, kleinblättriger Ficus gepfropft wird.

Die niederländischen Produzenten importieren knollenartige Luftwurzeln, die in Taiwan auf großen Farmen (eher nicht in jahrelanger Formung) künstlich gezogen, abgeschnitten und in Töpfe gepflanzt wurden. Dann wird abgewartet, bis sich um die Schnittstelle ein paar Triebe bilden, fertig ist der Hochstapler, der für (kurzsichtige) Laien wie ein Bonsai aussieht.

Wie lange sich die niederländischen Produzenten Zeit nehmen, um „die Kultur bis zur Verkaufsreife fortzusetzen“ (Zitat Pressetext www.blumenbuero.de/kampagne/juli-2015-ficus-ginseng-ist-die-zimmerpflanze-des-monats), dürfen wir nur vermuten, bei Preisen zwischen 5,- und 10,- € aber sicher nicht allzu lange.

Wenn Sie einen Ficus Ginseng mit geformter Wurzel kaufen, kaufen Sie also die Luftwurzeln eines ganz normalen Feigenbaums mit ein paar Blättern dran (eigenen Blättern, aber auch gepfropfte Ficus Ginseng sollen schon gesichtet worden sein).

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Auf Wurzel gepfropft


Bis auf das dahinter stehende nicht ganz echte Bonsai-Versprechen keine schlechte Sache, Feigen sind tolle Pflanzen, und mit einem Ficus retusa microcarpa haben Sie immerhin mehrere Möglichkeiten der Kultur.

Pflege-Anleitung als „Bonsai“

Sie haben einen Bonsai gekauft und wollen jetzt auch einen Bonsai kultivieren?

Das können Sie tun mit einem Ficus Ginseng. Sie sollten sich nur bewusst sein, dass Sie ihn nur schwer zu einem „richtigen Bonsai“ geformt bekommen (wenn Sie nicht zufällig auf ein paar Jahrhunderte Bonsai-erfahrene asiatische Vorfahren zurückblicken können und noch sehr jung sind).

Sie können den Fake-Bonsai aber prima zum Üben nutzen, denn ein bisschen ist an dem „Bonsai = Baum im Topf“ schon dran: „Bonsai ist“, ein Gehölz in eine besondere Wuchsform zu bringen und in Miniaturwuchs zu zwingen, und das funktioniert grundsätzlich immer durch die gleiche äußere Beeinflussung bzw. durch die gleiche Beeinflussung des Pflanzen-Stoffwechsels.

Bis auf die Tatsache, dass sie für wirkliche Kunstformen viel zu schnell wachsen, bringen die Fici microcarpa gute Eigenschaften für die Bonsaigestaltung mit:

  • Sie sind gut wüchsig (womit gemeint ist, dass sie unabhängig von der Schnelligkeit einfach dauernd wachsen)
  • Die Blätter sind von Hause aus schon nicht sehr groß
  • Sie sind wie jede Feige sehr gut schnittverträglich

Sie können in den ersten 1 bis 2 Jahren an ihm Äste drahten üben, Sie können Schnitttechniken und andere Techniken ausprobieren, Sie können Bonsai umtopfen trainieren und das alles an einem Baum für wenig Geld, der im Zweifel immer wieder austreiben wird.

Bonsai-Pflege
Bonsai-Pflege

Das sind die Besonderheiten bei der Bonsai-Pflege eines Ficus Ginseng:

  • Sie können den bereits vorhandenen Austrieb nicht sehr lange beliebig drahten, kürzer als bei anderen Arten
  • Wenn die Blätter klein bleiben sollen, muss der Ficus SEHR regelmäßig beschnitten werden
  • Er ist aber so gut schnittverträglich, dass Sie unerwarteten Riesenwuchs einfach wegschneiden können
  • Sie können an der Stammverdickung weiterarbeiten
  • Dazu Austrieb wachsen lassen, bis der Ast Wunschdicke hat
  • Die Blätter bleiben dran, mit Blättern und deren Photosynthese wird der Ast schneller dick
  • Das können Sie durch Düngen noch beschleunigen
  • Sie können die Wurzeln sogar mechanisch bearbeiten
    • Zum Beispiel einen Teil der wuchtigen Wurzel aushöhlen oder wegfräsen, also „Luftwurzeln designen“
    • Aber erst, wenn der Rest schön kräftig wächst
    • Sie können die dicken Wurzeln auch in feuchte Tücher hüllen und dauerhaft feucht halten
    • Bis hin zu subtropischen Bedingungen, warm und feucht, im ausrangierten Aquarium sollen sich die schönsten Luftwurzeln bilden
    • Die neuen Wurzelableger aus dem Stamm können Sie dann wieder nach Belieben formen

Irgendwann fällt dann die komische Knolle kaum mehr auf.

  • Die Schnittwunde an den Luftwurzeln ist meist hässlich
  • Sie können einen oder mehrere Äste zur neuen Baumspitze kören und so wachsen lassen, dass sie die Schnittwunde überwallen
  • Also die Krone so vergrößern und erziehen, dass sie die Schnittstelle irgendwann kaschiert
  • Wegen einer gewissen Bremswirkung auf die Wuchskraft sollte auch ein Ficus Ginseng nicht in Blumenerde, sondern in Bonsai-Substrat gehalten werden
  • Mit Rücksicht auf die Wuchskraft sollten Sie neue Triebe immer erstmal wachsen lassen
    • erst nach einer Weile kräftig zurückschneiden
  • Die grundsätzliche Pflege richtet sich nach den Bedürfnissen eines normalen Ficus microcarpa
    • Zimmertemperatur, zwischen 17 und 25 Grad
    • Ein Sommeraufenthalt im Freien bekommt aber auch einem Ficus Ginseng gut
    • Auch „bonsaitechnisch“, die Blätter werden in direkter Sonnenbestrahlung meist kleiner als bei Raumhaltung
  • Wenn Sie beim Rückschnitt Stecklinge gewinnen, sollen die gutes Bonsai-Talent mitbringen

Allerdings gibt es laut Bonsaiexperten lohnenswertere Bäumchen, wenn Sie Bonsais gestalten wollen, es sei denn, Sie haben Spaß an Experimenten.Ficus-Ginseng-2

 

Der Maxi-Bonsai hat es in sich

Die uns eher als schnödes Trockenobst bekannten Feigen sind längst nicht so harmlos, wie sie tun.

Mehrere Ficus-Arten sind als „Würgefeigen“ bekannt. Deren Samen werden von Vögeln gefressen und auf Äste ausgeschieden, wo sie mit ihrer schleimigen Samenhülle kleben bleiben und keimen. Erst einmal wachsen sie ganz brav als Epiphyten („Aufsitzer“) auf den Wirtspflanzen, während die Luftwurzeln (!) sich zum Boden strecken. Einmal im Boden verwurzelt, geht Wachstum und Luftwurzelbildung erst so richtig los, der Wirt wird umwachsen und stirbt schließlich ab. Wenn er von der Würgefeige „verdaut“ wurde (sie nimmt die bei seiner Zersetzung freiwerdenden Nährstoffe auf).

Welche Feigen genau „das Talent zum Würger“ haben, ist noch nicht im Einzelnen erforscht. Aber Feigen, die wie Ficus microcarpa gerne Luftwurzeln bilden, sind von vornherein schwer in Verdacht und die auch schon mal als Ficus Ginseng eingeordnete Banyan-Feige (Ficus benghalensis) ist auf jeden Fall mit dabei …

Wenn die Luftwurzeln beim Umwachsen einer Wirtspflanze aufeinandertreffen, wachsen sie zusammen. Dieser „Drang zur Vereinigung“ soll allen Pflanzenteilen einer Würgefeige innewohnen: Wurzeln, Stämme und Äste wachsen zusammen, wenn sie sich (unter Druck) berühren. Dies kann obskuren Gebilden führen.

Eine andere Richtung, in der die Feigen „nicht so harmlos sind wie sie tun“, interessiert Menschen, die schnell allergisch reagieren. Unter den Pflanzenstoffen im Ficus sind gleich mehrere reizende Stoffe (genaueres dazu finden Sie im Artikel zum Ficus benjamina, unserer beliebten Birkenfeige).

Auf jeden Fall sollten Sie schnell einen dankbaren Abnehmer finden, wenn Ihnen in Gesellschaft Ihrer neuen Pflanze irgendwie komisch wird oder Ihre Haut irgendwelche Reaktionen zeigt. Und beim Schneiden sich und den Teppich schützen, der Pflanzensaft trocknet zu ekligen Flecken.

Pflege-Anleitung als „Ficus microcarpa“

Diese ganze oben so ausführlich behandelte wahre Gestalt des Ficus Ginseng wurde nicht umsonst so ausführlich behandelt, sondern hilft ihnen nachzuvollziehen, dass Sie diesen Ficus Ginseng microcarpa auch ganz anders behandeln können.

Wie gesagt, der Ficus Ginseng ist in seinem Kern eine ganz normale Chinesische Feige, und wenn Sie nicht dauernd mit der Schere hinterher sind, wird diese Feige ohnehin irgendwann zwischendurch „ausbüxen“.Ficus-Ginseng-3

Das können Sie gestatten, fördern, nutzen, und Ihre Chinesische Feige zu einem großen Ficus wachsen lassen. Die gepflegt wird wie jeder Ficus:

  • Ganz normale, gerne recht nährstoffreiche Erde, (eventuell für bessere Drainagewirkung mit etwas Sand gestreckt)
  • Standort
    • So viel Licht wie möglich, ein Ficus Ginseng kommt aus tropischen Regionen und ist 12 h Tageslicht gewöhnt
    • Heller Standort, an dem der Ficus weder direkter Sonne noch Zugluft ausgesetzt ist
    • Zimmertemperaturen (alles zwischen 18 und 22 Grad) sind recht
    • Im Sommer steht der Ficus Ginseng gerne draußen
    • Sanft an volle Sonne gewöhnen, auch Pflanzen bekommen Sonnenbrand
    • Ab einer Durchschnittstemperatur von 15 °C (auch nachts) kann der Ficus Ginseng auf den Balkon
    • Wenn er schnell wächst, einmal im Jahr umtopfen (am besten im Frühjahr, da ist er sowieso auf Wachstum eingestellt und bildet schnell neue Wurzeln)
  • Gießen, Düngen
    • Beim Wasser ist Aufpassen angesagt: Zu viel lässt die Wurzeln faulen, zu wenig führt zu Blattabwurf
    • Am besten immer dann gießen, wenn die oberste Erdschicht gerade leicht angetrocknet ist
    • Wenn das Wasser bei Ihnen hart ist, mit gesammeltem Regenwasser oder Leitungswasser, das schon ein wenig abstehen durfte
    • Ansprühen mit kalkfreiem Wasser ist immer gut
    • (Flüssig-) Dünger gibt es während der Wachstumsperiode, etwa alle zwei Wochen nach Packungsanleitung
  • Schneiden können Sie, müssen Sie aber nicht unbedingt
    • Wenn Sie Platz haben, können Sie den Ficus auch einfach wachsen lassen, die Zuchtsorten werden um 2 m hoch
    • Auslichten, kürzen, formen ist natürlich unkritisch möglich, der Ficus verträgt auch Rückschnitt ins alte Holz

Fehler vermeiden

Fehler können Sie bei einem Ficus eigentlich gar nicht so viele machen. Oft ist der vermeintliche Pflegefehler einfach nur Natur:

  • Ein Ficus Ginseng kommt aus den Tropen, er bekommt täglich viele Stunden Tageslicht
  • Bei uns nicht, vor allem im Winter nicht
  • Auch immergrüne Blätter leben nicht ewig, und die überflüssigen/zu alten Blätter werden dann im Winter halt abgeworfen
  • Ansonsten prüfen: Blattverlust kann auch von zu viel oder zu wenig gießen oder düngen herrühren
  • Oder von Kälte (von unten), Zugluft, zu wenig Erde im Topf (alle 2, 3 Jahre umtopfen)
  • Oder von Schädlingen, wenn die Blätter Punkte/Flecken zeigen, sind meist Spinnmilben oder Thripse zugange

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