Erdwespen kann man unter Umständen loswerden, und es gibt Maßnahmen, die gegen Erdwespen im Garten helfen. „Unter Umständen“ dürfen Sie beim Thema „Erdwespen“ (die es übrigens nicht gibt) und „loswerden“ aber auch wirklich wörtlich nehmen, weshalb Sie erst einmal erfahren, warum und wie Sie sich das ganze Theater ersparen können …

Panikmache mit Insekten geht immer, Wespen werden aber dadurch nicht gefährlicher und die Menschen nicht allergischer (um 4 % sind allergiegefährdet, und auch denen kann meist geholfen werden). Und Erdwespen lohnen in aller Regel den ganzen Aufwand nicht, gegen Erdwespen im Garten bzw. unangenehmen Gefühlen wegen Erdwespen im Garten hilft vor allem Information:

Erdwespen gibt es nicht

Es gibt nur viele Wespen, Bienen, Hornissen, Hummeln, die ihre Nester (auch) in der Erde bauen.

Diese Tierchen gehören alle zu den Hautflüglern (Hymenoptera), neben Käfern, Schmetterlingen, Zweiflüglern die vierte Insektenordnung mit 150.000 bekannten Arten in 130 Familien. Eine immens wichtige Insektenordnung. Nicht für den Nachbar-Hautflügler (vielleicht auch, wer weiß), sondern für uns Menschen und die ganze Welt, weshalb vorweg kurz auf den Stellenwert der Hautflügler eingegangen wird.

Von 150.000 Arten Hautflüglern der Welt tauchen bei uns in Mitteleuropa „nur“ annähernd 12.000 Arten auf, die stellen allerdings unsere größte einheimische Tierordnung. Und das ist gut so, auch wenn Einstein nicht gesagt hat, dass die Menschen aussterben, wenn die Bienen aussterben. Sicher wird die Welt zu einem großen Teil durch den Anbau von Pflanzen ernährt, die bestäubt werden müssen (und wäre die Welternährung ohne den übermäßigen Fleischkonsum kein Problem, www.topagrar.com/news/Home-top-News-Ohne-Fleischerzeugung-wuerde-Ackerflaeche-fuer-Welternaehrung-reichen-1216742.html). Aber bestäuben können auch Wind und Wasser, Vögel und Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Fledermäuse … Einstein soll auch abseits der theoretischen Physik interessiert und gebildet gewesen sein, er hätte und hat solch einen Blödsinn nie erzählt (s. dazu scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/06/21/albert-einstein-das-sterben-der-bienen-und-das-ominoese-zitat/2/).

Die Hautflügler bleiben aber die wichtigsten Bestäuber und sind auch mit ihren restlichen Aufgaben (Müll verarbeiten, Populationen anderer Insekten in erträglichem Rahmen halten und vieles mehr) für Struktur und Funktion fast aller Ökosysteme unserer Erde unverzichtbar.

Und die Colony Collapse Disorder (das Bienensterben, de.wikipedia.org/wiki/Colony_Collapse_Disorder) ist ein wirklich ernstes Problem – in diesem Job möchten Sie sich, Ihre Kinder oder Enkel wahrscheinlich nicht wirklich sehen. Vielleicht ein guter Grund für einige Überlegungen in Richtung Erdwespen-Schonung, die Wespen sind nämlich beim Bestäuben gut mit dabei.

Welche Wespen bauen Erdnester?

Ihnen ist vollkommen egal, welche Wespen am Boden herumwuseln, Hauptsache, die verschwinden so schnell wie möglich? Erst einmal Ihr Ding, aber: Bevor Sie in anstrengenden Aktionismus ausbrechen, weil Ihren Kids beim letzten Aufenthalt im Garten ein paar Erdwespen um die Nase geflogen sind, lohnen sich ein paar Gedanken zur „Bedrohung durch Erdwespen“.

Das geht auch frei von jeder Idee einer „korrekten Naturerziehung der Nachkommen“ (der Ernst des Lebens kommt unweigerlich, und früh genug). Und sogar frei von möglichen persönlichen Wespenphobien (gibt es, 7 Fälle seit 1938 sind belegt, aber der Psychiater würde wahrscheinlich ohnehin zu einer Konfrontationstherapie raten). Sie sollen sich nur einfach erst einmal fragen, ob die Erdwespen bei Ihnen im Garten ernsthaft irgendeine Aktivität lohnen.

1. Sind „Ihre Erdwespen“ überhaupt „bewaffnet“?

Sie werden sicher zustimmen, dass sich irgendeine Aktivität erst dann lohnt, wenn die Erdwespe einen Stachel hat. Schau’n wir mal, wie viele Kandidaten wenigstens theoretisch über das Werkzeug verfügen, Ihnen ans Leder zu gehen: Bei uns gibt es also 12.000 Arten Hautflügler. Abziehen können wir 800 Arten mitteleuropäische Pflanzenwespen (Pflanzen- oder Nektarfresser, wenn Stachelchen, dann nur zum Eierlegen) und 9.000 Legimmen (die auch nur einen schlappen Legstachel besitzen).

Bleiben 1.000 Arten mitteleuropäische Stechimmen, die in ihrer Evolution so lange geärgert wurden, bis sich der Legeapparat in einen Wehrstachel gewandelt hat.

Die teilen sich in 19 Familien: 7 davon sind wenig erforscht, winzig und nicht bei uns anzutreffen, können Horrorfilm-Ausstattern oder Spielzeug-Desigern aber durchaus Ideen liefern. Das restliche Dutzend umfasst die Ameisen und die Bienen, ca. 750 Arten in Mitteleuropa. Und Wespen, in unterschiedlichen Artenzahlen:

  • 29 millimetergroße Plattwespen
  • 120 ebenso winzige Goldwespen
  • 110 noch kleinere Zikadenwespen
  • 6 superschicke schwarze Rollwespen als Vorlage für Schmuckdesigner
  • 5 Keulenwespen
  • 9 Ameisenwespen
  • 100 Wegwespen nicht nur in Bernstein
  • 100 Faltenwespen
  • 2 Dolchwespen (die beide auf der roten Liste stehen)
  • 300 Grabwespen, die Nester graben oder avantgardistische Baukunst entwerfen

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    Hängendes Wespennest

Zusammen 780 verschiedene Wespenarten. Davon bauen aber weiß Gott nicht alle Erdnester, das Standart-Wespen-Eigenheim hängt irgendwo rum und die Luxus-Variante wird meist auch nicht im Souterrain gebaut.

2. Wie steht es mit der „Mentalen Kriegsführung“?

Der Rest reicht ja wohl? Ihnen „ans Leder gehen“, hieß das Stichwort, und das können viele Wespenarten auch bei zarter Kinderhaut nicht.

Um sein Nest mit Stichen zu verteidigen, braucht es mehrere Voraussetzungen:

  • Der Stachel muss die nötige Stärke haben, um menschliche Haut zu durchdringen
  • Die Wespen leben in Staatengemeinschaften, die geschützt werden sollen
  • Es lohnt sich, das Erdnest zu verteidigen
  • In der Gemeinschaft gibt es Staatenmitglieder mit der nötigen Aggressivität zum Angriff

Die Sache mit der nötigen Stärke des Stachels klappt öfter, das bekommt bekanntermaßen sogar eine Ameise hin.

Aber auch an dieser Voraussetzung scheitern schon wieder eine Menge Wespen und Wildbienen, weil sie von der Natur nicht darauf vorbereitet wurden, Lebewesen wie den Menschen mit einer Art Panzer aus sieben Hautschichten abzuwehren. Am Leben in Staatengemeinschaften scheitert die Abwehrfähigkeit sehr vieler Arten.

Die „durchschnittliche Wespe“ (Mauerwespe, Pillenwespe, Lehmwespe, Wegwespe, Erzwespe, Schlupfwespe, Grabwespe …) lebt alleine. Solitär lebende Lebewesen entwickeln typischerweise keine höheren Kampfkünste, sondern hauen im Konfliktfall einfach ganz schnell ab, insgesamt die entspanntere und gesündere Lebensart.

Für die meisten Wespen lohnt es sich auch überhaupt nicht, das Nest zu verteidigen. Mutter Wespe ist alleine für den Nestbau zuständig, während sie schon kurz vor der Eiablage steht. So viel einfacher als eine Geburt ist das auch nicht, Proviant muss sie den Eiern auch noch ins Nest legen, da bleibt keine Zeit für kunstvolle Nest-Architektur. Ist auch gar nicht nötig, Mama Wespe lässt den gut versorgten künftigen Nachwuchs nämlich ganz alleine aufwachsen, und wenn der ins Leben aufgebrochen ist (ausgeflogen, das ist das plötzliche Gewimmel auf dem Rasen: Wespen oder Wildbienen beim Auszug) ist dieses Erdnest Geschichte …

Aus all diesen Gründen sind all diese Tierchen auch super friedliche Gesellen, die nichts anderes vorhaben als in Ruhe ihre (Bestäubungs-) Arbeit zu tun – sie verfügen überhaupt nicht über die notwendige Aggressivität, um einen Angriff zu starten. Es bleiben ein paar staatenbildende Wespen übrig, deren Arbeiterinnen zwar theoretisch stechen können, deren Stachel sind aber meist so schwach, dass Sie höchstens ein harmloses Zwicken merken, wenn überhaupt (zu den 2 Wespenarten, die sich vehementer verteidigen, kommen wir noch).

Geschützte Arten

Bei all den gerade geschilderten Erdwespennestern, bei denen sich irgendwelche Aktivitäten aus den verschiedensten Gründen ohnehin schon nicht lohnen, gibt es noch ein weiteres entscheidendes Argument, sich zurückzuhalten:

Es macht richtig Arbeit.

Nach Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung i. V. m. BNatSchG stehen alle heimischen Bienen und Hummeln, Hornissen, Kreiselwespen und Knopfhornwespen unter „besonderem Schutz“.

Bei denen ist nach § 44 Abs. 1 BNatSchG „Nachstellen, Fangen, Verletzen, Töten, Entwicklungsformen beschädigen und zerstören“ verboten, wenn Sie Nester umsiedeln möchten, brauchen Sie eine Befreiung nach § 67 BNatSchG. Die Sie meist bei der Oberen Naturschutzbehörde beantragen müssen und die gewährt wird, „wenn die Durchführung der Vorschriften im Einzelfall zu einer unzumutbaren Belastung führen würde“.

Die nicht besonders geschützte Wespe fällt unter § 39 BNatSchG , den „Allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen“; auch nach diesem Paragraphen kann ein Nest nur umgesiedelt werden, wenn es einen vernünftigen Grund dafür gibt.

Unzumutbare Belastung und vernünftiger Grund müssen objektiv vorliegen, und das bemisst die Naturschutzbehörde nach dem in unserer Gesellschaft gesetzlich festgelegten Interessenausgleich. Heutzutage geht der gesellschaftliche Konsens deutlich hin zu mehr Natur- und Umweltschutz, samt strikter Gesetzesanwendung und eher enger Interpretation.

Der normal beschäftigte Mensch wird sich bei diesen Perspektiven den Antrag ersparen, er wird Wespennest Wespennest sein lassen und seine Kinder die kurze Zeit, die das nötig ist, mit altersgerechten Maßnahmen aus dem Gefahrenbereich heraushalten.

Wenn es vom Alter her gerade passt, wird das Erdwespennest in ein Beobachtungsobjekt verwandelt:

  • Nageln Sie eine Pyramide aus ein paar Holzleisten zusammen
  • Bespannen Sie diese mit Kaninchendraht bespannen und stülpen Sie sie über das Erdwespennest, schon ist das Wespenhaus gesichert.
  • Rundum könnten Sie in einiger Entfernung eine Absperrung aus Stöckchen und Flatterband bauen
  • Falls Sie zur Kindersicherung rund ums Erdnest Fragen haben: Der örtliche Hymenopterendienst wird Sie gerne beraten

Erdwespennester

Auch eine Souterrain-Wohnung kann reizvoll sein, und in auch für Wespen wohnraumtechnisch überfüllten Städten kommt es gelegentlich vor, dass eine „Deutsche Wespe“ oder eine „Gemeine Wespe“ ein Erdnest baut.

Wenn es sich um ein Erdnest staatenbildender Wespen handelt,

  • kommen über längere Zeit mehrere Wespen aus dem Ausflugsloch
  • die im Gegensatz zu Bienen keine Pollen (Puschel am Hinterleib) mit ins Nest bringen
  • Wespen sind klar schwarz-gelb und kaum behaart
  • Bienen sind eher braun-gelb und haben teils ziemlich lange Haare

Diese „sozialen Wespen“ leben in Staaten und verteidigen ihre Nester vehement gegen Angriffe, und ein Himmel verdunkelnder Schuh gilt für die Wespen als Angriff. Dem sie im Frühsommer vielleicht noch ausweichen, weil sie mit der Eiweißbeschaffung für ihre Larven (Insekten, Wurstbrot) genug zu tun haben. Wenn die Larven großgezogen sind, sterben erst die Königin und dann die erwachsenen Arbeiterinnen, die Nester lösen sich im Spätsommer auf.

Da sind aber noch nicht alle Arbeiterinnen tot, ein guter Teil von ihnen wird gen Ende ihres Lebens unverschuldet heimatlos. Diese wahrscheinlich schon ein wenig altersschwachen Wespen streunen nun auf Nahrungssuche einsam durch die Gegend und stürzen sich auf alles, was sie finden, Kuchen, Saft, Cola und nach wie vor Wurstbrot.

Ein derartiges Rentnerdasein macht (verständlicherweise) ausnehmend aggressiv, diesen Wespen-Greisen sollte man wirklich aus dem Weg gehen, aber das verlassene Nest wird nie wieder besiedelt. Vielleicht legen Sie mit ihren Kindern in der Nähe des alten Nests ein Wespen-Altersheim an (kleine Kiste mit vielen überreifen Weintrauben), das hält die Wespen auch gleich vom Sitzplatz weg.

Nest umsiedeln oder beseitigen

Manchmal schaffen staatenbildende Wespen es, sich an aus menschlicher Sicht wirklich ungünstigen Stellen niederzulassen. Wenn es noch früh im Jahr ist, lohnt sich dann vielleicht eine Umsiedlung. Weil im Zweifel empfindliche Geldstrafen drohen, immer erst nach Beratung, alleine zu Beweiszwecken.

Wenden Sie sich an einen der vielen Hymenopterendienste in Deutschland, den Dienst in Ihrer Nähe finden Sie über Ihre Naturschutzbehörde, einen Naturschutzverband, einen Imker oder die Feuerwehr. Sie werden beraten und bekommen im Notfall meist auch Hilfe bei der Umsiedelung, weil sich viele Ehrenamtliche engagieren, fast immer gegen eine erträgliche Aufwandsentschädigung.

Ein Wespennest beseitigen zu lassen, ist auch gelegentlich denkbar, aber hierbei sollten Sie bedenken, dass der Schädlingsbekämpfer Substanzen ausbringen könnte, die nicht nur den Wespen schaden – die eingesetzten Insektizide sollten auch Menschen und der Umwelt nicht zu nahe kommen, den orangen Warnhinweis druckt niemand zum Spaß auf. Wenn das Wespennest ohnehin bald absterben wird, ist Duldung preiswerter und zeitsparender, und für kleine Kinder sicher auch gesünder als ein Schwall Gift aus der Spraydose.

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Feli
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