Entkopplungsmatte – Infos und Verlegeanleitung

Entkopplungsmatten verlegen

Eine Entkopplungsmatte ist vielen DIY-Fliesenlegern unbekannt. Dabei ist dieses einfach zu verarbeitende Feature sehr praktisch und kann dabei helfen, viele Folgeschäden zu vermeiden. Wir zeigen in diesem Ratgeber, worauf beim Verlegen von Entkopplungsmatten zu achten ist.

Heraklit im Kitt – „Pantha Rei – Alles fließt“. Diese Weisheit vom griechischen Philosoph Heraklit gilt auch nach 2500 Jahren immer noch. Selbst die scheinbar starren und festen Fliesen dehnen sich bei Erwärmung aus und ziehen sich bei Abkühlung wieder zusammen. Besonders bei großen Bodenfliesen kann dieser unvermeidliche Effekt zu massiven Problemen führen. Mit Glück reißt nur die Fuge auf und die Fliese löst sich vom Untergrund. Meistens brechen jedoch die Fliesen unvermittelt in der Mitte durch und es entsteht ein unschöner Sprung. An diesem kann dann Wasser eindringen, was für eine fortschreitende Zerstörung des Fliesenbelags sorgt. Deshalb gehen professionelle Fliesenleger inzwischen dazu über, beim Erstellen eines neuen Fliesenbelags standardmäßig Entkopplungsmatten einzubauen.

Infos zur Entkopplungsmatte

Die Entkopplungsmatte ist eine flexible Schicht aus Gummi oder Schaumstoff, welche zwischen Fliesenbelag und Untergrund eingebaut wird. Sie gibt den Fliesenbelag die Möglichkeit, sich in jede Richtung auszudehnen. Obwohl diese Dehnungen nur Bruchteile von Millimetern betragen, sorgen sie für die gefürchteten Spannungen zwischen Belag und Untergrund. Die Entkopplungsmatte verhindert oder vermindert diese Spannungen so weit, dass keine Risse oder Ablösungen im Belag mehr auftreten können. Mit wenig zusätzlichem Aufwand kann die Entkopplungsmatte zu einer vollwertigen Sperrschicht gegen eindringende Feuchtigkeit aufgewertet werden.

Vorteile

Entkopplungsmatten sind eigentlich immer ein sinnvoller Beitrag für einen dauerhaften Fliesenbelag. In manchen Fällen ist ihr Einbau aber besonders dringend angezeigt. Diese Fälle sind:

  • schwingender Untergrund
  • große Flächen
  • große Fliesen
  • Außenbereiche
  • starke, punktuelle Schwankungen in der Temperatur

Ein schwingender Untergrund liegt beispielsweise bei einem Dielenfußboden vor. Wenn der Untergrund auch nur leicht nachgeben kann, ist das Ablösen eines starren Fliesenbelags nur eine Frage der Zeit. Mit der Entkopplung wird dieser Ablösung wirkungsvoll vorgebeugt. Mit Entkopplungsmatten können so beispielsweise auch alte Fachwerkhäuser mit modernen Badezimmern ausgestattet werden.

Bei besonders großen gefliesten Flächen ist das Entstehen von Längsspannungen quasi unvermeidlich. Die starren Fliesen und der ebenso nur sehr wenig flexible Fugenmörtel dehnen sich unter Einwirkung von Wärme aus. Auf eine große Fläche gerechnet, kann diese Ausdehnung bereits einige Millimeter betragen. Mit Dehnfugen, die alle 3-6 Meter eingebracht werden sollten, kann das Entstehen dieser Spannungen zwar vermindert werden. Echte Sicherheit bietet jedoch nur der Einbau der Entkopplungsmatte. Dies gilt besonders, wenn große Fliesen verwendet werden. Die kumulierte Längendehnung ist umso gravierender, je größer die verwendeten Platten sind.

In Außenbereichen sind die Themen Schwankung der Temperatur und Frostbildung besonders gravierend. Da geflieste Außenflächen, wie beispielsweise Pools oder Terrassen, zumeist auch sehr groß sind, ist die Bildung von Spannungen im Fliesenbelag besonders gravierend. Entkopplungsmatten sorgen hier für einen dichten und flexiblen Untergrund.

Im Boden verlegte Heizungsrohre können starke, punktförmige Erwärmungen erzeugen. Dann dehnen sich die Fliesen bei einem durchgehenden Belag nicht mehr gleichmäßig aus. Eine Bildung von Spannungen ist in diesem Fall unvermeidlich. Damit auch anspruchsvolle Umgebungen gefliest werden können, leisten Entkopplungsmatten einen Beitrag zur Langlebigkeit.

Wann braucht man keine Entkopplungsmatte?

Falls eine Fußbodenheizung eingebaut wird, kann man auf die entkoppelnde Gummimatte verzichten. Die modernen Elemente einer elektrischen oder wasserbasierten Fußbodenheizung haben ihrerseits bereits hinreichende entkoppelnde Eigenschaften. Außerdem wirken Fußbodenheizungen sehr gleichmäßig auf die Wärmedehnung des Fliesenbelags. Dennoch sollte auch bei Fußbodenheizungen nicht auf die Dehnfugen verzichtet werden. Dies ist vor allem im Randbereich sehr wichtig.

Fußbodenheizung mit Entkopplung
Fußbodenheizung mit Entkopplung

Aufbau und Struktur

Entkopplungsmatten bestehen aus ca. 2 Millimeter dicken Folien aus Kunststoff, Gummi oder Schaumstoff. Sie sind beidseitig stark genoppt, um Fliesenkleber gut aufnehmen zu können. Die Flexibilität entsteht durch ihren gummiartigen Kern. Entkopplungsmatten werden in Rollen geliefert. In der Fläche sind sie wasserdicht. Um aber den gesamten Untergrund gegen eindringende Feuchtigkeit abzusichern, müssen auch die Stöße abgedichtet werden. Preiswert sind Entkopplungsmatten jedoch nicht: Eine Rolle kostet ca. 300 Euro, was ca. 10 Euro pro Quadratmeter entspricht. Dafür erhält man einen dauerhaft haltbaren Fliesenbelag.

Eigenschaften

Es gibt viele Hersteller, welche Matten zur Entkopplung des Fliesenbelags anbieten. Außer, dass sie alle in etwa das gleiche kosten, haben die verschiedenen Produkte stellenweise nur wenig miteinander gemeinsam. Damit die Entkopplungsmatte auch tatsächlich ihrer Funktion gerecht wird, muss sie vier Eigenschaften besitzen:

  • Elastizität
  • dichte Oberfläche
  • raue Struktur
  • unverrottbar

Manche Hersteller bieten netzartige Gummimatten als Entkopplungsmatten an. Diese sind aber weder wasserdicht, noch stellen sie eine tatsächlich wirksame Entkopplung zwischen Untergrund und Fliesenbelag her. Vließmatten sind häufig ebenfalls nicht wasserdicht. Eine wirklich wirksame Entkopplungsmatte bietet die beschriebenen Eigenschaften. Darauf sollte man beim Kauf achten.

Entkopplungsmatten verlegen

Um Entkopplungsmatten richtig zu verlegen braucht man folgendes Material:

  • Maßband oder Zollstock (ca. 5 Euro)
  • Ausreichend Entkopplungsmatten für die vollflächige Verlegung im Raum (ca. 10 Euro pro qm)
  • Randstreifen (ca. 15 Euro pro 10-Meter-Rolle)
  • Fliesenkleber (ca. 5 Euro)
  • Cutter (ca. 5 Euro)
  • Zahnspachtel 3 Millimeter mindestens, besser 4 Millimeter Zahnung (ca. 12 Euro)
  • Eimer (ca. 5 Euro)
  • Quirl (ca. 5 Euro + Bohrmaschine 150 Euro)
  • Matten-Andruckrolle (6-200 Euro)
  • Dichtbänder (ca. 1,50 Euro pro Meter)

1. Vorbereitung

Der Raum muss sauber und der Boden eben sein. Es dürfen keine Unebenheiten herausstehen. Bis 4 Millimeter Tiefe können Löcher im Boden mit Fliesenkleber zu gespachtelt werden. Der gesamte Boden darf aber nicht lösbar sein. Lose Stellen müssen zunächst mit einem Hammer abgeklopft und neu verspachtelt werden. Anschließend wird der Raum gekehrt und feucht durchgewischt, so dass kein loser Staub mehr aufliegt. Ein angefeuchteter Boden ist für die Haftung des Fliesenklebers zuträglich.

2. Matten ausmessen und Randstreifen anbringen

Die Matten werden vor der Verlegung ausgemessen und exakt zugeschnitten. Da die Matten sehr teuer sind, sollte hier mit größter Sorgfalt vorgegangen werden. Trockenes Vorlegen schafft die notwendige Sicherheit. Bei komplizierten Grundrissen des Raums hilft es, die Matten durchzunummerieren und sich einen Verlegeplan anzufertigen. Der Randstreifen wird anschließend ringsum an der Wand angeheftet. Es genügt, den Randstreifen alle 20 cm mit kleinen Nägeln zu befestigen. Die Fixierung erfolgt später beim Auftragen des Fliesenklebers.

Randstreifen anbringen

3. Fliesenkleber auftragen und Matte einlegen

Der Fliesenkleber wird gemäß Verarbeitungsvorschriften, wie sie auf der Packung zu finden sind, mit Eimer und Quirl angerührt. Es ist sehr wichtig, den Kleber nur schrittweise anzurühren und zu verarbeiten. Fliesenkleber bindet sehr schnell ab. Wenn aufgetragener Fliesenkleber bereits eine Haut gebildet hat, ist er unbrauchbar und muss wieder entfernt werden.

Der frisch angerührte Fliesenkleber wird mit Maurerkelle und Zahnspachtel aufgetragen und die Matte möglichst schnell eingelegt. Die Matte muss unmittelbar nach dem Einlegen fest in den Fliesenkleber eingedrückt werden. Eine Tapeten-Andruckrolle für 6 Euro ist für diese Arbeit möglich, jedoch sehr knapp bemessen. Besser sind hoch feste Andrückroller für Dachdecker. Diese haben eine besonders robuste Konstruktion und eine schwere Metallrolle. Dachpappen-Andrückroller kosten ab ca. 35 Euro. Ideal sind für diesen Zweck allerdings die DITRA-Andruckrollen. Sie haben den Vorteil, dass sie einem Stiel ausgestattet sind und man somit stehend bzw. gehend arbeiten kann. Außerdem haben diese Spezial-Andrückroller eine Haltevorrichtung für Zementsäcke. Die Andruckrolle kann mit bis zu 35 kg belastet werden. Das garantiert ein gutes Ergebnis. Der Roller ist sehr breit, was die Arbeit effizienter macht als mit einem schmalen Handroller. Leider ist der DITRA-Andruckroller mit über 200 Euro sehr teuer.

Entkopplungsmatte verlegen

Es lohnt sich, bei entsprechenden Fachbetrieben nachzufragen, ob man das Gerät eventuell mieten kann. Beim Verarbeiten einer großen, gefliesten Fläche sollte über diese Investition nachgedacht werden. Der DITA-Andruckroller erleichtert die Arbeit enorm.

Damit die Entkopplungsmatten auch wirklich fest mit dem Untergrund verankert sind, sollte die Verbindung überprüft werden. Dazu zieht man die Matte einfach an einer Ecke wieder ein Stück ab. Wenn das Vließ vollständig benetzt ist, war die Verlegung korrekt. Sind jedoch große Flächen unbenetzt, war der Fliesenkleber schon zu weit abgebunden. Der Dünnbettmörtel muss in diesem Fall wieder entfernt und neu aufgetragen werden. Die hohlraumfreie Verlegung der Entkopplungsmatte ist besonders wichtig, wenn der Fliesenbelag im Außenbereich aufgebaut werden soll. Hohlräume unter den Fliesen führen zur Bildung von Wasserlinsen, die beim Durchfrieren den Belag wieder aufsprengen.

4. Matten versiegeln

Damit die Unterschicht des Fliesenbelags wirklich wasserdicht ist, müssen nach dem Einbau der Entkopplungsmatten die Stöße versiegelt werden. Dazu werden Dichtbänder eingesetzt. Sie werden mittig über die Stöße am Rand entlang mit den Randstreifen verklebt. Für die Randverklebung faltet man die Dichtbänder einmal längs in der Mitte. Dies erleichtert das Verkleben in der Ecke.

Entkopplungsmatten versiegeln

Die Dichtbänder werden mit Dünnbettmörtel verklebt und mit der Andruckrolle fest aufgepresst. Wenn diese Arbeit erledigt ist, lässt man den Belag mindestens drei Stunden ruhen. Ideal ist eine Ruhezeit von 24 Stunden. So können die Entkopplungsmatten beim Betreten nicht mehr verrutschen.

5. Fliesenbelag aufbauen

Vor dem Verlegen der Fliesen wird der Randstreifen mit dem Cutter abgeschnitten. Das überstehende Material kann ohne weiteres im nächsten Raum verwendet werden.
Die Entkopplungsmatten bilden nun den Untergrund für den Fliesenbelag. Auch hier wird mit dem Zahnspachtel schrittweise, idealerweise Fliese für Fliese, der Haftgrund vorbereitet. Wie bei dem Einbau der Entkopplungsmatten, sollte die Haftung der Bodenfliesen kontrolliert werden. Nur ein satter, vollflächiger Auftrag der Fliese garantiert eine dauerhafte Verbindung zum Boden. Wenn die Fliesen eingebaut sind, lässt man sie wieder einen bis zwei Tage ruhen, damit sie sich fest mit dem Untergrund verbinden. Danach kann der Fliesenbelag mit Fugenmörtel verfugt werden. Trotz der Entkopplung ist es bei großen Räumen und großen Fliesen sinnvoll, alle 3-6 Meter eine Dehnungsfuge einzubauen. Auch am Seitenrand wird die geflieste Fläche mit Silikon verfugt. Damit sind sämtliche Gefahren von Rissen und Ablösungen durch Spannungsaufbau ausgeschlossen.

Entsorgung

Eine Gesetzesnovelle hat die Entsorgung von Styropor sehr erschwert. Es ist deshalb dringend empfohlen, nur Entkopplungsmatten zu verwenden, die unbedenklich zu entsorgen bzw. deponiefähig sind. Die Quittungen und Datenblätter der verwendeten Baumaterialien sollten deshalb unbedingt aufbewahrt werden, um im Fall eines Rück- oder Umbaus die notwendigen Nachweise liefern zu können.

Tipps für Schnellleser

  • Entkopplungsmatten vorsorglich mit einplanen
  • Bei Fußbodenheizungen kann auf eine zusätzliche Entkopplung verzichtet werden.
  • Untergründe nicht nur entkoppeln, sondern gleich wasserdicht machen
  • Andruckroller großzügig bemessen
  • Kleber immer nur stück- und abschnittsweise auftragen
  • Bei Hautbildung den Dünnbettmörtel entfernen und frisch auftragen
  • Qualität der Verbindungen prüfen
  • Entkopplungsmatten einen Tag ruhen lassen
  • Fliesenbelag vor dem Verfugen zwei Tage ruhen lassen
  • Trotz Entkopplung Dehnfugen einbauen


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