Drehmomentschlüssel kalibrieren: wie Sie ihn richtig einstellen

Drehmomentschlüssel kalibrieren

Ein Drehmomentschlüssel gehört zur Ausstattung des KFZ-Mechanikers sowie des Bastlers, der gerne Modifikationen an seinem Fahrzeug vornimmt. Damit das Schraubwerkzeug seine Funktion genau ausführen kann, muss es in regelmäßigen Abständen kalibriert und vor der Nutzung auf das jeweilige Drehmoment eingestellt werden. Wird das falsche Drehmoment ausgewählt, werden die Schrauben zu stark oder zu lasch angezogen, was zu Problemen führen kann.

Im Maschinenbau und bei Reparaturen am Auto ist der Drehmomentschlüssel eines der wichtigsten Werkzeuge überhaupt. Es erlaubt das Anziehen von Schraubverbindungen in der benötigten Kraft, damit diese effektiv und sicher funktionieren. Wird die richtige Einstellung beim Schraubwerkzeug gewählt, sitzen die Schrauben und Muttern nicht zu fest oder schwach, was möglichem Verschleiß der Elemente entgegenwirkt. Zudem sitzen die Verbindungen sicher und stellen keine Gefahr bei hoher Belastung dar. Wenn Sie selbst über dieses Werkzeug verfügen, müssen Sie dieses regelmäßig kalibrieren lassen und wissen, wie Sie es vor der Nutzung auf das richtige Drehmoment einstellen.

Unterschied: kalibrieren oder einstellen?

Wichtig vor der Nutzung des Werkzeugs ist die Erklärung des Unterschieds zwischen der Kalibrierung und der Einstellung des Schlüssels.

Unter einer Kalibrierung wird die genaue Anpassung des Schlüssels unter der Beachtung der ISO-Norm 6789, „Handbetätigte Drehmoment-Schraubwerkzeuge“, verstanden. Diese garantiert, dass das Schraubwerkzeug in allen Einstellungen richtig auslöst und somit sicher und effektiv arbeitet. Aus diesem Grund ist eine Kalibrierung bei einer KFZ-Werkstatt nur über entsprechende Messgeräte möglich, da eine Eigenkalibrierung bis zu mehr als zehn Prozent abweichen kann.

Das Einstellen des Drehmomentschlüssels dagegen beschreibt die Auswahl des benötigten Anzugsdrehmoments für die jeweilige Schraube und kann problemlos von Ihnen selbst ausgeführt werden. Das Einstellen des Drehmomentschlüssels wird in der weiter unten folgenden Anleitung detailliert beschrieben, da die notwendige Feinkalibrierung auf jeden Fall einem Fachmann überlassen werden sollte.

Tipp: für viele Privatanwender ist eine Kalibrierung des Werkzeugs bei einer Werkstatt häufig sehr günstig, da diese erst nach mehreren Jahren erfolgen muss und nicht teurer als 50 Euro pro Werkzeug ist. Eine Kalibrierung wird erst nach etwa 5.000 Anwendungen benötigt, was in der Heimwerkstatt eine Zeit lang dauern kann und somit nicht wirklich den Geldbeutel belastet.

Überblick: Messwerte

Bevor Sie den Drehmomentschlüssel auf das benötigte Drehmoment einstellen können, müssen Sie sich über die einzelnen Messwerte im Klaren sein. Diese definieren die Einstellmöglichkeiten, damit die Schrauben mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden können. Die Werte im Detail:

1. Normalgewinde in M: das Normalgewinde in M beschreibt Schrauben mit einem metrischen ISO-Gewinde, die zu den am häufigsten verwendeten Schraubentypen in Europa gehören. Die Zahl, zum Beispiel M8, beschreibt den Außendurchmesser der Schraube. Bei Normalgewinden kommen im Auto und bei Fahrrädern vor allem die Typen M4 bis M36 zum Einsatz. Der Schraubentyp ist die Grundlage für die Einstellung des Drehmomentschlüssels, da dieser die anderen Messwerte bestimmt. Vor der Einstellung müssen Sie also überprüfen, um welchen Typ es sich handelt.

Metrisches ISO-Gewinde (M)

2. Feingewinde in M: das Feingewinde in M wird auf die gleiche Weise wie das Normalgewinde betrachtet. Da bei diesen Schrauben und Mutter der Durchmesser gleich, jedoch das Gewindeprofil enger ist, finden sich dieselben Typen zur Bestimmung des Drehmoments. Die typischen Größen der Feingewinde reichen von M8 bis M22.

3. Fertigungsklasse: unter der Fertigungsklasse wird die mögliche Streckgrenze der Schrauben und Muttern beschrieben. Diese ermöglicht in Kombination mit dem Gewindetyp die Bestimmung des Anzugsdrehmoments. Für jede Fertigungsklasse in Kombination mit einem Schraubentyp gibt es nämlich ein unterschiedliches Anzugsdrehmoment. So wird für ein M16 Normalgewinde in der Fertigungsklasse 8.8 (eine der häufigsten Fertigungsklassen) ein Anzugsdrehmoment von 210 Nm ermittelt. Sie können die Fertigungsklasse direkt vom Schraubenkopf oder der Mutter ablesen, da dieser dort verzeichnet ist. Die typischen Fertigungsklassen wie folgt:

  • 5.6
  • 8.8
  • 10.9
  • 12.9

4. Anzugsdrehmoment in Nm: das Anzugsdrehmoment, gemessen in Newtonmetern, beschreibt das spezifische Drehmoment, welches zum Anziehen der einzelnen Komponenten genutzt wird. Diese Drehwirkung muss genau abgestimmt sein, damit die Verbindung nicht zu fest oder schwach sitzt, was am Ende zu Problemen, vor allem Unfällen bei Fahrzeugen, führen könnte. Dieser Wert wird am Ende benötigt, um den Drehmomentschlüssel einzustellen.

5. Steigung: unter der Steigung wird noch einmal definiert, ob es sich um ein Normal- oder Feingewinde handelt. Bei Feingewinden ist die Steigung äußerst eng bemessen und so findet sich bei vielen Typen die gleiche Steigung. Zum Beispiel haben die Schrauben von M12 bis M22 alle eine Steigung von 1,5 mm, während bei einem Normalgewinde die Gewinde von M12 bis M22 eine Steigung zwischen 1,75 mm und 2,5 mm aufweisen, also deutlich höher.

Drehmomentschlüssel einstellen

Die genannten Werte lassen sich problemlos nutzen, um den passenden Drehmoment für den Drehmomentschlüssel zu finden. Ein Beispiel zur Ermittlung des Drehmoments:

  • die zu lösende Schraube ist eine M18 mit der Fertigungsklasse 10.9
  • bei der Schraube handelt es sich um ein Normalgewinde
  • Sie ermitteln nun über den Schraubentyp, das Gewinde und die Fertigungsklasse den benötigten Drehmoment
  • für diese Werte wird ein Drehmoment von 430 Nm benötigt

Diese Form der Ermittlung wenden Sie bei allen Schrauben und Muttern an. Mehr Werte benötigen Sie nicht, was das Ermitteln des Drehmoments ungemein erleichtert. Nun können Sie den Drehmomentschlüssel einstellen und verwenden.

Tipp: die einzelnen Steigungen und Fertigungsklassen der Schrauben und Muttern zur Bestimmung des Drehmoments können Sie passenden Tabellen entnehmen. Dort sind die einzelnen Werte aufgelistet und können problemlos angewandt werden.

Drehmomentschlüssel einstellen: Anleitung

Nachdem Sie das Drehmoment für die Schrauben an Ihrem Fahrzeug oder Fahrrad herausgefunden haben, können Sie nun den Schlüssel einstellen, um die Schrauben entsprechend zu lösen oder anzuziehen. Das Einzige, was Sie dafür benötigen, ist natürlich ein Drehmomentschlüssel. Drehmomentschlüssel arbeiten im Prinzip alle gleich, egal in welchen Ausmaßen sie vorhanden sind. Sie verfügen am Ende über einen Drehgriff, der mit einer Sicherung ausgestattet ist, damit sich während der Arbeit das eingestellte Drehmoment nicht verändert. Ebenso findet sich eine Skala zum Einstellen. Nur ganz selten gibt es Produkte, die auf einen Drehmoment eingestellt sind und sich nicht einstellen lassen. Gehen Sie beim Einstellen wie folgt vor:

1. Schritt: Zuerst öffnen Sie die Verriegelung. Diese wird je nach Modell über eine Schiebemuffe oder eine Schraube geöffnet, was kaum Kraft verlangt. Bei dieser Muffe handelt es sich um die Sicherung, die oben beschrieben wurde und die Sicherheit während des Arbeitens deutlich erhöht.

2. Schritt: Für die Anleitung wird der oben ermittelte Wert von 430 Nm für die M18-Schraube mit der Fertigungsklasse 10.9 verwendet. Drehen Sie den Griff im Uhrzeigersinn, bis die obere Kante zwischen zwei Markierungen liegt, die am nahsten an dem Wert liegen. Bei den meisten Drehmomentschlüsseln findet sich der Drehmoment von 430 Nm zwischen 420 und 460. Verwendet wird hierbei immer der nächstniedrigere Wert, in diesem Fall die 420 Nm.

3. Schritt: Nun kommt es zur Feineinstellung. Hier drehen Sie vorsichtig im Uhrzeigersinn weiter, die bis Zahl auf dem Griff mit dem benötigten Wert übereinstimmt. Um von der Markierung „420“ auf einen Drehmoment von 430 Nm zu gelangen, müssen Sie also so lange drehen, bis auf dem Griff eine 10 erscheint.

Drehmomentschlüssel einstellen

4. Schritt: Schließen Sie die Verriegelung des Drehmomentschlüssels. Nun ist das Werkzeug eingestellt und kann genutzt werden.

5. Schritt: Nach der Nutzung stellen Sie den Drehmomentschlüssel wieder auf den Nullwert zurück, damit das Werkzeug nicht beschädigt wird.

Tipp: Sie fragen sich, ob Sie den Drehomentschlüssel zum Öffnen von Schraubverbindungen nutzen können? Das ist kein Problem, solange die Einstellung im maximalen Drehmomentbereich des Werkzeugs liegt, damit es nicht beschädigt wird oder die Schraube abbricht, was vor allem bei verrosteten oder festsitzenden Schrauben der Fall sein kann.

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