Alte Dispersionsfarbe, also herkömmliche Wandfarbe, lässt sich nicht unbegrenzt häufig überstreichen. Sind bereits mehrere Schichten auf der Wand aufgetragen worden, sollte vor dem nächsten Anstrich die Dispersionsfarbe clever entfernt werden. Wie Sie die Farbe wieder entfernen können und anschließend richtig entsorgen, zeigen wir Ihnen hier im Überblick.

Es gibt ganz unterschiedliche Wege, um die alte Wandfarbe zu entfernen. Welche dabei für Ihre Zwecke die passende Methode ist, hängt von der Stärke der Farbschicht und von der anschließenden Neugestaltung der Wände ab. Nicht immer muss die komplette Wandfarbe entfernt werden, oft reicht es aus, die oberen Schichten zu beseitigen. Wollen Sie die Wände jedoch völlig neu und ökologisch mit einer Naturfarbe gestalten, ist es häufig notwendig, die Wand durchlässig zu gestalten. Daher müssen die Rückstände der kunststoffhaltigen Farbe in dem Fall völlig entfernt werden, damit die Wände wieder atmen können.

Das benötigen Sie:

  • Spachtel, Flächenspachtel
  • Multifunktionstool / oszillierende Vibrationssäge
  • Stachelrolle / Nagelroller
  • Dampfreiniger
  • Kompressor
  • Druckluftspachtel
  • Winkelschleifer
  • Quast
  • Bürste
  • Eimer
  • Folie / Malervlies
  • Malerkrepp
  • Spülmittel
  • Wasser
  • Essig
  • Spezialabbeizer

Tapezieren oder Streichen

Die alte Wandfarbe muss nicht zwangsläufig entfernt werden, wenn anschließend nur tapeziert werden soll. Dann müssen Sie allerdings prüfen, ob die Farbe fest und tragfähig ist. Zu dicke Schichten sollten Sie auch dann zumindest teilweise entfernen und in erster Linie glätten. Sind viele Schichten alter Farbe auf der Wand, wird sie leicht uneben und löst sich eventuell durch die Feuchtigkeit im Kleister in einzelnen großen Flecken ab. Dann wäre die Katastrophe komplett und Sie müssten nicht nur die Farbe entfernen, sondern auch noch die bereits geklebten Bahnen der Tapete wieder abnehmen und entsorgen.

Wandfarbe entfernen

Einige der Naturfarben hatten bisher das Problem der Haftfähigkeit auf der alten Wandfarbe, sie perlten teilweise ab. Wollen Sie also später eine derartige Farbe auftragen, sollten Sie die Wand zusätzlich auch noch gründlich mit einer groben Bürste waschen, nachdem die Farbe entfernt wurde. So wird die Putzschicht wieder durchlässig und diffusionsoffen, damit die Naturfarbe frei atmen kann. Der Feuchtigkeitsausgleich des Raumes soll dadurch verbessert werden und Schimmelprobleme treten seltener auf.

Es gibt zahlreiche Methoden, um die dicken Schichten von alter Wandfarbe wieder zu entfernen. Über die Jahrzehnte hat sich allerdings auch an den Rezepten der Dispersionsfarben vieles geändert. Wenn dann noch berücksichtigt wird, dass oft völlig unterschiedliche Rezepturen die verschiedenen Lagen auf einer alten Wand bilden können, ist klar, dass nicht jede Methode zum Ziel führt. Hier zeigen wir Ihnen die unterschiedlichen Möglichkeiten.

Dispersionsfarbe clever entfernen

  1. Mit einem Spachtel oder dem Multitool mit Spachtelaufsatz
  2. Heißes Wasser mit Spülmittel oder Dampfreiniger
  3. Chemischer Abbeizer für Dispersionsfarbe
  4. Abschleifen der alten Farbe

Schutz-2Tipp: Decken Sie den Boden gut ab. Wenn Sie mit Feuchtigkeit arbeiten müssen, sollten Sie unbedingt Folie auslegen. Selbst wenn am Boden lediglich nackter Estrich ist, wird hier doch viel Feuchtigkeit und alte Wandfarbe aufgesaugt. Dann müssen Sie anschließend noch den Boden reinigen und wochenlang lüften, um die Feuchtigkeit aus dem Raum zu bekommen.

Spachtel oder Multitool

Bei älteren Häusern ist es teilweise sehr deutlich, wie häufig die verschiedenen Bewohner über die Jahrzehnte mit unterschiedlichen Farben experimentiert haben. Klopfen Sie mit dem Holzstiel des Spachtels einmal auf die Wand und Sie werden an vielen Stellen bemerken, dass sich hinter der Farbe regelrecht Hohlräume gebildet haben. Bei diesen Fällen haben Sie natürlich Glück, denn einfacher wird es nicht, die Farbe zu entfernen. An einer dieser Hohlstellen hacken Sie mit dem Spachtel in die Farbschichten und schieben ihn direkt darunter. So lassen sich meist große Platten Farbe lösen.abklopfen

  • Wand abklopfen, um hohle Stellen zu orten
  • an hohler Stelle mit dem Spachtel einhacken
  • lose Farbe mit dem Spachtel abnehmen
  • feste Bereiche mit Multitool und Spachtelaufsatz abkratzen

Geht es an einigen festen Stellen später nicht mehr so einfach, können Sie ein Multitool mit Spachtelaufsatz verwenden. Gerade wenn Sie eine Wand mit dicken Farbschichten reinigen wollen, hilft der zitternde Spachtel Ihnen sehr bei der Arbeit.

Tipp: Das Multitool, auch als oszillierende Vibrationssäge oder Zittersäge bekannt, wird inzwischen von vielen Herstellern angeboten. Sie können diesen praktischen Helfer für unzählige Anwendungen nutzen, besonders wenn Sie bereits beim Kauf darauf achten, dass verschiedene Aufsätze im Set enthalten sind. Um die Farbe von der Wand zu kratzen, ist ein breiter Spachtelaufsatz erforderlich.

Dampf und heißes Wasser

Die Bindemittel in der Wandfarbe sind in den meisten Fällen auch nach Jahren noch wasserlöslich. Das ist der Grund, warum dicke Farbschichten unbedingt entfernt werden müssen, denn jeder neue Anstrich enthält wieder sehr viel Feuchtigkeit, durch die die Farbschichten angelöst werden. Der Vorteil ist jedoch, dass viele dieser alten Farbschichten ebenfalls durch Wasser und Dampf oder eine Spülmittellösung angelöst werden können. Dazu sollten Sie aber die Farbschichten etwas öffnen, damit der Dampf und die Feuchtigkeit eindringen können. Das erledigen Sie mit einer Stachelrolle, einem Nagelroller, einer Spachtel oder einer Drahtbürste. Dann kann die Feuchtigkeit unter die Farbschichten laufen und dort die Bindung auflösen. Nun können Sie die Schichten mit einem Quast mit einer Spülmittellösung einweichen oder mit einem Dampfreiniger einfeuchten, wie Sie ihn auch für den Boden verwenden.

Da die Methode mit Dampf oder heißem Wasser, den meisten Erfolg verspricht und sehr einfach anzuwenden ist, hier ein kleiner Überblick über die einzelnen Schritte:

  • Boden gut abdecken und Elektrik schützen
  • mit der Nagelrolle die Farbschichten aufbrechen
  • Wasser mit Spülmittel oder Dampf auf die Wand sprühen
  • Feuchtigkeit etwas einwirken lassen
  • mit dem Flächenspachtel die Farbe einfach abnehmen

Mit dem Dampfreiniger sollten Sie allerdings nur bei geöffneten Fenstern arbeiten, denn der Raum wird schnell zur Sauna. Außerdem sollten die Steckdosen und Lichtschalter mit Folie und Malerkrepp abgeklebt werden, damit Sie mit dem Dampf nicht die Elektrik im ganzen Haus beschädigen. Wenn die Farbschichten gut eingeweicht sind, können Sie meist sogar mit einem sehr breiten Flächenspachtel die Farbe von der Wand nehmen. So haben Sie später zudem weniger Unebenheiten und Schrammen, wie sie durch schmale Spachtel entstehen können.Schritte

Tipp: Einige Heimwerker schwören beim Einweichen auf einen Tapetenlöser statt des Spülmittels im Wasser. Dieser wirkt auf mehreren Schichten Wandfarbe im Prinzip ganz ähnlich wie auf der Tapete und muss ebenfalls einen Moment einweichen. Probieren Sie ruhig zunächst das Spülmittel und sollte das nicht funktionieren, kann der Tapetenlöser bei Ihrer Farbe vielleicht Wunder wirken.

Wenn Sie einen Kompressor besitzen, gibt es auch für diesen einen Druckluftspachtel, der noch wirksamer als das Multitool arbeitet. Tragen Sie bei der Arbeit aber einen Gehörschutz, da der lange dauerhafte Lärm, so direkt im gleichen Raum, sonst dauerhafte Gehörschäden verursachen kann.

Tipp: Alle Möglichkeiten, die Farbschichten mit Feuchtigkeit zu entfernen, können Sie nur auf Putz oder Stein anwenden. Auf Holz sollten Sie diese Varianten nicht einsetzen, denn die Feuchtigkeit würde das Holz aufquellen lassen. Dadurch zieht eine Dispersionsfarbe sogar noch tiefer in das Holz ein. In diesem Fall ist nur die weiter unten beschriebene Schleifmethode möglich, um die Farbe zu entfernen.

Abbeizer für Dispersionsfarbe

Wenn bekannt ist, welche Dispersion da ganz genau an der Wand sitzt, kann es in den Baumärkten einen speziellen Abbeizer geben, der genau wie bei einer Lackfarbe die Schichten anlöst. Leider riecht auch dieser Abbeizer ähnlich stark und sollte ausschließlich mit Mundschutz und geöffneten Fenstern verarbeitet werden. Sollte die Farbe tatsächlich mit einem derartigen Mittel entfernt werden, muss die gesamte Masse anschließend aber beim Sondermüll entsorgt werden.
HolzverkleidungIm Grunde haben wir diese Variante nur der Vollständigkeit halber aufgeführt, denn wenn Sie nicht wirklich sicher wissen, um welche Farbe es sich genau handelt, wird dieser Chemiecocktail oft noch nicht einmal funktionieren.

Schleifen und schmirgeln

Handwerker empfehlen spezielle Sandstrahlgeräte, um die Farbe von dem Putz zu lösen. Doch als Heimwerker ist zum einen kaum ein derartiges Gerät zu bekommen und zum anderen könnten Sie viel zu viel von dem Putz mit beschädigen, als dass sich diese Methode tatsächlich lohnen könnte.

SchutzWenn Sie die mechanische Variante bevorzugen, weil die Farbe vielleicht mit einer Holzvertäfelung eine bleibende Verbindung eingegangen ist, dann können Sie mit einem Exzenterschleifer oder einem Winkelschleifer mit der entsprechenden Scheibe relativ schnell vorankommen. Allerdings sollten Sie dazu wieder einen Mundschutz tragen, denn die Staubentwicklung ist enorm. Darum sollten Sie diese Methode auch nur nutzen, wenn der Raum vollständig leer geräumt ist. Gerade in technische Geräte, wie Fernseher oder Musikanlage, dringt der Staub ein und beschädigt sie auf Dauer. Für den Winkelschleifer gibt es ebenfalls eine Drahtbürste als Aufsatz, die bei dicken Farbschichten einiges bewirkt. Prüfen Sie aber, ob der Untergrund die Schrammen der Drahtbürste verträgt.

  • Industriesauger an den Exzenterschleifer anschließen, um den Staub zu minimieren
  • Exzenterschleifer immer erst langsam anlaufen lassen
  • Schleifer unten an der Wand ansetzen, Fehler sieht man hier weniger
  • Geschwindigkeit erst nach und nach erhöhen
  • gerade aufsetzen, sonst entstehen Schleifringe

Entsorgen von Dispersionsfarbe

Eine der beliebten Fehlinformationen zum Entsorgen von Dispersionsfarbe ist die Sondermüllfrage. Da in einer Dispersion die Farbe fein verteilt in der Flüssigkeit ist, kommt das Produkt meist mit rein organischen Lösemitteln aus. Daneben sind Bindemittel und Kunststoffdispersionen die üblichen Hauptbestandteile. Chemische Lösemittel oder Formaldehyd sind nur in bestimmten Farben und in einer verschwindend geringen Dosis enthalten. Unter anderem darum dürfen diese Farben auf ihren Behältern den Blauen Umweltengel tragen. Dispersionsfarbe ist nicht grundsätzlich Sondermüll, denn ist die Farbe einmal eingetrocknet, kann sie mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden. Entleerte Behälter von Wandfarbe können sogar über den gelben Sack entsorgt werden. Daraus folgt, dass Sie auch die eingetrockneten Pinsel und Farbrollen im normalen Hausmüll entsorgen können.Entsorgung

Flüssige Farbreste können Sie entweder einfach eintrocknen lassen oder zum Schadstoffmobil bringen. Aber die Abfallberater empfehlen das Eintrocknen der Reste, da die Entsorgung für die Gemeinden über die Schadstoffsammelstellen teuer und aufwendig ist. Viele Abfallberater schlagen daher die Sandmethode vor. Dazu öffnen Sie den Behälter und mischen ein wenig Sand in die Farbe. Dann lassen Sie den Farbeimer einfach austrocknen.

Abgekratzte Farbe entsorgen

Auch hier gilt: Einfach trocknen lassen, dann kann die Dispersionsfarbe, die Sie von der Wand gekratzt haben, ganz normal in den Hausmüll. Sollten in den entsprechenden Wandfarben irgendwann einmal Lösungsmittel gewesen sein, sind diese nun garantiert ausgedunstet, daher ist eine Entsorgung über den Sondermüll nicht notwendig.

Tipps für Schnellleser

  • Lose Farbe mit Spachtel abkratzen
  • Multitool mit Spachtelaufsatz hilft kratzen
  • mit Nagelroller die Schichten aufbrechen
  • Dispersionsfarbe einweichen mit Spülmittel und Wasser
  • Dampfreiniger zum Anlösen der Farbschichten
  • eventuell Flächenspachtel für angelöste Farbe
  • Kompressor mit Spachtelaufsatz gegen angelöste Farbschichten
  • trockene Farbe über Hausmüll entsorgen
  • leere Farbbehälter in den gelben Sack geben
  • flüssige Farbe zum Sondermüll bringen oder flüssige Farbe eintrocknen lassen
  • Abbeizer mit Farbresten muss zum Sondermüll

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