Sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung von Altbauten kommen Bauherren unweigerlich nicht an Dampfsperren vorbei, um die Dämmung des Hauses vor Feuchtigkeit zu schützen. Schnell stellt sich die Frage: Was ist besser? Dampfbremse oder doch lieber Dampfsperre? Obwohl der Namensunterschied recht klein ist, sind die Unterschiede zwischen Dampfbremse und Dampfsperre recht groß. Damit die Dämmung und die Bausubstanz nicht geschädigt werden, sollte der Bauherr die Unterschiede kennen.

Zusätzlich zur normalen Dampfentwicklung im Raum durch zum Beispiel Kochen, Duschen, Baden oder auch durch Pflanzen, produziert ein 3 – 4 Personenhaushalt pro Tag ca. 10 – 15 Liter Wasserdampf, den er durch das Atmen an die Luft abgibt. Die Luft nimmt dabei den Wasserdampf, den sie mit sich führt, bei jeder Luftbewegung durch das Haus mit. Aber nicht nur hier, Luft diffundiert auch durch das Mauerwerk und gibt dabei teilweise ihre Feuchtigkeit an die Bausubstanz des Hauses ab. Um zu verhindern, dass zu viel Nässe an die Bausubstanz und speziell die Dämmung abgegeben wird und es zu Feuchtigkeitsschäden, Schimmel oder verminderter Dämmwirkung kommt, sind Dampfbremsen oder Dampfsperren zu verwenden.

Der Unterschied

Von einer Dampfbremse redet man, wenn der Sd-Wert eines Werkstoffs zwischen 0,5 Meter und 1.500 Meter liegt. Man spricht davon, dass der Werkstoff dampfdiffusionshemmend ist.

Von einer Dampfsperre redet man, wenn der Sd-Wert eines Werkstoffs größer oder gleich 1.500 Meter ist. Man spricht davon, dass der Werkstoff dampfdiffusionsdicht ist.

Dampfsperre und Dampfbremse - Der Unterschied
Dampfsperre und Dampfbremse – Der Unterschied

Der eigentliche Unterschied zwischen Dampfbremse und Dampfsperre ist im Namen enthalten. Während die Dampfbremse die Feuchtigkeit in geringen Mengen hindurchdiffundieren lässt, lässt die Dampfsperre überhaupt keine Feuchtigkeit hindurch, man spricht von einer absoluten Dampfdichtigkeit.

Wichtig sei an dieser Stelle angemerkt, dass bei der Benennung Vorsicht geboten ist. Umgangssprachlich hat sich das Wort Dampfsperre sowohl für Dampfbremse als auch für Dampfsperre etabliert.

Im Zusammenhang von Dampfbremse und Dampfsperre spricht man auch vom Sd-Wert (Diffusionswiderstandzahl). Der Wert ist ein virtueller Wert. Er gibt an, wie lange Wasserdampf für die Durchdringung eines luftdichten Bauteils braucht. Es gilt: Umso höher der Wert, umso länger braucht der Wasserdampf durch die Sperre. Die Dicke der Sperre richtet sich nach der Dämmung und nach den umgebenden Baumaterialien. Die Einheit des Wertes ist Meter.

Beispiel: Eine 10 cm dicke Polystyrolplatte hat einen Sd-Wert von ca. 50 x 0,10 m = 5 m.

Demnach braucht Wasserdampf für die Durchdringung einer 10 cm dicken Polystyrolplatte genauso lange wie durch die Durchdringung von 5 m Luft.

Dampfbremse oder Dampfsperre?

Um die Dämmung vor übergroßen Mengen an Feuchtigkeit zu schützen, sind viele Bauherren schnell bereit eine gute Dampfsperre in ihrem Haus einzubauen, was jedoch ein fataler Fehler sein kann. Immer wieder kommt es gerade wegen Dampfsperren zu großen Feuchtigkeitsschäden am Haus. Der Grund ist zumeist eine schlecht angebrachte Dampfsperre. Hauptfehler sind hierbei vor allem schlecht abgedichtete Übergänge zwischen den Folienplanen, undichte Übergänge, kleine Risse oder Löcher durch Bohrungen, das Anbringen von Steckdosen etc.

Ein kleiner Schaden genügt und an der Undichtigkeit kommt es zu einer lokalen Feuchtigkeitsansammlung. Der Wasserdampf staut sich damit, kondensiert und durchnässt die Dämmung sowie die restliche Bausubstanz. Da die Folie drumherum zu 100 % dicht ist, ist ein Trocknen nicht möglich, Schimmel und ein Verlust der Dämmwirkung sind das Ergebnis.

Prinzip und Probleme der Dampfsperre
Prinzip und Problem der Dampfsperre

Aber nicht nur durch diese Fehler kann es zu Feuchtigkeitsschäden kommen. Auch die Bauteile des Hauses selbst enthalten bereits Wasser. Ziegel können Wasser aufnehmen und speichern. Dachlatten können vor dem Einbau zwar getrocknet worden sein, doch ein Regenguss genügt und schon haben sie auch wieder etwas Wasser in sich. Hier und da etwas Wasser in den Bauteilen summiert sich und Feuchtigkeitsschäden sind das Ergebnis.

Aus diesem Grund wird in der Baupraxis beinahe gänzlich auf Dampfsperren verzichtet und die Dampfbremse bevorzugt verbaut. Dampfsperren sind nur noch dort zwingend zu nutzen, wo eine statische Feuchtigkeit auftreten kann. Statische Feuchtigkeit bedeutet dabei, dass Feuchtigkeit immer nur von einer Seite in ein Bauteil eindringen möchte. Dies tritt aber im Eigenheim nicht auf, sondern ist nur bei Dampfbädern und Kühlhäusern der Fall.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Schutz der Dämmung vor Nässe
  • Heizkostenersparnis

Nachteile:

  • bei ungenügender Lüftung Schimmel im Haus
  • bei nicht fachgerechter Montage entstehen Wasseransammlungen, die die Bausubstanz und die Dämmung schädigen

Selbstregulierende Dampfbremsen

Haben normale Dampfsperren und Dampfbremsen nur einen Sd-Wert, der immer gilt, gibt es seit einigen Jahren auch intelligente Dampfbremsen, welche in der Lage sind, die Diffusion von Wasserdampf zu beeinflussen und sowohl die Eigenschaften von Dampfsperren als auch von Dampfbremsen besitzen. Je nach Jahreszeit und vorherrschender Luftfeuchtigkeit verändert die Sperre ihren Sd-Wert. Somit wirkt die selbstregulierende Dampfbremse im Winter wie eine Dampfsperre, die nur geringe Mengen Feuchtigkeit hindurchlässt und im Sommer diffusionsoffen ist. Damit kann im Winter angesammelte Feuchtigkeit wieder entweichen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn geeignete Dämmung genutzt wird, die dampfdurchlässig ist.

Luftdichtheit überprüfen

Schon kleinste Löcher können in der Sperre, wie schon erklärt, verheerende Auswirkungen auf die Bausubstanz haben. Aus diesem Grund wird bei Häusern, die eine Dampfsperre bzw. Dampfbremse besitzen und eine luftdichte Gebäudehülle haben ein Luftdichtigkeitstest durchgeführt, das sogenannte Blower-Door-Messverfahren.

Bei diesem Messverfahren werden sämtliche Fenster und Haustüren geschlossen. Innentüren bleiben alle geöffnet. Dunstabzugshauben, Schlüssellöcher und andere Öffnungen an denen Luft herein oder heraus kann, werden zugeklebt. In eine Tür oder einem Fenster des Haues wird danach ein Blower-Door-Ventilator installiert.

Mithilfe des Ventilators wird kontinuierlich Luft aus dem Gebäude gezogen, bis ein Unterdruck von 50 Pascal erreicht wird. Anschließend wird im Haus ein Überdruck von 50 Pascal aufgebaut. Die Werte des Messverfahrens werden dabei vom Blower-Door-Computer aufgezeichnet. Wären Undichtigkeiten vorhanden, würde auf der einen Seite kein Unterdruck von 50 Pascal gehalten werden können, da Luft ins Haus nachströmt. Auf der anderen Seite könnte kein Überdruck von 50 Pascal aufgebaut werden, da die Luft aus dem Haus entweichen würde. Der Mittelwert der Unterdruck und Überdruckmessung wird vom Blower-Door-Computer ermittelt und zeigt an, ob die Gebäudehülle nach der EnEV (Energieeinsparverordnung) abgedichtet ist und keine Undichtigkeit vorliegt.

Warum Dampfbremsen und Dampfsperren

Dampfsperren und Dampfbremsen werden vorrangig in Häusern eingebaut, da es die Energieeinsparverordnung vorschreibt. Sie verlangt eine luftdichte Gebäudehülle, um einen möglichst geringen Wärmedurchgang zu erreichen und die Dämmung vor Feuchtigkeit zu schützen.

Umweltverträglich
Energie sparen

Durch Wände und Dächer, die mit einer Dampfbremse oder Dampfsperre versehen wurden, kann kein bis wenig Wasserdampf mehr hindurch. Die Folge ist oft, dass die Feuchtigkeit, die durch die Dächer und Wände will in Wand- und Deckenkonstruktionen feststeckt. Passiert dies, ist ein Schimmelschaden nicht weit, zudem verliert eine feuchte Dämmung ihre Dämmwirkung.

Aus diesem Grund ist richtiges Lüften bei Häusern mit Dampfbremsen und Dampfsperren unerlässlich. Stoßlüften 2 bis 3 Mal am Tag ist hierbei ratsam, bei Neubauten 3 bis 5 Mal. Dabei werden mehrere Fenster im Haus für 10 – 15 Minuten komplett geöffnet (nicht angekippt). Dabei gilt: umso mehr Personen im Haushalt leben, umso länger und öfter muss gelüftet werden.

Ein Irrglaube ist übrigens die Ansicht, dass man im Winter bei Nebel, Schnee oder Regen nicht lüften kann, da die Luft von außen zu feucht wäre. Die Luft im Freien ist zwar feucht, trocknet jedoch durch die Wärme der Wohnräume sehr schnell und nimmt auf ihrem Weg durch die Wohnung Feuchtigkeit wieder mit nach draußen.

Kann man ein regelmäßiges Lüften nicht gewährleisten, ist im Haus über eine kontrollierte Wohnraumlüftung nach zu denken.

Tipps für Schnellleser

  • Dampfsperren bzw. Dampfbremsen schützen die Dämmung vor Feuchtigkeit
  • Feuchtigkeit in der Dämmung minimiert die Dämmeigenschaften
  • Dampfsperren verhindern, dass Wasserdampf durch die Sperre diffundiert
  • Dampfbremsen lassen Wasserdampf in geringen Mengen langsam durch die Sperre
  • Der Wert ist ein virtueller Wert der angibt, wie lange Wasserdampf für die Durchdringung eines luftdichten Bauteils braucht
  • Dampfsperren haben einen Sd-Wert größer oder gleich 1.500 Meter
  • Dampfbremsen haben einen Sd-Wert zwischen 0,5 und 1.500 Meter
  • Die Dicke der Sperre bzw. der Sd-Wert richtet sich nach den umgebenen Materialien der Wand
  • Bei luftdichten Gebäudehüllen ein Blower-Door-Messverfahren durchführen
  • Dampfsperren werden kaum noch verwendet
  • Falsch angebrachte Dampfsperren können schwere Bau- und Feuchtigkeitsschäden verursachen

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