Applikationen nähen

Sie sind Hobbynäher/in und wollten schon immer gern wissen, wie man eine Applikation nähen kann? Wir zeigen Ihnen in dieser Anleitung zum Applizieren, wie Sie ein selbst entworfenes Schnittmuster kreieren und auf Stoff bringen.

Applizieren leicht und verständlich erklärt

Es gibt doch nichts wertvolleres, als etwas, das man mit viel Geduld und Liebe selbst gemacht hat. Gerade bei Baby- und Kinderbekleidung und den zugehörigen Accessoires kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und zauberhafte Unikate schaffen. Das letzte i-Tüpfelchen kann in so einem Fall eine selbst entworfene Applikation sein. Wie man so etwas macht möchte ich Ihnen heute in diesem Tutorial zeigen.

Applikationen sind – je nach ausgewähltem Motiv – auch für Anfänger geeignet und außerdem eine weitere wunderbare Gelegenheit zur sinnvollen Resteverwertung. Wenn dies Ihre erste Applikation wird empfiehlt es sich vorab auf einem Stoffrest verschiedene Stiche auszuprobieren, damit sie später mit dem Ergebnis zufrieden sind. Für den Erstversuch bieten sich auch einfachere Motive oder fertig gekaufte Applikationen an, welche nur im Umriss aufgenäht werden.

Schwierigkeitsgrad 1-5/5
(je nach gewähltem Motiv auch für Anfänger geeignet)
Materialkosten 1/5
(je nach Stoffauswahl zwischen EUR 0,- aus der Resteverwertung und EUR 30,-)
Zeitaufwand 1-5/5
(inkl. Schnittmuster je nach Motiv variabel)

Materialauswahl

Jerseystoff

Für eine Applikation können Sie jede Art von Stoff wählen, der zu Ihrem gewünschten Motiv passt. So ist beispielsweise für eine Teddybär-Applikation auch Plüschstoff denkbar.

Tipp: Wenn der Hauptstoff sehr dünn ist, sollten Sie aber vor allem bei mehrlagigen Applikationen oder bei solchen mit dickeren Stoffen zusätzlich mit Stickvlies arbeiten, damit sich der Unterstoff nicht verzieht und Falten schlägt.

Stoffe, die leicht ausfransen unterlegen Sie am besten bereits vor dem Zuschnitt mit Bügelvlies. Bei Jerseystoffen ist dies zwar nicht zwingend nötig, unterstützt aber bei der Formgebung. Zusätzlich können für Verzierungen auch noch Knöpfe, Strassteine und andere besondere Kleinigkeiten ganz nach Belieben angebracht werden. Ich fertige zumeist vorab das Motiv an und wähle dann aus meinem Fundus passende Stoffe und Zubehörteile aus. Dies kann sich oft auch während des Applizierens ergeben.

Materialmenge und das Schnittmuster

Die Materialmenge ist selbstverständlich vom Motiv abhängig. Das Schnittmuster kann ganz individuell selbst erstellt werden. Vom einfachen Quadrat bis zu aufwändigen Kompositionen bleibt alles Ihnen überlassen. Ich möchte eine Applikation auf einen Jerseystoff aufbringen, den ich später weiterverarbeiten möchte. Ich habe diesbezüglich noch keine genauen Vorstellungen – ob T-Shirt, Jacke oder Kleidchen, es wird sich ein passender Schnitt finden. Das Motiv allerdings spukt mir schon länger im Kopf herum und ich habe es einfach einmal aufgezeichnet. Danach habe ich alle Teile, welche aus unterschiedlichen Stoffen bestehen, ausgeschnitten (wobei das Kleidchen in der Mitte nachträglich noch einmal unterteilt wurde).

Applikationsschnittmuster

Tipp: Legen Sie die ausgeschnittenen Vorlagen auf den Stoffen auf und probieren Sie, ob sie passen. Eventuell muss auch ein Muster auf dem Stoff berücksichtigt werden.

Applizieren

Anleitung: Applizieren

Schnittmuster aufzeichnen

Im nächsten Schritt habe ich bei allen Stoffen an der Rückseite Bügelvlies angebracht. Nun lege ich meine Schnitt-Teile auf der rechten (der „schönen“) Stoffseite auf und zeichne mir den Umriss mit Schneiderkreide an.

Tipp: Beim Gesicht, dem Hals und dem Arm schneide ich etwas großzügiger zu, damit die anderen Stoffe dann etwas überlappen können. Das macht ein schöneres Endbild. Ich zeichne mir auch gleich die Position der Augen und des Mundes an.

Applizieren lernen

Den Rockteil des Kleides möchte ich gerne in 3D-Optik gestalten, daher scheide ich seitlich etwas großzügiger zu und lasse die Aussparungen für die Haare meines Mädchens weg. Ober- und Unterkante schneide ich knapp ab. Bei den Beinen verlängere ich um ein paar Zentimeter nach oben, da diese unter den Rockteil kommen, der unten offen bleibt. Alle anderen Schnitteile werden ohne „Nahtzugabe“, also direkt am Schnittmuster zugeschnitten. Beim Rockteil nähe ich an der Unterseite von hinten noch zwei Streifen Tüll in Weiß und Violett an – ein kleines süßes Extra für mein Mädchenmotiv.

Applizieren

Nähen

Nun platziere ich mit Hilfe meiner Vorlagen zuerst die Schichten, die ganz zuunterst liegen sollen, in meinem Fall Kopf, Hals und Arm. Diese bügle ich mit doppelseitigem Bügelvlies auf, damit beim Nähen nichts verrutschen kann. Wenn Sie schon geübt sind, können Sie Ihre Applikations-Stücke auch mit Stecknadeln fixieren. Einfacher ist es jedoch mit Vlies.

Tipp: Ich habe etwas mit verschiedenen Stichen experimentiert. Erlaubt ist prinzipiell, was gefällt, sofern der zu applizierende Stoff mit dem Unterstoff verbunden wird. Viele empfehlen für Applikationen einfachen Geradstich oder einen kurzen Zick-Zack-Stich. Ich habe mich hier aber für einen Zierstich entschieden. Mit der Maschine erfordert das Applizieren etwas Übung, dafür werden die Nähte schön gleichmäßig und es geht wesentlich schneller als von Hand.

So sehen nun die ersten applizierten Motivteile auf meinem Stoff aus. Im nächsten Schritt habe ich das Oberteil appliziert und nun folgt mein 3D-Rock: Dazu lege ich die obere Kante so in Falten, dass sie rechts und links am Oberteil abschließt. Die seitlichen Kanten stecke ich entlang meines Grundmotivs fest, sodass im Rock Falten entstehen. Hier nähe ich nur an den Seiten und an der Oberkante entlang. Der untere Rockteil mit dem Tüll bleibt offen, da ich ja noch die Beine darunterlegen möchte. Diese werden wieder mit Vlies fixiert und angenäht. Zusätzlich habe ich mich spontan entschieden, ein violettes Satinband anzubringen, da mir der Übergang von Ober- und Unterteil nicht gefällt.

Applikationen nähen

Applikationen nähenJetzt fehlen nur noch die Haare, welche ich ebenso mit Vlies fixiere und aufnähe. Beim Rockteil achte ich dabei auf die Faltenlegung. Zum Schluss werden noch Augen und Mund aufgestickt – dies habe ich von Hand gemacht.

Bevor ich mit der Dekoration fortfahre, bügle ich noch einmal vorsichtig über das ganze Motiv.

Zur Dekoration

Wie Sie bereits auf meiner Skizze gesehen haben, möchte ich meinem Mädchen eine Blume in die Haare stecken. Dazu könnte ich nun einfach ein Blumenschnittmuster erstellen und dies genauso wie alle anderen Teile applizieren. Ich wünsche mir aber etwas Besonderes und möchte noch einen weiteren 3D-Effekt einbauen, daher werde ich eine Blume nähen und im Anschluss aufnähen.

Dazu benötige ich fünf Stoffkreise, welche ich mir auf den Stoff aufzeichne und ausschneide. Als Vorlage benutze ich dafür die Deckelklappe eines Klebestiftes. Die fertige Blume wird in etwa die gleiche Größe haben. Nun falte ich die Kreise jeweils mittig und bügle Sie fest. Dann hefte ich die Rundung mit einem Faden ab (das Anfangsstück kann etwas länger sein oder gut vernäht werden), ziehe an meinem Faden und bekomme schon eine Vorstellung davon, wie meine Blüte aussehen wird.

Applikationen nähen

Darauf folgen direkt die anderen Blütenblätter, bis alle fünf verarbeitet sind. Zum Schluss schiebe ich alles gut zusammen und verknote die Enden. Meine Blume ist fertig. Da nun in der Mitte ein recht großes Loch durch die Nahtzugabe entstanden ist, verdecke ich dieses mit einem passenden Knopf aus meinem Fundus.Hier sehen Sie auch noch einmal den Größenvergleich zur Vorlage. Jetzt wird die Blume mit dem Knopf nur noch auf meine Applikation genäht und mein Wunschmotiv ist fertig!

Applikationen nähen

Applikationen nähenVariationen

Wenn Sie eine glückliche Besitzerin eines Schneideplotters sind, können Sie natürlich Ihre Applikation auch vom Plotter professionell zuschneiden lassen. Denken Sie aber beim Erstellen des Motivs in der Datei daran, dass auch hier gerade bei den hautfarbenen Stoffteilen eine leichte Überlappung entstehen sollte und dass die Beine höher geschnitten werden müssen, da man ja unter dem Rock ein paar Millimeter mehr sehen kann.

Schnellanleitung

1. Motiv und Schnittmuster erstellen und zuschneiden
2. Motivteile auf nach und nach fixieren und applizieren
3. Verzierungen erstellen und anbringen
4. Bügeln
5. Weitervernähen
6. Und fertig!

Die Zwirnpiratin

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT