Liste 20 alte Tomatensorten – und warum man sie anbauen sollte

Alte Tomatensorten

Alte Tomatensorten anbauen, das ist mehr als ein Trend. Für viele Tomatenfans ist es eine Passion. Grün bis purpur, miniklein bis gigantisch, sehen sie nicht nur eindrucksvoll aus, sondern bieten auch geschmacklich ein breites Spektrum. Für das Gewerbe scheinen sie nicht rentabel genug, warum lohnt es sich für Hobbygärtner? Welche alten Sorten sind am besten geeignet?

Die Tomaten kommen aus Südamerika. Als sie im 15. Jahrhundert nach Europa kamen, lag die Sortenvielfalt noch im dreistelligen Zahlenbereich. Das änderte sich schnell. Heute werden allein im Sortenregister ca. 3.800 Tomatensorten geführt. Interessant sind jedoch die unzähligen alten Tomatensorten, die dort nicht aufgelistet sind. Ihr Überleben hängt vom Einsatz engagierter Amateure ab.

Was spricht für die Kultur alter Sorten?

Das obergeordnete Stichwort dürfte „Diversity“, Artenvielfalt sein. Egal ob es um Tiere oder Pflanzen geht, die Welt als Biotop ist nur überlebensfähig, wenn es möglichst viele unterschiedliche Arten gibt. Weitere Vorteile von alten Tomatensorten:

  • sortenecht (dadurch auf Dauer auch preisgünstig)
  • Geschmacksvielfalt
  • meist dünnere Haut
  • robuste, resistente Pflanzen (Klima, Krankheiten)
  • seltene Tomatensorten (Sammler, Liebhaber)
  • viele unterschiedliche Formen und Farben

Alte Tomatensorten

Auswahl

Was sind denn nun alte Tomatensorten, historische Tomaten oder Wildtomaten? Da gibt es keine scharf abgegrenzte, einheitliche Definition. Aber alle F1-Hybrid-Sorten (nicht saatgutfest, aus zwei Sorten gezüchtet oder hergestellt) gehören nicht dazu. Die alten Tomatensorten sind sortenecht.

An den ersten historischen Wildtomaten hätten wir heute nur wenig Freude. Zumindest, wenn es über eine reine Liebhaberei hinaus auch um Geschmack und ordentliche Erträge gehen soll. Sehr kleine Früchte, ein hoher Solaningehalt, dünnhäutig und sonnenverwöhnt, so könnte man die Eigenschaften der ersten Tomaten zusammenfassen. Kaum in Europa angekommen, entstand schnell eine riesige Sortenvielfalt. Sie wurden auf intensive Aromen gezüchtet und an das europäische Klima angepasst.

Die meisten dieser alten Tomatensorten stehen nicht im Sortenregister und dürfen nicht offiziell gehandelt werden. Doch viele Liebhaber und Schützer der Artenvielfalt sorgten und sorgen dafür, dass das Angebot nicht auf die kommerziellen Sorten beschränkt bleibt. Als „Sammelobjekte“ und Zierpflanzen dürfen sie vertrieben werden und privat wird eifrig getauscht und verschenkt. Unsere Auswahl zeigt alte Tomatensorten, die sich durch eine besonders reizvolle Optik und ein intensives Aroma auszeichnen. Sie alle gelten als vergleichsweise robuste und resistente Tomatenpflanzen.

Alte Tomatensorten

Russische Reisetomate

Oder auch Zehenreisetomate. Sie zählt zu den Stabtomaten. Die Früchte sind stark eingekerbt und die einzelnen „Zehen“ kann man je nach Bedarf abbrechen. Auf einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Beispiel. Es ist eine Rarität unter den alten Sorten. Sie ist auch resistent gegen Kraut- und Braunfäule.

Tipp: Die Tomaten werden nach ihrem Wachstum eingeteilt in Stabtomaten, mit unbegrenztem Wachstum und Buschtomaten, mit begrenztem Wachstum. Stabtomaten müssen regelmäßig ausgegeizt werden und sind in der Regel ertragreicher als Buschtomaten.

Schwarze Krim

Diese Fleischtomate ist in Frankreich sehr beliebt. Die Früchte sind lila-braun, dick und zum Aufschneiden als Salattomate bestens geeignet. Die Pflanzen dieser Stabtomaten werden bis zu 1, 80 m hoch und müssen regelmäßig ausgegeizt werden. Aufgrund ihres süßen Aromas und ihrer Optik wird sie auch Schokotomate genannt.

Nonna Antonina

Aus Italien, genauer Piemont, stammt diese flachrunde, große Fleischtomate. Die Samen werden nur unter Liebhabern getauscht oder verschenkt. Die roten Früchte können locker über 500 Gramm auf die Waage bringen. Sie reifen nach ungefähr 60 Tagen. Das Verhältnis von Süße und Säure ist sehr ausgewogen.

San Marzano

Diese ursprünglich aus Peru stammende Fleischtomate ist länglich geformt. In Italien, Kampanien wird sie seit 1770 angebaut. Sie lässt sich wunderbar verarbeiten, denn sie enthält nicht so viel Flüssigkeit und hat ein intensives, mediterranes Aroma. Sie ist eine robuste Sorte und resistent gegen die meisten bekannten Tomatenkrankheiten.

Ochsenherz

Die Ochsenherz-Tomate, auch Cuore di bue genannt, hat es als dicke, aromatische Fleischtomate bereits bis in die Regale einiger Supermärkte geschafft. Sie ist saftarm und läuft, zusammen mit Büffelmozzarella und Basilikum, zur Hochform auf. Die Ochsenherztomate ist stark gerippt und ein Schwergewicht unter den Tomaten. Sie kann noch grün geerntet werden und reift rasch nach.

Ochsenherz
Ochsenherz

Berner Rose

Eine alte Tomatensorte aus der Schweiz. Diese runde, glatte Stabtomate trägt viele, rosarote, ungefähr sechs Zentimeter große Früchte. Dabei gilt sie als recht kälteresistent. Die Berner Rose ist besonders zart und dünnschalig. Roh gegessen, ist sie ausgewogen süß und zergeht auf der Zunge.

Black Plum

Dunkelrot bis fast schwarz sind die Früchte der Black Plum, eine typische Datteltomate. In der Kultur zeigt sie sich sehr robust. Sie schmecken fruchtig und würzig. Der Ertrag ist groß, denn sie reifen früh und können lange geerntet werden.

Tipp: Für die Tomaten konnte man sich bisher noch auf keine weitere einheitliche, botanische Einteilung einigen. So werden sie allgemein in unterschiedlichen Typen, je nach Wuchsform, Fruchtform, nach der Erntezeit oder ihrer Verwendung eingeteilt.

Horn der Anden

Diese große Flaschentomate wird auch gelegentlich als Andentomate bezeichnet. Sie sieht fast aus wie eine Spitzpaprika. Sie besitzt nur wenige Kerne und schmeckt intensiv fruchtig. Diese Stabtomate kann bis zu zwei Meter hoch wachsen. Sie gilt als sehr gesund und ertragreich. Von der Pasta bis zum Salat ist sie perfekt für die italienische Küche.

De Berao

Die De Baro Tomate ist mit ihren bis zu vier Metern Wuchshöhe eine Baumtomate. Sie ist perfekt für den Anbau im Freiland geeignet. Sie gilt als sehr robust und resistent gegen Kraut- und Braunfäule. Ihre großen, roten, ovalen Früchte, die leicht zur Mehligkeit tendieren, sind in der Küche bestens für Tomatensoßen und die Herstellung von Ketchup geeignet.

Tigerella

Der Name ist Programm, diese alte Sorte ist rot-orange gestreift und wird um die vier Zentimeter groß. Im Geschmack ist sie intensiv fruchtig und damit bestens zum rohen Verzehr geeignet. Die Tigerella zählt zu den gegen Kraut- und Braunfäule resistenten Sorten. Sie benötigt eine stützende Konstruktion und muss regelmäßig ausgegeizt werden.

Rote Murmel

Tatsächlich, wie kleine Murmeln sehen die Früchte dieser Wildtomaten aus. Ab Juli trägt sie zuverlässig sehr viele Früchte und wächst auch gut im Freiland. Sie ist einigermaßen resistent gegen Kraut- und Braunfäule. Zudem muss sie als Buschtomate nicht ausgegeizt werden, ist aber für eine Stütze dankbar.

Golden Current

Besonders hübsch anzuschauen ist diese ungewöhnliche Wildtomate. Die Früchte sind süß, gelb und gerade mal so groß wie Johannisbeeren. Also perfekt für einen Naschgarten geeignet. Für Pflegefaule eine gute Nachricht, man kann sie einfach wuchern lassen, sie muss nicht ausgegeizt werden. Zudem ist sie relativ unempfindlich gegen die gefürchtete Kraut- und Braunfäule.

Humboldii

Die Humbildii ist eine Kirschtomate, die sehr gut im Freiland kultiviert werden kann, denn mit Regen kommt diese robuste Tomatensorte sehr gut klar. Sie ist starkwüchsig und die süßen Früchte sind mit einem Durchmesser von drei Zentimetern recht groß.

Ida Gold

Diese Kirschtomate wurde extra auf eine Resistenz gegen die Kraut- und Braunfäule hin gezüchtet. Ihre leuchtend gelb-orangenen Früchte schmecken herrlich süß und fruchtig. Als Buschtomate muss sie nicht ausgegeizt werden. Die platzfesten Kirschtomaten können früh und lange geerntet werden.

White Wonder

Die White Wonder wird auch manchmal als Merveille Blanche geführt. Sie ist eine außergewöhnliche flach-runde, kleine Fleischtomate, denn sie ist cremeweiß. Sie stammt aus den USA. Das weiße Wunder besitzt nur wenig Säure, schmeckt mildfruchtig und süß. In der Küche ist sie zum Einkochen und Füllen sehr gut geeignet.

Big Rainbow

Die Big Rainbow ist eine flachrunde, leicht gerippte, große Fleischtomate mit saftiger Konsistenz und intensivem Aroma. Die Farbe liegt irgendwo zwischen rot und gelb changierend. Die Big Rainbow reift früh und ist recht kältetolerant. Ihre Haut ist dünn und platzfest. Die Pflanze wird, wie ihre Früchte auch, sehr groß und benötigt ausreichend Platz um sich herum.

Sub Arctic Plenty

Diese relativ kleinwüchsige Buschtomate ist eine Züchtung aus Grönland. Sie kommt mit kühlen und kurzen Sommern bestens zurecht. Sie bildet fruchtig-süße, kleine, rote Kirschtomaten aus. Mit ihrer kurzen Reifezeit zählt die Sub Arctic Plenty zu den „schnellsten“ Tomaten.

Blueberry

Mit ihrer violett-schwarzen Optik ist die mittelgroße, runde Blueberry eine ganz besondere Züchtung. Der Farbstoff Anthocyan sorgt für diese außergewöhnliche Farbe und dafür, dass sie auch als besonders gesund gilt. Sie sind süßsauer und besitzen ein intensives Aroma. Die Blueberry ist fürs Freiland und fürs Gewächshaus gleichermaßen geeignet, benötigt aber viel Sonne, damit ihre Farbe voll zur Geltung zu kommen.

Blue Berry
Blue Berry

Striped Roman

Eine leicht gelblich gestreifte rote Flaschentomate mit bis zu 12 cm langen Eierfrüchten. Die Striped Roman ist aromatisch, schnittfest und hat nur wenige Kerne. Sie bringt eine reiche Ernte. Striped Roman mag es warm und geschützt, an einer sonnigen Hauswand oder im Gewächshaus.

Grünes Zebra

Diese grün-gelblich gestreiften Tomaten zählen zu den Klassikern unter den alten Tomatensorten. Das Fruchtfleisch ist saftig, würzig und leuchtet in smaragdgrün. Obwohl sie reif immer noch grün ist, enthält sie kaum Solanin. Diese Stabtomate wird bis zu zwei Meter hoch und mag es gern recht warm.

Tipps für Schnellleser

  • alte Tomatensorten für mehr Vielfalt und Geschmack
  • viele Sorten sind auch für die Kübelkultur geeignet
  • die meisten alten Sorten werden nur als Samen angeboten
  • Bezug über kleine Anbieter im Internet, Tausch über entsprechende Foren
  • Auswahl nach Geschmack und gewünschten Verwendungszweck
  • viele Kraut- und Braunfäule resistente Pflanzen sind unter den alten Tomatensorten
  • Herkunftsland beachten (z. B. Sorten aus Russland, Sibirien sind kaltes Klima gewohnt)
  • Anfang März kann die Aussaat beginnen (geschützter Innenraum)
  • erst ab Mitte Mai ins Freiland setzen
  • alte Sorten eher dünnschalig, platzfest und Vorteil für den Verzehr
  • gegen Aufplatzen: bei Wetterwechsel weniger gießen, zur Beschattung nicht so viele Seitentriebe entfernen

Das war nur eine winzige Auswahl. Unüberschaubar viele, weitere alte Tomatensorten sind es wert, kultiviert zu werden. Darunter finden sich auch viele resistente und robuste Sorten. Überraschende Aromen, ungewöhnliche Farben und Formen belohnen die Mühe, die man zuweilen mit der Beschaffung der Samen haben kann.

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