Staplerschein machen – Infos & Kosten für den Staplerführerschein

Staplerschein machen

Der Staplerschein ist eine der schnellsten und preiswertesten Wege, eine berufliche Qualifikation zu erwerben. Bei einer Bewerbung kann er aber den entscheidenden Ausschlag für eine Zusage geben. Lesen Sie alles in diesem Ratgeber, was Sie über den Führerschein für Gabelstapler wissen müssen.

Unbedingt notwendig?

Was ein Unternehmer auf seinem Betriebsgelände zulässt, ist zunächst einmal seine eigene Verantwortung. Gabelstapler haben in der Regel keine Straßenzulassung. Wer mit den Flurförderzeugen fährt, muss der Unternehmer selbst entscheiden. Aus diesem Grund bieten viele Firmen keine allgemein gültige Ausbildung zum Führen eines Gabelstaplers an sondern setzen auf Inhouse-Schulungen oder kurze Einweisungen. Bei Palettenhubwagen und Ameisen kann dies noch nachvollziehbar sein. Empfohlen ist es in jedem Fall nicht: Nur eine nachgewiesene Schulung durch eine anerkannte Prüfstelle besteht für den Fahrer wie für den Unternehmer die maximale Rechtssicherheit.

Funktion

Ein Gabelstapler dient dazu, palettiertes Stückgut innerhalb des Werksgeländes von einem Unternehmen zu transportieren. Entnehmen von angelieferter Fracht, ihre Einlagerung, Versorgung von Produktionsstätten und Verladen des verpackten Endprodukts sind die Hauptaufgaben von Staplern. Durch diverse Anbaugeräte kann der Stapler in seiner Funktionalität erweitert werden. Dazu zählen beispielsweise Arbeitskörbe, mit denen Mitarbeiter an hoch gelegene Arbeitsstätten gehoben werden können. Ballenzangen werden in der Landwirtschaft zum Verladen von Stroh- und Heuballen verwendet. Der Zubehörhandel bietet auch Kehr- und Reinigungsgeräte zum Anbau an einen Stapler an. Das macht diese Geräte sehr vielseitig.

Europaletten

Aufbau

Unter der Bezeichnung „Stapler“ versteht man allgemein den „Gabelstapler“. Diese hatten ihren Ursprung bei umgebauten Traktoren. Ihr Heckheber wurde durch eine Palettenzange erweitert und der Fahrersitz herum gedreht – fertig war der erste Gabelstapler. An diesem Grundprinzip hat sich für normale Universal-Stapler bis heute nichts geändert. Die Normalkonfiguration von einem Stapler beinhaltet heute:

  • Hydraulisch betriebenes Hubwerk an der Front
  • Große, starre Vorderräder
  • Kleine, lenkbare Hinterräder
  • Motor plus Gegengewicht am Heck

Aufbau: Stapler

Als technische Komponenten findet man in jedem Stapler:

  • Einen Antriebsmotor (wahlweise elektrisch, Diesel oder Gasantrieb)
  • Einen Generator für die Stromversorgung, hauptsächlich für die Signalanlage
  • Ein Hydraulik-Aggregat für die Arbeitswerkzeuge

Der Hubmast

Dabei ist der Hubmast das zentrale Werkzeug, mit dem der Stapler seine Arbeit verrichten kann. Der Hubmast hat folgende Funktionen:

  • Kippbarkeit in einem Winkel von ca. 15° aus dem Lot
  • Hub des Werkzeugträgers
  • Optional: Drehen des Werkzeugträgers
  • Optional: Hydraulische Verstellung der Zinkenbreite am Werkzeugträger

Der Hubmast ist kippbar ausgelegt, Lasten besser aufnehmen und ggf. auch Schüttgut-Container bedienen zu können. Hier sind die Hubmasten mit drehbarem Werkzeugträger besonders gut geeignet.

Verschiedene Stapler-Arten

Aus den umgebauten Traktoren vor 70 Jahren ist heute eine riesige Auswahl an Universal- und Spezialstaplern entstanden. In der Grundkonfiguration sind Gabelstapler bereits in vielen verschiedenen Arbeitsgrößen zu finden. Die kleinsten Stapler dieser Art sind Universal-Elektrostapler. Sie haben nur ein Heckrad und sind dadurch besonders wendig. Die größten Stapler dieser Art findet man in der Schwerindustrie, besonders in Gießereien. Die dort eingesetzten Fahrzeuge können gewaltige Ausmaße annehmen. Darüber hinaus bieten die Hersteller eine enorme Bandbreite an Sondertypen dieser Fahrzeuge an. Vor allem die Lagerwirtschaft hat einen besonders hohen Bedarf an diversen Staplermodellen.

Heute gibt es:

  • Schubmaststapler: Kompakte Stapler ohne Heckgewicht
  • Kommissionierer: Stapler mit Hubwerk am Heck
  • Schmalgangstapler: Stapler mit einem Hubwerk, dessen Werkzeug um 90° verdreht ist
  • Niederhubwagen: Ameisen, die Lasten aufnehmen und transportieren aber nicht hoch heben können
  • Hochhubwagen: Ameisen mit Hubmast
  • Seitenstapler: Stapler mit seitlich angebrachtem Hubmast und großer Ladefläche. Ideal für Langgut
  • Mann-Oben-Stapler: Stapler, bei denen die Fahrerkabine zusammen mit dem Werkzeugträger angehoben wird
  • Teleskopstapler: Stapler mit einem teleskopierbaren Hubwerk

Es ist bereits anspruchsvoll genug eine Ausbildung zu etablieren, welche alle diese Staplertypen umfasst. Wer aber die Anforderungen zum Erwerb eines Staplerscheins mitbringt, für den ist die Ausbildung aber mit wenig Geld und zwei Tagen Einsatz erwerbbar.

Staplerschein

Auch wenn immer noch viele Betriebe auf Inhouse-Schulungen setzen, ist ein mitgebrachter Staplerschein von größten Vorteil.

Das Problem mit der innerbetrieblich erworbenen Fahrerlaubnis für einen Gabelstapler ist, dass sie nur innerhalb des Betriebs gültig ist. Sie ist nicht übertragbar. Ohne einen amtlich erworbenen Führerschein für Flurförderzeuge muss der Staplerschein in jedem Betrieb immer wieder neu erworben werden. Das kostet die Unternehmen viel Geld. Mit einem mitgebrachten Staplerschein und offiziellem Zertifikat kann ein Mitarbeiter sofort eingesetzt werden. Angesichts der niedrigen Kosten und der kurzen Ausbildungszeit ist ein Staplerschein daher einer der schnellsten und billigsten Wege, in eine feste Anstellung zu kommen.

Eckdaten

Um einen Staplerschein machen zu können, sind vor allem gesundheitliche Aspekte wichtig. Als Mindestalter ist zum Führen eines Flurförderzeugs 18 Jahre angesetzt. Beim Einsatz von jüngeren Fahrern kann sich ein Betrieb strafbar machen.

Ein PKW-Führerschein ist entgegen der landläufigen Meinung zum Erwerb des Staplerscheins nicht notwendig. Es kann im begrenzten Umfang hilfreich sein, um schneller ein allgemeines Gefühl für das Fahrzeug zu entwickeln. Grundsätzlich ist der PKW Führerschein für den Staplerschein aber nicht notwendig.

Wo aber keine Kompromisse gemacht werden, sind die gesundheitlichen Voraussetzungen. Neben der allgemeinen Konstitution wird größter Wert auf die einwandfreie Sehfähigkeit gelegt. Das Tragen einer Brille ist dabei unproblematisch. Jedoch muss der Aspirant einen Sehtest bestehen, der mit dem für den Erwerb eines PKW-Führerscheins vergleichbar ist. Außerdem gehört zur ärztlichen Untersuchung auch ein Hörtest. Die Kosten belaufen sich für diese Voruntersuchung auf ca. 30 – 80 Euro.

Die eigentliche Schulung dauert zwei Tage. Die Inhalte sind:

  • Aufbau eines Gabelstaplers
  • Sicherer Umgang mit dem Gabelstapler
  • Übungsfahrten
  • Anweisungen für den Notfall

Viele Institute geben auch detaillierte Auskünfte über die Kosten eines Staplers und seiner einzelnen Komponenten. Auch wenn diese Fahrzeuge allgegenwärtig sind, stellen sie immer einen hohen Wert dar der entsprechend pfleglich behandelt werden muss.

Der Fokus liegt aber auf dem sicheren Umgang mit dem Stapler. Ein Gabelstapler kann zwar nur maximal 25 km/h fahren. Das reicht aber aus, um schwere Schäden an der Umgebung und Personen zu verursachen. Ein Stapler verhält sich vollkommen anders als ein PKW. Zum einem wird er am Heck gelenkt. Das macht ihn zwar auf engem Raum sehr wendig. Kurvenfahrten bei höherer Geschwindigkeit machen den Stapler aber schnell instabil. Das liegt auch daran, weil der Stapler einen recht hohen Schwerpunkt hat. Hier ist die aufgeladene Last am Hubmast ein besonders kritischer Faktor: Je höher die Last gehoben wird, desto instabiler wird der Stapler während der Fahrt. Beim Bremsen kann der Stapler so schon umfallen oder nach vorne über kippen.

Besonders problematisch an einem Stapler ist seine schlechte Rundumsicht. Nach vorne ist die Sicht durch den Hubmast und durch die aufgeladene Last versperrt. Darum fährt ein beladener Stapler meist rückwärts. Dann muss der Fahrer aber immer aufpassen, dass die aufgeladene Last nicht irgendwo hängen bleibt. Die Last muss immer im Auge behalten werden. Besonders Langmaterial, das nicht auf Paletten fixiert ist, neigt leicht dazu, von den Zinken zu rutschen.

Der Umgang mit einem Stapler muss deshalb intensiv geübt werden. Die Schäden, die durch einen unsachgemäßen Umgang mit einem Gabelstapler entstehen, können schnell in die Millionenbeträge gehen.

Notfallmaßnahmen

Ein Stapler hat immer die Tendenz zum Umkippen, wenn er zu schnell um eine Kurve fährt. Die Staplerschule klärt auch in diesem Fall auf, wie man sich richtig zu verhalten hat. Tatsächlich ist es so, dass die meisten ungelernten Staplerfahrer aus diesem Grund zu Schaden kommen: Sie verhalten sich bei einem Umsturz ihres Fahrzeugs falsch. Der Trick, einen Sturz von einem Stapler so unbeschadet wie möglich zu überstehen besteht darin, sich festzuhalten und mit dem Fahrzeug umzukippen. Die vorgeschriebenen Überrollkäfige sind an Staplern so robust ausgelegt, dass die Fahrgastzelle intakt bleibt. Mehrfache Überschläge wie bei einem Auto-Stunt sind bei einem Stapler nicht zu erwarten. Ungelernte Fahrer versuchen aber häufig, während des Kippens aus dem Stapler zu springen und werden dabei vom Überrollbügel verletzt oder schlimmeres.

Tägliche Checks

In der Staplerschule lernt man außerdem die Grundlagen über die tägliche Wartung eines Staplers. Viele Unternehmen schreiben diese auch vor und machen einen Fahrer persönlich dafür haftbar, wenn das Fahrzeug aufgrund ausbleibender Kontrollen ausfällt. Dazu gehört die tägliche Kontrolle des Ölstands, des Hydrauliksystems und des Kühlwassers. Ein Leck an einem Ventil oder einem Schlauch kann schnell einen ganzen Betrieb lahm legen. Ein ausgefallener Stapler ebenso, vor allem wenn nur wenige Fahrzeuge in einem Betrieb im Einsatz sind. In der Schwerindustrie ist die permanente Betriebsbereitschaft aller Fahrzeuge besonders wichtig. Ein Hochofen kann niemals still gelegt werden. Wenn das Equipment ausfällt, sind Millionenschäden für den Betrieb sehr schnell die Folge.

Das offizielle Schulungsvideo für Staplerfahrer

Die Kosten im Überblick

Die Kosten für einen Staplerschein sind zusammen gefasst:

  • 30 – 80 Euro für die ärztliche Voruntersuchung
  • 130 – 150 Euro für die zweitägige Schulung inklusive Prüfungsgebühr
  • ca. 20 Euro für das Ausstellen des Führerscheins

Euro-Zeichen

Der Führerschein für den Gabelstapler kann außerdem im normalen PKW-Führerschein eingetragen werden. Dafür fallen aber zusätzliche Kosten an.

Sinnvolles Upgrade: Der Kranschein

Neben dem Staplerschein bieten die Institute auch einen Führerschein zum Betreiben von Kränen an. Spätestens wenn der Kran mit einer eigenen Kanzel bedient wird, ist ein solcher Kranschein notwendig. Viele Institute bieten hierzu bereits kombinierte Ausbildungen an, in denen beide Kenntnisse gleichzeitig erworben werden können. In jedem Fall ist für den Erwerb des Kranscheins kein zusätzliches ärztliches Attest notwendig. Bereits aus diesem Grund lohnt es sich, beide Ausbildungen gleichzeitig zu absolvieren.

Die Kosten und die Lerninhalte für den Erwerb des Kranscheins sind ähnlich hoch zu denen des Staplerscheins. Mit maximal 200 Euro ist man dabei und hat ein zusätzliches, wertvolles Zertifikat für die nächste Bewerbung.

Sonderfall: Teleskoplader

Obwohl ein Teleskoplader auch zum Verladen von palettiertem Stückgut eingesetzt werden kann, gilt er nicht als Flurförderzeug. Ein Teleskopstapler wird als Baustellenfahrzeug eingestuft. Der Erwerb eines speziellen Führerscheins für Teleskopstapler ist noch nicht vollständig verpflichtend. Seit April 2016 ist aber eine entsprechende Vorschrift mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft getreten.

Um einen Teleskopstapler sicher bewegen zu können, ist der Erwerb des Baufahrzeug-Führerscheins, allgemein gesprochen den „Baggerschein“, empfohlen. Die Institute und auch die Hersteller bieten hierzu Schulungen an, die sich nur auf den Teleskoplader beziehen. Praktischer und nur unwesentlich teurer ist der komplette Baumaschinen-Führerschein. Dieser umfasst den Teleskoplader ebenso wie den Radlader oder den Bagger. Die Schulung dauert fünf Tage und berechtigt zum Führen aller Baufahrzeuge, einschließlich der Teleskoplader. Allerdings hat der „Große Baumaschinen-Führerschein“ seinen Preis: Mit ca. 1000 Euro muss man zum Erwerb dieses Zertifikats rechnen. Der Gabelstapler-Führerschein ist im offiziellen „Führerschein der Klasse L“ mit enthalten. Die 200 Euro Gebühr für den „kleinen Stapler-Schein“ kann man sich somit sparen.
Betrachtet man sich aber die Kosten für den Erwerb eines Führerscheins, der nur für Teleskopstapler gilt, dann relativiert sich dieser Preis wieder: Für Neueinsteiger auf dieser Technik werden bis zu 540 Euro an Gebühren veranschlagt. Hier ist es wirklich eine Überlegung wert, gleich den allgemein gültigen Führerschein zu machen. Qualifikationen kann man nie genug haben.

Qualifikation als Schlüssel zum beruflichen Erfolg

Der Staplerschein ist einer der schnellsten und billigsten Wege, um an eine erwerbstaugliche Qualifikation zu kommen. Dieses kleine und preiswerte Zertifikat kann als Türöffner fungieren. Besonders interessant ist, dass es sich gut erweitern und ausbauen lässt: Mit einem Kran- und Baggerschein erhält man sinnvolle Ergänzungen, welche die eigenen Jobchancen zusätzlich um ein Vielfaches steigern können.

Tipps für Schnellleser

  • Kosten für einen Staplerschein: Ca. 200 Euro
  • Kosten für einen Baggerschein: Ca.: 1000 Euro
  • Der Baggerschein (Klasse L) berechtigt auch zum Führen eines Gabelstaplers
  • Für den Teleskopstapler ist ein Baggerschein notwendig


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