Spachteltechnik – Anleitung für eine individuelle Wandgestaltung

Spachteltechnik

Die Wandgestaltung ist eine der ältesten Formen menschlicher Dekoration. Schon bei den Steinzeitmenschen finden sich die Höhlenmalereien und über die Jahrtausende wurden zahlreiche Techniken und Gegenstände entwickelt, mit denen die Wände auf verschiedene Weise ansprechend in Szene gesetzt werden können. Eine der ältesten Formen ist die sogenannte Spachteltechnik, bei der Spachtelmasse auf die Wand aufgetragen und anschließend dekorativ bearbeitet wird.

Sie wollen Ihrem Wohnzimmer einen frischen Stil verpassen, doch klassische Farbe ist zu langweilig? Die Spachteltechnik bietet sich für diesen Grund bestens an, denn bei dieser wird nicht nur Wandfarbe aufgetragen, sondern die Struktur der Oberfläche verändert. Das sorgt je nach angewandter Technik und Farbkombination für einen einzigartigen Stil, der sich ansprechend ins Wohnambiente integrieren lässt und für einen komplett anderen Charakter als herkömmliche Wandfarbe sorgt. Häufig wirkt diese Form des Spachtelns schwieriger als es eigentlich ist, weil das Endergebnis äußerst kunstvoll und elegant wirkt. Das ist es, was die Technik gleichzeitig so beliebt macht.

Spachteltechnik

Was ist die Spachteltechnik?

Diese spezielle Form der Wandveredelung ist nicht unbedingt jedem bekannt. Im Trockenbau wird das Spachteln zur Ausbesserung der Oberfläche einer Wand oder Decke genutzt und ermöglicht nach dem Auftragen von Tief- oder Haftgrund das Streichen oder Tapezieren. Die Oberfläche wird dadurch gerade und sorgt für eine effektive Unterlage. Bei speziellen Spachteltechniken dagegen kann mit der Spachtelmasse die Oberfläche so gestaltet werden, dass sie künstlerisch im Raum wirkt. Ein gutes Beispiel ist das Spachteln nach dem Prinzip von „Stucco lustro“. Beim „Stucco lustro“ werden mehrere Schichten Putz dünn aufgetragen und anschließend glatt poliert, damit eine glänzende Oberfläche entsteht. Mit der Spachteltechnik lassen sich ähnliche Effekte erzeugen, zum Beispiel:

  • klassische, mediterrane Strukturen
  • moderne Strukturformen, vor allem mit langen Bahnen
  • fein- oder grobkörniger Edelputz
  • glatte Wände, ähnlich wie „Stucco lustro“: verfügen über einen Effekt, der Marmor ähnelt
  • marmorierte Technik: besonders schwierig umzusetzen, dafür sieht die Spachtelmasse Marmor zum Verwechseln ähnlich

Mit den Spachteltechniken lassen sich die unterschiedlichsten Designs in den Raum bringen, egal welche Ausmaße die Wand oder Decke hat. Dabei ist die Vorgehensweise jedoch immer dieselbe, auch wenn einige der Techniken mehr Zeit, Übung und Erfahrung benötigen. Vor allem die Marmor-Technik ist sehr schwer umzusetzen, da die natürlichen Linien des Marmors viel Kunstfertigkeit und ein gutes Auge benötigen, damit diese nicht künstlich wirken. Das macht aber den hohen Reiz der Spachteltechnik aus, da sie Farbe und Struktur vereint und dabei weder eine Raufasertapete, noch andere spezielle Tapeten benötigt werden. Für den Anfang bieten sich entweder die glatten Oberflächen oder Strukturen an.

Materialien und Werkzeug

Um die Technik umsetzen zu können, müssen Sie das passende Werkzeug und Material nutzen. Die folgende Liste gibt Aufschluss über die benötigen Utensilien:

  • Spachtelmasse: Grund- und Effektspachtel
  • rostfreier Spachtel
  • Schwamm
  • Sprühflasche
  • Tiefen- oder Mineralgrund (besser geeignet)
  • Tapetenkratzer, falls Tapete entfernt werden muss
  • Lammfellrolle (kurzflorig)
  • Malerfolie
  • Kreppband
  • Schale für die Spachtelmasse
  • Schleifpapier mit einer Körnung von 180 und 320 für den groben und 600 bis 1.200 für den feinen Schliff
  • Bürste
  • Spachtelkelle
  • Polyester-Farbpaste
  • Eimer für das Anmischen der Spachtelmasse
  • elektrisches betriebenes Handpoliergerät

Besonders wichtig ist natürlich die ausgewählte Spachtelmasse. Am besten eignen sich hierfür Dispersions-Spachtelmassen, auch bekannt als Fertigspachtel. Diese sind schon fertig angerührt und besonders einfach aufzutragen. Ein Nachteil ist die Farbe, denn sie sind ausschließlich in Weiß erhältlich. Wenn Sie eine oder mehrere Farben kombinieren wollen, sollten Sie eine klassische Spachtelmasse wählen, die noch angemischt werden muss und in diese Polyester-Farbpaste mischen. Dadurch können Sie die Spachtelmasse sogar komplett schwarz oder in einem lieblichen Gelb oder Rosa einfärben. Einige Spachtelmassen sind von Natur aus in anderen Farben wie Weiß gehalten. Dazu zählen vor allem beige, gelb und grau. Diese müssen daher nicht vorher eingefärbt werden, was zusätzliche Kosten verhindert. Jedoch sollten Sie die Farbe in kleinen Portionen hinzugeben, damit Sie nicht auf einmal zu viel benutzen. Die Kosten wie folgt:

  • Dispersions-Spachtelmasse (Grundspachtel): 4 – 6 Euro pro kg
  • klassische Spachtelmasse zum Anmischen: 1 – 2 Euro pro kg
  • Effektspachtel: 10 bis 30 Euro pro kg
  • Polyester-Farbpaste: 45 bis 50 Euro pro kg

Von der Farbe benötigen Sie natürlich kein Kilogramm. Typischerweise wird die Farbe in Flaschen von einer Größe von 100 Millilitern angeboten, was in den meisten Fällen ausreicht. Da vor allem die selbst abzumischende Spachtelmasse sehr ergiebig ist, muss nicht viel Farbe genutzt werden. Schwamm, Sprühflasche und Tapetenkratzer benötigen Sie nur, wenn Sie vor dem Auftragen der Spachteltechnik Tapete entfernen müssen. Das wichtige Werkzeug, der Spachtel, sollte wie oben beschrieben rostfrei sein. Dadurch beschädigen Sie nicht die Wand und können sehr genau mit dem Werkzeug die Spachtelmasse auftragen. Dabei bietet sich vor allem ein Spachtel mit Griff an. Zu empfehlen sind hier Venezianische Spachtel, deren Klinge genau auf die Spachteltechnik ausgelegt ist. Die Kosten betragen, abhängig von der Qualität, zwischen 20 bis 50 Euro.

Tipp: Wenn Sie besonders den italienischen Stil mögen, bieten sich zusätzlich sogenannte Glanz- oder Kalkspachtelmassen auf mineralischer Basis an, die vor allem glänzende Techniken geeignet sind; für Strukturen sind sie nicht geeignet. Diese sind zwar etwas teurer, ermöglichen jedoch durch das zugesetzte Marmormehl und den Löschkalk eine einfache Verarbeitung und die beliebte Glanzoberfläche, die den Raum edel und anspruchsvoll in Szene setzt.

Vorbereitung

Nachdem Sie die passende Spachtelmasse erworben haben, können Sie mit den Vorbereitungen beginnen. Dabei kommen zwei unterschiedliche Vorbereitungen zum Einsatz. Falls Sie noch die alte Tapete entfernen müssen, denn auf dieser haftet die Spachtelmasse nur schlecht. Vor allem auf Raufasertapete ist die Spachteltechnik nicht sinnvoll. Hochwertige Tapeten mit glatter Oberfläche und ohne Beschädigungen können theoretisch an der Wand verbleiben, doch ist eine frisch verarbeiteter Untergrund zu empfehlen. Gehen Sie wie folgt vor:

1. Schritt: Zu Beginn muss die Tapete eingeweicht werden. Dafür nutzen Sie entweder den Schwamm oder die Sprühflasche gefüllt mit Wasser und behandeln Sie die gesamte Tapete. Lassen Sie das Wasser für eine Weile einweichen. Sie kann abgetragen werden, nachdem sie leicht lose oder gequollen scheint.

2. Schritt: Nun wird die Tapete mit dem Tapetenkratzer entfernt. Entfernen Sie alle Rückstände restlos, denn Tapetenreste können das Ergebnis negativ beeinflussen. Anschließend den Untergrund trocknen lassen.

Glasfasertapete entfernen

3. Schritt: Nach dem Trocknen bürsten Sie die Wand ab und checken, ob der Untergrund porös ist. Falls dies der Fall ist, müssen Sie Tiefengrund auftragen und trocknen lassen. Dafür benutzen Sie die Lammfellrolle.

Falls Sie die Wand schon vorbereitet haben, müssen Sie nur noch die Spachtelmasse anmischen, falls Sie keine Fertigmischung nutzen. Dafür benutzen Sie die angegebene Menge Wasser, die vom Hersteller auf der Verpackung angegeben ist. Dabei sollten Sie auf die folgenden Dinge achten:

  • klares und kaltes Wasser verwenden
  • Zimmertemperatur sollte niemals unter 10°C liegen
  • Luftfeuchtigkeit darf nicht über 80 Prozent betragen
  • nicht unnötig mit Wasser strecken, Spachtelmasse ist recht zäh
  • Pulver muss gleichmäßig eingestreut werden, um Klumpenbildung zu vermeiden

Zu guter Letzt bereiten Sie den Boden in direkter Nähe zur Wand mit Malerfolie vor. Diese befestigen Sie mit Kreppband. Zudem sollten Sie den Spachtel zuvor reinigen, falls dieser zuvor benutzt wurde. Das ermöglicht dem Werkzeug die höchste Effektivität.

Tipp: wenn Sie in Untermieter sind, müssen Sie vor der Anwendung der Spachteltechnik auf jeden eine schriftliche Genehmigung Ihres Mieters einholen. Bedenken Sie jedoch, dass das Entfernen der Technik äußerst kosten- und zeitaufwendig ist und dass nach dem Entfernen komplett neu tapeziert werden muss.

Spachteltechnik: Anleitung

Die folgende Anleitung erklärt Ihnen, wie Sie eine klassische Struktur ermöglichen, die einen mediterranen Touch hat. Für diese eignen sich helle und warme Farben, vor allem weiß, grau, gelb, beige oder Ocker. Entscheidend bei diesem Stil ist die Form der Struktur, die für den ansprechenden Stil sorgt und die gewählten Farben. Der Farbton sollte bei dieser Spachteltechnik für den Grund- und Effektspachtel gleich sein. Es können aber auch Strukturen in schwarz, zum Beispiel für kleine Punkte oder Linien, oder leicht helleren Farbtönen im Gegensatz zum Grundspachtel verwendet werden. Nur sollte der Farbverlauf nicht zu krass sein, also kein Colour-blocking. Gehen Sie wie folgt vor:

1. Schritt: Zu Beginn werden einzelne „Flecken“ Spachtel aufgetragen. Dazu nehmen Sie mit maximal einem Drittel des Werkzeugs Spachtelmasse auf und verteilen diese in Flecken über die gesamte Wand, ohne dass sich die einzelnen Flecken berühren. Ziehen Sie dafür den Spachtel in einer direkten Bewegung nach unten ab.

2. Schritt: Nachdem alle Flecken aufgetragen worden sind, werden die Lücken auf die gleiche Weise verschlossen. Schon jetzt zeigt sich ein kleines Muster. Die Wand sollte danach komplett mit der Spachtelmasse gefüllt sein. Führen Sie diese Arbeit unbedingt alleine aus, denn schon kleine Unterschiede in der Handbewegung können das fertige Gesamtbild negativ beeinflussen.

Spachteltechnik Anleitung

3. Schritt: Schleifen Sie die gesamte Wand vorsichtig mit dem Schleifpaper in der 180er-Körnung an. Anschließend den Staub mit einer Bürste abwischen.

4. Schritt: Jetzt wird der Effektspachtel aufgetragen. Setzen Sie einfach Flecken oder Streifen, wie Sie wünschen, aber auf die gleiche Art wie den Grundspachtel. Füllen Sie ebenfalls die Lücken, jedoch können Sie die Struktur noch stärker beeinflussen, wenn Sie die Lücken etwas offener lassen. Verschiedene Dicken des Effektspachtels sind zum Beispiel sehr beliebt und sorgen für eine fühlbare Struktur. Die Möglichkeiten sind hier grenzenlos. Falls Sie nur kleine schwarze Punkte setzen wollen, lassen sich diese besser mit einem Pinsel auftragen.

5. Schritt: Abschließend trocknen lassen. Die Trockenzeit bei 18°C bis 22°C beträgt etwa eine Stunde pro Zentimeter der Schichtdicke.

Glatte Oberfläche: Anleitung

Für die besonders glatte Oberfläche benötigen Sie an sich genau die gleichen Werkzeuge wie bei der strukturierten Spachteltechnik. Jedoch wird hierfür am Ende ein feineres Schleifpapier benötigt. Der Grundspachtel ist hierfür immer etwas dunkler als der Effektspachtel. Gehen Sie wie folgt vor:

1. Schritt: Tragen Sie den Grundspachtel mit der Spachtelkelle gleichmäßig in großen Bahnen auf, bis die ganze Wand bedeckt ist. Hierfür reichen 1 bis 2 Lagen aus.

2. Schritt: Mit Schleifpapier in der Körnung 320 bearbeiten und abfegen.

Schleifpapier

3. Schritt: Nun in der oben beschriebenen Fleck-Spachteltechnik Spachtelmasse auftragen. Die Zwischenräume werden gefüllt. Danach 20 bis 30 Minuten warten und anschließend mit einer Körnung von 600 bis 1.200 geschliffen. Abfegen.

4. Schritt: Abschließend noch eine Lage in Fleck-Spachteltechnik auftragen, diesmal aber die Zwischenräume nicht füllen. Das erzeugt einen ansprechenden Effekt. 20 bis 30 Minuten warten und abschleifen. Abfegen.

5. Schritt: Nun wird das Poliergerät für den Feinschliff genutzt. Gehen Sie mit dem Elektro-Werkzeug über die gesamte Wand, bis der Spachtel schön glänzt. Dieser Effekt sieht äußerst gut aus bei schwarzer Farbe.

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