Kräutern in der Küche und im Garten sind heute ein Muss, aber nur in der richtigen Zusammenstellung auch wirklich ein Genuss. Wir zeigen Ihnen, wer zu wem passt, wobei „passende Zusammenstellung“ mehrere Aspekte hat.

Kräuter passen im Topf eigentlich immer zusammen, weil Sie Ihnen die richtige Umgebung schaffen können. Im Balkonkasten passt es schon eher nicht, und im Kräutergarten müssen Sie meist schon ein wenig bauen, um allen Kräutern die richtigen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Kräuter sollten aber auch für die geplanten Verwendung passend zusammengestellt werden, auch darum geht es im Artikel.

Kräuter im Topf

Ein Kraut im Topf soll in der Regel im Haus gezogen werden, wo die Kräuter mit einigen typischen Mangelsituationen zurechtkommen müssen. Es gilt also, genügsame Kräuter auszuwählen, die mit diesen Mangelsituationen zurechtkommen; ansonsten hängt die Zusammenstellung zunächst vom Zweck Ihres „Kräutergartens im Wohnraum“ ab.

Küchen- und Salatkräuter

Wenn Sie mit dem Kräuterangebot auf dem Küchenfensterbrett Ihren täglichen normalen Speiseplan aufbessern möchten, brauchen Sie auch eine ganz normale Kräutermischung. Die setzt sich ganz traditionell erst einmal zusammen aus:

  • Dill (Anethum graveolens)
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
  • Petersilie (Petroselinum crispum)
  • Borretsch (Borago officinalis)

Alle zusammen sind das die klassischen Küchen- und Salatkräuter der Deutschen. Deshalb auch alles heimische Kräuter, die schon lange frisch geerntet und zusammen verwendet werden, sie wurden immer im Küchengarten nebeneinander angebaut und können auch heute alle zusammen wachsen.

Diese Kräuter wuchsen in unseren Breiten in einem Küchengarten irgendwo nahe am Haus, keine besonderen Bedürfnisse, einfach Erde und möglicherweise nicht sehr viel Licht. Deshalb gedeihen sie auch recht unkritisch im Wohnraum, nicht einmal unbedingt am hellsten Platz auf der Fensterbank, mit Schnittlauch, Petersilie und Borretsch können Sie auch noch im Schatten Glück haben. Zum Beispiel in einem Kräuterregal über der Spüle, oder in Töpfen voreinander gestellt auf der Fensterbank.

Sie brauchen schlichte Normalerde mit ein paar Nährstoffen, unten im Topf ein wenig Kies o. ä. als Drainage (nasse Füße mag keine Landpflanze), regelmäßig etwas Wasser und ab und zu ein wenig geschmacksneutralen organischen Dünger, wenn die Ernte super werden soll. Irgendwelche Ab- oder Zuneigungen gibt es nicht, diese Kräuter können alle nebeneinander gezogen werden und durch „Kollegen“ ergänzt werden.

Lange Eingebürgerte

In letzter Zeit gibt es immer mehr Medienberichte über die Tricks der großen, oft international arbeitenden Lebensmittelkonzerne, die die Menschen verunsichern. Die in den letzten Jahrzehnten weitgehend verdrängten regionalen Händler formieren sich bereits wieder, um uns mit echten Nahrungsmitteln zu versorgen, aber das dauert noch ein wenig. Bis dahin müssen wir auch essen, und das führt im Moment dazu, dass viele Menschen weniger industriell verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen, also wieder mehr kochen.Kresse

Wenn man die Anfangsschwierigkeiten hinter sich hat, macht Kochen Spaß und ist kreativ, so manches völlig grundlos vergessene Nahrungsmittel wird wiederentdeckt. Auch bei den einheimischen Küchenkräutern hat die Suche nach untergegangenen Schätzen Erfolg.

  • Kerbel, Anthriscus sylvestris, schnellwachsend, lecker, unkompliziert, feines Aroma, berühmt in „Fines herbes“ und Frankfurter Grüner Sauce
  • Kresse, Lepidium sativum, wächst in vielen Sorten „unstoppable“ (der Kressetest wird benutzt, um zu testen, in was eine Pflanze gerade noch wachsen könnte), kann ihre Schärfe nicht nur in grüne Smoothies geschmacksbereichernd einbringen und ist mit ihren Senfölglycosiden „rasend gesund“
  • Liebstöckel, Levisticum officinale, ist noch mehr vergessen und heißt neben Maggikraut auch Nusskraut (bringt einen köstlichen Hauch von nussigem Sellerie auf jedes Käsebrot)
  • Echter Kümmel, Carum carvi, wird man kaum wegen der Samen anbauen, aber (Überraschung), auch diese Pflanze entwickelt feine Blättchen, die in Suppen und Salaten ganz toll schmecken, eine Art Petersilien-Dill in mild. Für Menschen mit viel Küchen-Phantasie – auch die Kümmelblüten sind essbar.
  • Knoblauch, Allium sativum, gehört schon so lange in unsere Küchen, dass er wohl als eingebürgert gezählt werden darf. Auch er wächst auf der Fensterbank, und das Grün kann genauso eingesetzt werden wie die Zehen (stinkt bloß weniger)
  • Durch den Topfanbau können Sie sich aber auch ganz von den unerwünschten Ausdünstungen befreien: Ziehen Sie Bärlauch, Allium ursinum, unseren früher alltäglichen Waldknoblauch, der schmeckt würzig wie Knoblauch, verursacht keine Gerüche und hat wenig Ansprüche.

Internationale Küche

Menschen mit mehr Küchenehrgeiz brauchen auch mehr Kräuter, z. B. die ganzen Südkräuter, die inzwischen unverzichtbar zur Würze unserer Speisen gehören:

  • Basilikum, Ocimum basilicum, auch als mehrjähriges Buschbasilikum
  • Bohnenkraut, einjähriges Satureja hortensis oder mehrjähriges Satureja montana
  • Estragon, Artemisia dracunculus, unverzichtbar, wo gut gekocht wird, Sauce béarnaise, Fines herbes
  • Lavendel, Lavandula angustifolia, kann ganz überraschend würzen und auch noch im Wellnessbereich genutzt werden
  • Majoran, Origanum majorana, nicht nur Wurstkraut
  • Oregano, Origanum vulgare, in vielen Kulturen beliebte Würze und natürliches Antibiotikum
  • Rosmarin, Rosmarinus officinalis, Teil der Provence-Kräutermischung und auch in Süßspeisen überraschend gut
  • Salbei, Salvia officinalis, probieren Sie viel aus, z. B. mit getrockneten Tomaten und Weißen Bohnen
  • Thymian, Thymus vulgaris, Krustenbraten mit Thymian-Honig-Kruste, Ofenkartoffeln mit Käse und Thymian

Südkräuter brauchen Sonne, möglichst viel, ansonsten profitiert der schnellwüchsige, reichblättrige Basilikum von guter Komposterde, kommt aber wie Estragon auch mit Normalerde zurecht. Bohnenkraut, Majoran, Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian brauchen Magererde und eine eher trockene Umgebung bzw. Haltung, Lavendel gerne ein wenig Kalk in der Erde.

Zu dieser Küchenkräuter-Sammlung können Sie nach und nach jedes beliebige Kraut hinzugesellen, nachdem Sie folgende Fragen ergründet haben:

  • Wie viel Licht ist unbedingt nötig
  • Wie viel Wasser
  • Wie viele Nährstoffe braucht das Kraut
  • Vorlieben wie Lehm, etwas Kalk usw.

Wenn Sie Kräuter lieben, sollten Sie die Kräutertopf/Regal-Schere im Kopf zeitig kappen, denn so manches wunderbar schmeckende und nützliche Kraut kann auch ganz andere Räume zieren, z. B. ein Ysop in einem Kübel oder eine Kapuzinerkresse, in einer Ampel oder irgendwo hoch aufgestellt.

Topf oder Balkonkasten
Wenn Sie die oben nach Bedürfnissen und ein wenig nach Verwendung sortierten Kräuter in Töpfen oder Kästen gruppieren möchten, können Sie die einzelnen Kräuter mit ähnlichen Grundbedürfnissen in der Regel zusammensetzen, die meisten Kräuter vertragen sich. „Unfälle“ können hier passieren, wenn Sie eine etwas kräftigere Jungpflanze neben eine schwächliche setzen, dann kann Pflanze A – Pflanze B schon einmal Nährstoff und Wasser abgraben. Für die laufende Saison könnten Sie aber dann einfach abwarten und nächstes Mal beim Pflanzen genauer auf die Wuchskraft schauen.

Ausnahmen gibt es in Richtung Selbstunverträglichkeit, und man hat eher durch Erfahrung als durch begründetes Wissen herausbekommen, dass einige Kräuter nicht so gerne nebeneinander wachsen; Informationen dazu finden Sie unten bei „Kräuter-Zusammenstellung im Kräutergarten“.

Andere Gesichtspunkte

Kräuter können mehr als nur den Speiseplan bereichern, und die fortgeschrittenen Kräutergärtner können dann auch vor ganz andere Herausforderungen bei der Zusammenstellung Ihrer Kräuter gestellt werden.

Duftoase

Im Wald geht es uns gut, weil wir mit dem Duft auch positive Inhaltsstoffe der Bäume über die Luft aufnehmen. Der Wald im Wohnzimmer ist schlecht, aber es gibt durchaus die Möglichkeit, sich „gesunde Düfte“ in den Wohnraum zu hängen:

  • Thymian
  • Lavendel
  • Pfefferminze
  • Basilikum
  • Rosmarin

Die müssen bloß mit Überlegung gemischt werden, schon zwei stark duftende Kräuter wie Fenchel und Basilikum nebeneinander könnten eher Kopfschmerzen als Entspannung bringen.

Heilkräuter

Wer weiß, dass 60 – 70 % der Wirkstoffe in unseren Arzneimitteln aus Pflanzen bzw. der Natur abgeleitet wurden, hat zuhause ein paar Heilkräuter stehen, gegen Kopfschmerzen und erst recht zum unterstützenden Verzehr bei chronischen Krankheiten.

Diese Heilkräuter werden natürlich ganz auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten gewählt, erst wenn das erledigt ist, werden sie nach Wuchsbedürfnissen zusammengestellt.

Heilkräuter sind beispielsweise:

  • Borretsch
  • Pfefferminze
  • Thymian
  • Kamille

Kräuter im Garten

Die gerade geschilderte Kräuter-Zusammenstellung nach Bedürfnisgruppen/Zwecken bietet sich im Kräutergarten genauso an, aber hier stehen die Kräuter nicht für sich in einem Topf, sondern nebeneinander in der Erde. In Bezug auf die Zusammenstellung der Kräuter sind hier zwei Aspekte etwas wichtiger als bei „Einzelhaltung im Topf“:

Bedürfnisse an den Standort

Die Kräuter können nicht wie im Topf für die Pflanze/Pflanzengruppe zurechtgestellt werden, sondern ein Kräutergarten ist eben ein Stück Garten, normalerweise mit relativ einheitlichen Bedingungen in Bezug auf Klima und Boden.

Wenn Sie den prächtig im Feuchten und auch noch im Schatten gedeihenden Liebstöckel in eine dunkle Ecke und in eine Ebene mit dem gerne sonnenverwöhnten, aber sonst sehr genügsamen Oregano setzen, wird einer von beiden leiden. Wegen genau diesem Problem wurde die Kräuterspirale erfunden, ein richtiger „Kräuterbau“ mit verschiedenen Arealen in verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Böden.

Kräuterspirale
Kräuterspirale

Es muss natürlich keine Spirale sein, unterschiedliche Areale können Sie auf andere Arten gestalten. Sie können eine natürliche Hanglage ausnutzen (oder ein paar künstliche Hänge anlegen).

Zu dieser Küchenkräuter-Sammlung können Sie nach und nach jedes beliebige Kraut hinzugesellen, nachdem Sie folgende Fragen ergründet haben:

  • Wie viel Licht ist unbedingt nötig
  • Wie viel Wasser ist unbedingt nötig
  • Wie viele Nährstoffe braucht das Kraut
  • Wie viel Wärme ist unbedingt nötig (wann kann das Kraut in den Garten)

Wenn Sie schon ein paar Kräuter aus einigen Teilen der Welt kultivieren, können Sie schneller zum Ziel kommen, wenn Sie sich nach der Herkunft des Neulings erkundigen und ihn zu seinen Klimagenossen setzen. Wenn Sie das Glück haben, in einer Familie zu leben, in der nicht alles auf Anhieb perfekt sein muss, können Sie sich den Neuzugang auch einfach konzentriert ansehen und nach Gefühl platzieren, Erfahrungen lehren.

Unverträglichkeiten

Eigentlich sind Kräuter so etwas wie die „Underdogs der Pflanzenwelt“: Wachsen überall, oft auch noch in Böden, in denen es kaum Nährstoffe gibt, wandern oft genug nicht in den köstlichen Eintopf, sondern geraten unter die Unkraut-Hacke, schmoren in der Sonne, und sind dann noch nicht mal richtig hübsch – wer so wächst, ist einiges gewohnt und in einem gemütlichen Gartenbeet normalerweise begeistert.

Aber einige wenige Kräuter gibt es, die sich selbst oder anderen Kräutern schlechte Nachbarn sind, dazu zählen:

  • Dill
  • Fenchel
  • Wermut

Eine gute Übersicht finden Sie in dieser Tabelle: Übersicht Kräuterunverträglichkeit

Kräutergarten ohne Arbeit

Wenn Sie als frischer Kräutergärtner gerade „die Küche vollgeplant“ haben, möchten Sie sich für die gleiche Saison das ganze Spielchen im Garten vielleicht ersparen. Kräuter können Sie trotzdem anbauen, als gute Vorbereitung auf den Kräutergarten und ohne Arbeit. Kaufen Sie eine Wildpflanzenmischung, gibt es fertig zusammengestellt z. B. von der Firma Saaten Zeller, dann haben Sie Ihre Kräuter im Garten:

  • Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Echter Eibisch (Althaea officinalis)
  • Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris)
  • Kornblume (Centaurea cyanus)
  • Schwarze Flockenblume (Centaurea nigra)
  • Wilde Möhre (Daucus carota)
  • Echter Buchweizen (Fagopyron esculentum)
  • Fenchel (Foeniculum vulgare)
  • Alant (Inula helenium)
  • Wilde Malve (Malva sylvestris)
  • Quirlmalve (Malva verticiliata)
  • Luzerne (Medicago sativa)
  • Weißer Steinklee (Melilotus albus)
  • Gelber Steinklee (Melilotus officinalis)
  • Rainfarn (Tanacetum vulgare)

Kräuter: Sorten und Einkauf

Die Samen aller gängigen Kräuter bekommen Sie im Frühjahr im Supermarkt und im nächsten Gartencenter. Bei einigen gängigen Arten müssen Sie sich auch nicht viel darüber hinausgehende Mühe machen, Allium schoenoprasum (Schnittlauch), Anethum graveolens (Dill), Borago officinalis (Borretsch) gibt es nur in einer Art und höchstens drei Varianten/Zuchtsorten.

Bei Petroselinum crispum (Petersilie) wird es schon spannender, als Art gibt es nur noch eine „giganteum“-Variante, aber viel mehr Sorten, als den meisten bewusst ist:

  • Petroselinum crispum v. crsipum, normale Blattpetersilie
  • Petroselinum crispum v. crispum, gekrauste Petersilie, Mooskrause
  • Petroselinum crispum v. radicosum, halblange Wurzelpetersilie
  • Petroselinum crispum v. tuberosum, Wurzel- oder Knollenpetersilie

Hier lohnt sich also schon die Suche nach dem Fachhändler, und die meisten unserer bekannten Kräuter gibt es in viel mehr Sorten, Bio-Saatgut von ganz besonderen oder alten Kräuter-Sorten und viele Arten von Kräutern finden Sie inzwischen im Internet und bei mehreren Spezialanbietern.Petersilie2

Jede wiederentdeckte oder neue Kräuter-Sorte hat geringfügig andere Wuchshöhen, wächst als Einzelpflanze in leicht unterschiedlicher Breite und Wuchsgestalt, und vor allem entwickelt jede dieser Sorten ihr eigenes Aroma. Kräuter sind in, und für Feinschmecker gibt es bei den Kräutern unendlich viel zu entdecken, Sie könnten auf jedem schönen kleinen Kräutermarkt Glück haben und ungewöhnliche Küchenkräuter finden.

Damit ist übrigens noch lange nicht Schluss: Im aktuell vollständigsten Verzeichnis unserer Pflanzenarten (the Plant List) werden momentan 350.699 botanisch akzeptierte Namen von Pflanzenarten gelistet, und Sie finden bei Eingabe eines Kräuter-Gattungsnamens eine erheblich breitere Auswahl als verkauft wird.

Wenn Sie Ocimum basilicum eingeben, erscheinen 75 international akzeptierte Basilikum-Arten, 18 neu entdeckte, noch unbestätigte Arten und 292 Synonyme, mit denen diese Arten noch benannt werden oder wurden (Botaniker vergeben furchtbar gerne Pflanzennamen, macht den Einkauf nicht einfacher).

In Bezug auf die Zusammenstellung von Kräuter bringt Ihnen diese kleine Anregung zur Unterstützung fachkundiger Händler und des Artenreichtums auf unserer Welt übrigens eine Menge. Ein mit Leidenschaft tätiger Kräutergärtner wird Ihnen nicht nur bei offenen Fragen in Bezug auf die gerade zusammengefassten Grundbegriffe der Kräuter-Zusammenstellung helfen, sondern er wird Sie auch einmal an der „hohen Kunst“ schnuppern lassen und Ihnen z. B. verraten, warum Sie unbedingt genau diese Thymian-Sorte für Ihr Boeuf Bourguignon brauchen (und die Schalotten dafür gleich mit anpflanzen könnten).

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