Lonicera, Heckenkirschen, Geißblatt – Pflege

Lonicera-Heckenkirsche

Den vielgestaltigen Lonicera gelingt sofern der Spagat zwischen wildromantischer Begrünung und genügsamer Anspruchslosigkeit mit Bravour. Unabhängig davon, ob sich elegant aufrechte Heckenkirschen oder ein graziös schlingendes Geißblatt in Ihrem Garten in Szene setzt; in Punkto Kultivierung ziehen die Ziergehölze dabei an einem Strang. Es genügt daher, sich in die folgende Pflege-Anleitung zu vertiefen, um alle Mitglieder dieser universellen Pflanzenfamilie gekonnt in Ehren zu halten.

Lonicera stehen hoch im Kurs, wenn es gilt, im Garten triste Nischen in ein dekoratives Laubgewand zu hüllen, Säulen und Zäune zu verschönern oder einen wildromantischen Sichtschutz anzulegen. Ohne nennenswerte Standortwünsche einzufordern, erfüllen die facettenreichen Geißblattgewächse dazu Ihre gestalterischen Vorstellungen. Das gilt sowohl für die straff aufrechten Heckenkirschen als auch für die elegant windenden Geißblätter. Mit sattgrünen Schmuckblättern, einer aparten Blüte und farbenfrohem Fruchtschmuck begeistern die Ziergehölze zudem das ganze Jahr hindurch. Welche Vorkehrungen in der fachgerechten Kultivierung von Bedeutung sind, vermittelt Ihnen diese Pflege-Anleitung.

Steckbrief

  • Familie Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
  • Gattung Heckenkirschen (Lonicera)
  • Mehr als 180 Arten verbreitet auf der Nordhalbkugel
  • Immergrüne oder laubabwerfende Sträucher oder Lianen, selten Bäume
  • Aufrechte oder kriechende Heckenkirschen mit gelb-weißen oder rosa-roten Blüten von Mai bis Juni
  • Wuchshöhen Heckenkirschen von 80 als Bodendecker bis 400 cm als Strauch
  • Kletternde Geißblätter mit gelb-roten Blüten von Juni bis Juli
  • Schlingende Ranken bis 800 cm Höhe am Klettergerüst
  • Rote oder schwarz-blaue Beerenfrüchte im Herbst

Ergänzend zu ihrem dekorativen Wert, erweisen sich Lonicera als kostbares Vogelnährgehölz. Während die Beeren für Menschen giftig sind, dienen sie den gefiederten Gartenbewohnern während des Winters als gehaltvolle Nahrungsquelle.

Standort

Standort und Bodenbeschaffenheit

Lonicera-Arten erfahren eine hohe Wertschätzung unter kreativen Hobbygärtnern, weil hier zuerst die gestalterischen Ideen sprudeln dürfen, ohne sonderliche Rücksicht auf die Standortbedingungen zu nehmen. Dank der breit gefächerten Ansprüche an die Licht- und Temperaturverhältnisse, begrünen Heckenkirschen und Geißblätter Flächen und Objekte in diesen Lagen:

  • Sonniger, halbschattiger oder schattiger Standort
  • Jede normale Gartenerde, gerne lehmig-sandig bis lehmig-tonig
  • Frisch-feuchtes bis mäßig-trockenes Erdreich
  • Keine besonderen Präferenzen hinsichtlich pH-Wert

Weder intensive Sonneneinstrahlung noch lichtarme Lagen bereiten dem Ziergehölz Probleme. Gleichwohl entfaltet sich in hellen, sonnigen Regionen eine prachtvollere Blüte, gefolgt von einem reichen Fruchtbehang. Ein majestätisches Geißblatt favorisiert überdies einen Standort, an dem es seinen Kopf der Sonne entgegenstreckt, während der Stammfuß beschattet wird.

Lonicera-Heckenkirsche-Geißblatt in verschiedenen Farben

Lonicera Pflanzen

Pflanzzeit

Ihre Flexibilität stellen Heckenkirschen wiederum unter Beweis, wenn die Pflanzzeit zu bestimmen ist. Im Container vorgezogene Lonicera können Sie jederzeit in die Erde setzen, solange der Boden nicht gefroren oder staubtrocken ist infolge einer sommerlichen Dürreperiode. Die Ziergehölze sind erstklassig aufgestellt, wenn sie im Herbst gepflanzt werden. Insbesondere während der Monate September und Oktober bietet der noch gut aufgewärmte Boden den Wurzeln beste Rahmenbedingungen, um sich rechtzeitig vor dem Winter zu etablieren.

Bodenvorbereitung

Eine sorgfältig aufbereitete Erde bringt das Wachstum einer Heckenkirsche vom Start weg in Schwung. Nehmen Sie sich daher die Zeit, um den Boden am gewählten Standort so zu bearbeiten:

  • Die Erde spatentief umgraben
  • Unkraut, Wurzeln und Steine entfernen
  • Mit Harke und Rechen eine krümelige Pflanzerde erzeugen

Die Zugabe von gesiebtem Kompost und Hornspänen rundet die Arbeiten sinnvoll ab. Harken Sie das organische Material nur oberflächlich unter, da Lonicera mehrheitlich als Flachwurzler gedeihen.

Einpflanzen

Die noch eingetopften Wurzelballen werden im Vorlauf solange in Wasser getränkt, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Derweil können Sie die Pflanzgruben ausheben. Den idealen Pflanzabstand gibt dabei die Art vor. Um aus Heckenkirschen eine Einfriedung zu schaffen, siedeln Sie je laufenden Meter 3 bis 4 Sträucher an. Fungiert ein Geißblatt als Fassadenbegrünung, hat sich eine Distanz von 2 Pflanzen je laufenden Meter in der Praxis bewährt. Kleinwüchsige Arten begrünen große Areale als dichte Bodendecker, wenn Sie je Quadratmeter 5 bis 7 Exemplare setzen. So pflanzen Sie Lonicera fachgerecht:

  • Jede Pflanzgrube weist das 1,5-fache Volumen des Wurzelballens auf
  • In feuchter Erde dient eine dünne Sandschicht auf der Sohle als Schutz vor Staunässe
  • Die wassergetränkten, ausgetopften Wurzelballen mittig so tief einpflanzen, wie zuvor im Anzuchtgefäß
  • Schlingende Geißblätter leicht schräg zum Rankhilfe ausrichten

Für einen guten Bodenschluss drücken Sie die Erde mit den Händen fest. Im Anschluss gießen Sie reichlich an und breiten eine Mulchschicht aus. Geeignete Mulchmaterialien sind Laub, Grasschnitt, Kompost und Rindenmulch.

Rankhilfen

Das Geißblatt verfügt nicht über Haftorgane, mit deren Hilfe sich die langen Ranken emporziehen könnten. Vielmehr windet sich das Gehölz um jedes Objekt, das sich in Reichweite befindet. An Fassaden bieten spezielle Rankgitter oder Seilsysteme den Trieben den nötigen Halt. Pflanzen Sie populäre Lonicera, wie Jelängerjelieber an einem Zaun entlang, binden Sie die unteren Zweige mit Bindedraht an den Streben fest, um die Wuchsrichtung vorzugeben. Ähnlich verfahren Sie bei Spalieren, Obelisken und anderen Kletterhilfen. Hat ein Geißblatt erst einmal Stellung bezogen, findet es im weiteren Verlauf in Eigenregie den Weg gen Himmel.

Gießen

Im sachgemäßen Pflegeprogramm nimmt die ausgewogene Wasserversorgung einen hohen Stellenwert ein. Ein gesundes Mittelmaß ist dabei Trumpf. Gießen Sie eine Heckenkirsche oder das Geißblatt erst dann, wenn die Erde an der Oberfläche gut angetrocknet ist. Entscheiden Sie über den Wasserbedarf bitte nicht rein visuell, sondern führen stets eine Fingerprobe durch. Fühlen sich die oberen 4 bis 5 cm des Substrats trocken an, wird gegossen. Während der warmen Jahreszeit kann dies durchaus zwei Mal täglich erforderlich sein, insbesondere wenn der Regen über längere Zeit ausbleibt. Vermeiden Sie dabei eine Überkopf-Beregnung und lassen das Wasser aus der Gießkanne unmittelbar auf die Wurzelscheibe laufen. Dank dieser Umsicht werden Blüten- und Blätter nicht in Mitleidenschaft gezogen und Pilzsporen finden keinen Ansatz für einen Befall.

Düngen

Das Wachstum des dichten Laubs, der farbenfrohen Blüten und zahlreichen Beeren kostet die Heckenkirsche viel Kraft. Mit einer regelmäßigen Nährstoffzufuhr greifen Sie dem Ziergehölz hilfreich unter die floralen Arme. Diese Vorgehensweise ist zu empfehlen:

  • Von März bis August monatlich Kompost und Hornspäne verabreichen
  • Alternativ eine Startdüngung im März/April mit einem mineralisch-organischen Mehrnährstoffdünger geben
  • Parallel zum Beginn der Blütezeit mit einem Kalium-betonten Dünger versorgen
  • Jede Gabe von Düngemitteln mit einer reichlich bemessenen Wässerung abschließen

Ab Ende August/Anfang September erhalten Lonicera keine zusätzlichen Nährstoffe mehr, damit die Triebe und Ranken vor dem Winter ausreifen.

Schneiden

Angesichts eines jährlichen Zuwachses von 30 bis 40 cm bei Heckenkirschen und atemberaubenden 50 bis 60 cm beim Geißblatt, liegt die Frage nach möglichen Schnittmaßnahmen zudem auf der Hand. Ihrer anpassungsfähigen Grundsteinstellung bleiben Lonicera auch in dieser Hinsicht treu. So schneiden Sie das Ziergehölz richtig:

  • Rückschnitt erfolgt wahlweise nach der Blüte oder im Spätwinter
  • Kleinere Korrekturmaßnahmen sind jederzeit durchführbar
  • Zweige und Ranken einkürzen bis auf die gewünschte Länge
  • Idealer Ansatzpunkt für die Schere befindet sich knapp oberhalb eines Blattknotens

Unabhängig davon, ob Sie einen Rückschnitt erwägen oder nicht, sollte das Ziergehölz in jedem Winter ausgelichtet werden. Alle Lonicera-Arten neigen dazu, von innen oder von der Basis her zu verkahlen. Ursache ist fehlender Lichteinfall infolge abgestorbener oder zu dichter Triebe. Entfernen Sie daher konsequent alles Totholz sowie zu eng beieinander stehende, sich reibende oder nach innen gerichtete Zweige und Ranken.

Lonicera-Heckenkirsche-Blüte

Lonicera Überwintern

Adulte Lonicera verfügen über eine robuste Winterhärte, die keine besonderen Vorkehrungen erfordert. Diese Frostresistenz baut sich gleichwohl erst im Laufe der Jahre auf, sodass junge Sträucher einen Winterschutz erhalten sollten. Fernerhin macht das Pflegeprogramm während der kalten Jahreszeit nicht gänzlich Pause, da insbesondere die immergrünen Arten weiterhin Feuchtigkeit verdunsten über ihr dichtes Blätterwerk. Diese Vorkehrungen sind ratsam:

  • Vor Winterbeginn auf der Wurzelscheibe eine Schicht aus Herbstlaub anhäufeln, fixiert mit Reisig
  • In den ersten beiden Jahren die Zweige umhüllen mit atmungsaktivem Vlies
  • Immergrüne Lonicera bei trockenem, sonnigem Winterwetter an frostfreien Tagen gießen
  • Von September bis Februar nicht düngen

Es ist kein Grund zur Beunruhigung, wenn nach strengem Frost die Triebspitzen zurückfrieren oder das immergrüne Laub trotzdem abgeworfen wird. Dank der Schnittverträglichkeit, schneiden Sie betroffene Zweige bis ins gesunde Holz zurück. Ihr hübsches Blätterkleid legen Heckenkirschen und Geißblätter im Frühling von selbst wieder an.

Vermehren

Stecklinge

Fallen Ihnen weitere Standorte im Garten ein, die mit Lonicera dekorativ aufgewertet werden, ziehen Sie sich mit folgender Methode ganz einfach die gewünschte Anzahl an Jungpflanzen heran:

  • Im Frühsommer halb verholzte, nicht blühende Ranken oder Zweige zum Steckling bestimmen
  • Unterhalb eines Blattknotens die Ableger auf eine Länge von 15-20 cm abschneiden
  • Die Blätter im unteren Sektor entfernen

Die zugeschnittenen Stecklinge setzen Sie in Töpfchen mit Anzuchterde oder einem Mix aus Einheitserde und Sand. Zumindest ein Blattpaar sollte über der Oberfläche stehen. Am halbschattigen, geschützten Standort halten Sie das Substrat konstant leicht feucht. Bis zum Herbst bewurzeln die Stecklinge emsig, sodass sie im September, Oktober oder November ausgepflanzt werden können.

Absenker

Für die Nachzucht einzelner Exemplare bieten sich biegsame Zweige und Ranken am äußeren Rand von Heckenkirsche oder Geißblatt an. Ziehen Sie dafür einen einjährigen Trieb zu Boden und markieren dabei die Stelle, die sein mittlerer Bereich berührt. An dieser Stelle graben Sie danach einen Tontopf in die Erde, gefüllt mit Anzuchtsubstrat. Den Absenker ziehen Sie nun bis auf das Substrat, entfernen an der Berührungsstelle die Blätter und graben diese 10 cm tief ein. Damit der Zweig nicht wieder emporschnellt, wird er mit Steinen oder einer Krampe fixiert. Die Triebspitze befestigen Sie an einem Holzpfahl, den Sie neben dem Topf in den Boden schlagen. Während der Zweig weiterhin von der Mutterpflanze mit Nährstoffen versorgt wird, gießen Sie die Erde regelmäßig. Ist der Topf vollständig durchwurzelt, schneiden Sie den Absenker ab und holen ihn mitsamt dem Gefäß aus dem Boden. Am neuen Standort pflanzen Sie die junge Lonicera ein.

Arten

Populäre Arten und Sorten

Die folgende Auslese beliebter Lonicera-Arten und Sorten möchte einen Beitrag leisten zu Ihrer Entscheidungsfindung:

Immergrünes Geißblatt (Lonicera henryi)

Wer sich dazu auf die Suche nach einem immergrünen Kletterkünstler begibt, kommt an dieser Art nicht vorbei. Ursprünglich dort beheimatet im Dämmerlicht der Wälder, gedeiht das Immergrüne Geißblatt zudem wunderbar in halbschattigen bis lichtarmen Lagen.

  • Gelbrote Blüten von Juni bis Juli
  • Rankt bis 800 cm und höher

Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Hier treffen Sie auf den unangefochtenen Liebling kreativer Hobbygärtner. Die Popularität des unermüdlich kletternden Geißblatts geht sogar soweit, dass der Sortenname als Synonym für die gesamte Gattung verwendet wird. Spektakulär ist nicht nur seine Blütensinfonie, sondern auch der korallenrote Beerenschmuck.

  • Gelbweiße Blüten mit rotem Rand und zartem Duft
  • Rasanter Zuwachs von 60 bis 150 cm pro Jahr

Goldflamme (Lonicera heckrottii)

Dieses Geißblatt treibt es bunt im Sommergarten. Die jungen Triebe färben sich am sonnigen Standort dunkelrot, während die sommergrünen Blätter sprießen. Von Juni bis September verzaubert dieser Hybride mit überreicher Blütenpracht, die in eine dekorative Beerentracht mündet.

  • Hellgelbe Blüten, außen purpurrot
  • Schnell wachsend 300 bis 600 cm hoch

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)

Ihren Namen verdankt diese Lonicera damit den leuchtend roten Beeren, die sich von daher aus den gelb-weißen Frühlingsblüten entwickeln. Das grau-grüne Laub nimmt im Herbst einen dezenten Gelbton an, bevor es abgeworfen wird.

  • Wuchshöhe 200 bis 300 cm
  • Ökologisch wertvolles Vogelnährgehölz

Clavey’s Dwarf (Lonicera xylosteum)

Die zudem ideale Lonicera-Sorte für den kleinen Garten. Sein kompakter und dichter Habitus, entwickelt dazu eine harmonische, halbrunde Silhouette mit ellipsenförmigen, sattgrünen Blättern. Die weiß-gelben Blüten zieren dabei insbesondere den Strauch von Mai bis in den Juli hinein. Im Herbst ziehen die roten, erbsengroßen Beeren über gelben Blättern alle Blicke auf sich.

  • Wuchshöhe 150 bis 250 cm
  • Langsam wachsend und ausgesprochen pflegeleicht

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