Fliesen überstreichen – Bodenfliesen in Bad/Küche aufgefrischt

Fliesen überstreichen

Alte Fliesen haben häufig einen entscheidenden Nachteil, sie halten ewig. Die Mode und unser Geschmack wandeln sich allerdings ständig. Die robusten alten Fliesen herauszureißen, nur weil das Dekor unmodern ist, wäre aber doch Verschwendung. Daher zeigen wir hier, wie Sie Bodenfliesen in Küche und Bad selbst überstreichen.

Bodenfliesen herauszunehmen bedeutet einen riesigen Arbeitsaufwand und sehr viel Schmutz, das muss man sich immer vor Augen halten, wenn man den Boden auffrischen will. Auch das Streichen der Bodenfliesen macht nämlich einiges an Arbeit, allerdings ist es deutlich günstiger als eine Komplettsanierung. Zumal die alten Bodenplatten tatsächlich besonders robust und so auch kostbar sind. Derartig widerstandsfähige Bodenkeramik werden Sie heute nur noch zu einem sehr hohen Quadratmeterpreis finden. Wenn es einzig das oft scheußliche Muster der alten Fliesen ist, können Sie mit unserer Anleitung diese tollen Fliesen auch zu optischen Hinguckern machen.

Material und Vorbereitung

Das benötigen Sie:

  • Pinsel
  • Lackroller
  • Lackschale
  • Fugenkratzer
  • Schaschlikspieß Holz
  • Kartuschenpistole
  • Abzieher
  • Spachtel
  • Eimer
  • Schwamm
  • Bodenlack farbig
  • Bodenlack klar
  • Haftgrund
  • Fettreiniger
  • Terpentin / Verdünnung
  • Fliesenkleber
  • Fugenmasse
  • Fugensilikon
  • Kunststoff flüssig

Vorab sei noch gesagt: Das Lackieren des Bodens in Küche oder Bad ist nicht wieder rückgängig zu machen. Daher dürfen Sie als Mieter keinesfalls ohne eine schriftliche Genehmigung des Vermieters an die Arbeit gehen. Lassen Sie sich auch nicht mit einer mündlichen Genehmigung beruhigen, später kann sich niemand daran erinnern oder es erfolgt ein Besitzerwechsel des Gebäudes. Alle mündlichen Absprachen sind dann null und nichtig. Damit wäre nicht nur Ihre Kaution verloren, sondern Sie müssten auch die darüber hinausgehenden Kosten für einen neuen Boden tragen.

Fliesenlack

Bodenfliesen streichen

Auf das Stemmen können Sie getrost verzichten, denn mit den neuen Bodenlacken bekommen Sie eine sehr haltbare Oberfläche. Waren noch vor einigen Jahren Bodenlacke auf dem Markt, die der Heimwerker nach wenigen Monaten eher im Wischwasser als auf dem Boden vorfand, sind die heutigen Produkte schon fast so haltbar wie neue Bodenplatten. Allerdings müssen Sie einige Arbeitsschritte durchlaufen und die Dekorschicht zum Schluss unbedingt noch einmal klar überlackieren. Der Klarlack bildet eine Art von durchsichtiger Kunststoffschicht über Ihren Bodenfliesen, die Laufspuren und Abschrammungen verhindert. Dadurch wird es sogar möglich, in den farbigen Bodenlack noch Glitter einzubetten – wenn man das denn möchte. Die Hauptsache ist doch, dass fast alles möglich ist, was Sie sich für den Bodenbelag wünschen.

Kaufberatung – Lack für den Fliesenboden

Kaufen Sie einen besonders hochwertigen Lack für den Boden. Auch wenn ein zweikomponentiges Produkt immer etwas schwieriger zu verarbeiten ist, sollten Sie beim Fußboden grundsätzlich auf Nummer sicher gehen. Als Basis ist ein Epoxidlack nahezu unverwüstlich, wenn er komplett durchgetrocknet ist. Für jede Schicht der Lackierung benötigen Sie etwa 250 Gramm je Quadratmeter Fläche. Achten Sie aber auf die Verarbeitungshinweise des Herstellers, wie viel Sie von dem jeweiligen Produkt benötigen.

Tipp: Wenn Sie einen farbigen Lack selbst anmischen wollen, sollten Sie eine Briefwaage oder Küchenwaage verwenden, um das exakte Mischungsverhältnis festzuhalten. So können Sie auch später noch eine kleine Menge nachmischen falls das nötig sein sollte.

Diese speziellen Eigenschaften sollte Ihre Bodenbeschichtung haben:

  • hoher Abriebwiderstan
  • leicht zu reinigen
  • lichtecht
  • UV- und witterungsbeständig
  • Haftung auf keramischen und mineralischen Untergründen
  • Beständigkeit gegen Chemikalien
  • eventuell mit speziellen Farbstoffen einfärbbar

Farbkarte

Hauptproblem: Wartezeiten

Stellen Sie sicher, dass Sie den Raum mindestens zwei Wochen lang nicht benötigen, bevor Sie mit einer derartigen Aufgabe beginnen. Die Trocknungszeiten sind bei jedem einzelnen Arbeitsschritt lang und müssen unbedingt eingehalten werden. Wenn Sie keine Möglichkeit haben, beispielsweise die Küche so lange kalt zu lassen, dann warten Sie doch bis zum Sommer mit dem Überstreichen der Bodenplatten. Dann können Sie vielleicht einige Mahlzeiten im Freien zubereiten.

Anleitung – Fliesen überstreichen

1. Alte Fliesen prüfen

Sie sollten die Bodenfliesen nur erhalten, wenn diese das auch wert sind. Sind bereits viele Fliesen locker und werden eigentlich nur noch durch die Fugenmasse an ihrem Platz gehalten, sollten Sie die Mühe auf sich nehmen und den Raum neu verfliesen. Lockere Platten werden nicht besser, wenn Sie nur von oben mit einer Lackschicht abgedichtet werden. Sehen Sie sich alle Beschädigungen genau an. Auch kleine Beschädigungen sollten Sie vor dem Anstreichen ausbessern, denn mit der neuen Farbe fallen auch kleinste Unebenheiten auf.

2. Schäden beheben

Kleinere Risse oder Löcher können Sie mit Fließspachtel oder Flüssigkunststoff auffüllen. Sollten einzelne Fliesen locker sein, werden Sie entweder herausgenommen und die fehlende Fläche mit Fliesenkleber aufgefüllt. Das ist aber nur zu empfehlen, wenn Sie ohnehin den Boden komplett ausgleichen wollen, also die Fugen zwischen den Platten auffüllen. Auch wenn Sie von diesen Bodenfliesen keinen Ersatz mehr haben und die entnommene Fliese zerbrochen ist, kann das Auffüllen mit Fliesenkleber eine gute Lösung sein. Ansonsten werden die lockeren Fliesen einfach mit etwas Fliesenkleber oder Montagekleber wieder eingesetzt.

Fliesen auf Fliesen

Tipp: Wer eine echte Fliesenstruktur erzielen möchte, kann vor dem Anstreichen der Bodenplatten die Fugenmasse komplett entfernen. Nach dem Streichen können die Fugen dann wieder verfüllt werden. Das macht allerdings recht viel Arbeit. Nicht zu empfehlen ist die Taktik, die Fugen abzukleben und nur die Platten selbst zu streichen. Mit dem Abziehen des Klebebands beschädigen Sie auch den neuen Anstrich an vielen Stellen. Der würde sich nach wenigen Wochen durch die Schuhe und die Feuchtigkeit beim Wischen ablösen.

UhrDas Problem mit allen Reparaturen besteht eigentlich in der Wartezeit. Die nachgebesserten Stellen müssen zunächst komplett durchtrocknen, was durchaus bis zu einer Woche dauern kann. Der Boden soll schließlich nicht nur belastbar, sondern komplett ausgehärtet sein.

 

Tipp: Wollen Sie eine glatte Fläche erzielen und die Fugen zwischen den Bodenplatten verdecken, können Sie dazu ebenfalls Fliesenkleber verwenden. Der Fliesenkleber ist noch feiner in der Oberfläche als Ausgleichsestrich und nimmt den Bodenlack besser an. Tragen Sie Ausgleichsestrich auf, kann es ratsam sein, die Fläche vor dem Anstrich abzuschleifen, da der Estrich eine etwas zu grobe Struktur gegenüber einem Fliesenboden besitzt.

3. Spezialreinigung

Die alten Steinplatten müssen absolut fettfrei sein, bevor Sie etwas Neues darauf auftragen können. Dazu eignet sich ein spezieller Fettreiniger oder sogar Terpentin. In der Küche sollten Sie auf diesen Punkt genau achten und lieber etwas zu viel reinigen, da hier naturgemäß ein unsichtbarer Fettfilm auf allen Flächen vorhanden ist. Das Fett bildet sonst eine regelrechte Schutzschicht auf den alten Bodenfliesen und stößt die Grundierung und den Bodenlack ab.

Silikonfugen entfernen

Tipp: Vor der Reinigung sollten Sie auch noch die Silikon- oder Acrylfugen in Küche und Bad vollständig entfernen. Diese würden den Randbereich des Bodens später besonders im Bad beschädigen, wenn sie erneuert werden müssen. Fugen Sie die Ränder erst wieder neu, wenn der Boden komplett fertig ist. An diesen Stellen sollten außerdem noch mit etwas Terpentin oder Kunstharzverdünnung nachreinigen, damit absolut keine Rückstände auf den Steinplatten bleiben.

4. Grundierung und Sperrschicht

Zunächst wird auf den sauberen fettfreien Boden nun eine Sperrschicht aufgetragen, die ist besonders im Bad wichtig, damit die hohe Feuchtigkeitsbelastung die Lackierung nicht von den Bodenplatten loslöst. Die Sperrschicht können Sie mit einem Malerquast aufstreichen. Glatter wird die Sperrschicht natürlich mit einer Lackrolle. Sind die Fugen zwischen den Bodenplatten sehr porös und saugfähig, sollten Sie diese vorher mit einem Pinsel extra mit Sperrgrund einstreichen.

Tipp: Kaufen Sie zwingend alle Produkte vom gleichen Hersteller und aus einer Produktlinie. Die einzelnen Produkte können sich so unterstützen. Mischen Sie unterschiedliche Arten von Produkten auf dem Boden, stoßen diese sich unter Umständen ab und rollen sich später schnell auf.

Nach einer gründlichen Trockenzeit kommt auf die Sperrschicht noch eine Grundierung. Achten Sie wieder auf die Fugen. Saugen diese immer noch die Grundierung auf, sollten Sie hier ebenfalls noch einmal vorsichtig mit einem schmalen Pinsel nacharbeiten. Die Mühe lohnt sich beim späteren Überstreichen der Fliesen, da die Fugen dann ein harmonisches Bild mit den Platten ergeben.

5. Lackieren und dekorieren

Lassen Sie die vorherigen Schichten ausreichend abtrocknen, bevor Sie mit dem Überstreichen des Bodens beginnen. Wenn Sie einen zweikomponentigen Lack verwenden, sollten Sie immer nur die benötigte Menge genau nach der Anweisung des Herstellers anmischen. Diese Lackarten werden sehr schnell fest, schauen Sie also, welche Verarbeitungszeit der Hersteller angibt und wie lange Sie benötigen, um diese Menge zu verarbeiten. Achten Sie immer auf eine gute Belüftung der Räume, die Dämpfe der Farben sind nicht zu unterschätzen.

Beginnen Sie mit dem Streichen immer in der hintersten Ecke von Bad oder Küche und arbeiten Sie sich rückwärts auf die Tür zu. Achten Sie darauf, was der Hersteller für die Verarbeitung empfiehlt und nutzen Sie entweder eine Lackrolle oder bei einigen Produkten auch einen Gummispachtel um die Lackschicht glatt zu ziehen.

Fliesen überstreichen

Nach dieser ersten Schicht des Bodenlacks können Sie je nach Wahl Dekorchips oder Glitterpartikel auf den Boden streuen. Bei den meisten Fußbodenlacken für Steinplatten oder Keramik muss noch eine zweite Schicht aufgetragen werden. Prüfen Sie die Trocknungszeiten, die der Hersteller zwischen den einzelnen Schichten vorgibt. Sie sind entscheidend über den Erfolg der Mission.

  • hinten im Raum beginnen
  • zur Tür hin rückwärts arbeiten
  • Lackrolle (Gummispachtel) verwenden
  • kleine Mengen anmischen
  • Bläschen sofort zerstechen
  • nach erster Schicht Dekochips möglich
  • meist zwei Schichten erforderlich

6. Klarlack – Schutzschicht

Der Klarlack ist die ultimative Schutzschicht, die verhindert, dass der Farbauftrag gleich wieder beschädigt wird. Achten Sie nach dem Anrühren darauf, dass Sie keine Luftblasen in dem Klarlack haben. Die würden später beim Trocknen entweder aufplatzen oder unschöne Einschlüsse erzeugen. Lüften bei der Arbeit nicht vergessen!

Tipp: Legen Sie sich einen Schaschlikspieß aus Holz neben Ihr Werkzeug, damit Sie eine eventuell vorhandene Luftblase gleich zerstechen können. Dann kann sich der Lack noch ausreichend wieder glätten, bevor er trocknet.

7. Fugen nacharbeiten – Randfugen erneuern

Wenn Sie die Fugenmasse entfernt haben, um einen natürlichen Fliesenlook zu erzeugen, sollten Sie unbedingt die volle Aushärtungszeit abwarten, bevor Sie mit dem Verfugen beginnen. Bei einem zweikomponentigen Lack kann das durchaus bis zu zwei Wochen dauern. Die Fugenmasse wirkt aber sonst wie Schmirgelpapier auf den noch frischen Lack.
Anschließend werden die Randfugen wieder mit Silikon oder Acryl verfugt. Den Überschuss sollten Sie möglichst zügig abziehen, da sich der Lack gern mit diesen Produkten verbindet. Danach sollten Sie den Raum wieder ausgiebig lüften und noch eine Weile nicht voll belasten. So sollten möglichst auch die Möbel noch nicht gleich wieder auf den neuen Boden gestellt werden.

Silikonfugen glätten

Tipps für Schnellleser

  • Fläche berechnen
  • Schäden beheben und lose Platten kleben
  • Randfugen aus Silikon entfernen
  • Boden gründlich fettfrei reinigen
  • Sperrgrund auftragen
  • Boden mit Grundierung streichen
  • Lackieren 1. Lage eventuell Dekorchips einstreuen
  • gut Lüften beim Lackieren
  • Überstreichen mit 2. Lage Lack
  • gründlich durchtrocknen lassen
  • Klarlack als Schutzschicht auftragen
  • Randfugen wieder mit Silikon verfugen

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