Fliesen lackieren – Anleitung für Boden- und Wandfliesen

Fliesen lackieren

Sie wollen Ihren alten Fliesen im Bad oder in der Küche ein neues Gesicht verleihen – ganz ohne Bauschutt und aufwändiges Renovieren? Kein Problem, denn: Häufig genügt es vollkommen, die bestehenden Fliesen einfach zu lackieren. Dies ist sowohl für Wand- als auch Bodenfliesen möglich. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie es geht!

Farbtöne, die in den 60er- und 70er-Jahren noch in Mode waren, lassen das Bad oder die Küche jetzt so richtig alt aussehen. Höchste Zeit also, etwas zu verändern. Möchten Sie Ihren Fliesen ein neues Design geben, schrecken aber vor einer zeit- und kostenintensiven Bad- beziehungsweise Küchenmodernisierung zurück, so haben Sie dennoch eine gute Möglichkeit, für frischen Wind zu sorgen: indem Sie die Fliesen lackieren. Zu diesem Zweck gibt es speziellen Fliesenlack in unterschiedlichen Farben. Das Neuverfliesen der Wände und/oder des Bodens bleibt aus. Eine ausgezeichnete Variante, die sich vor allem dann empfiehlt, wenn die alten, inzwischen unschön gewordenen Fliesen keine gravierenden Beschädigungen aufweisen. Um die Fliesen zu streichen, brauchen Sie keinerlei handwerkliche Vorkenntnisse – das heißt, dass auch unerfahrene Heimwerker das Projekt „Fliesen lackieren“ ohne weiteres realisieren können.

Bevor wir uns der ausführlichen Anleitung widmen, liefern wir Ihnen zum Einstieg einige grundlegende Informationen, die Sie in Zusammenhang mit dem Lackieren Ihrer Wand- und Bodenfliesen beachten sollten.

Infos zum Lack

Leben Sie in einer Mietwohnung, so besteht der allererste Schritt darin, Ihren Vermieter zu kontaktieren, um von ebendiesem eine schriftliche Genehmigung einzuholen. Denn das Überstreichen der Fliesen lässt sich in der Regel nicht rückgängig machen, sodass der Wohnungseigentümer mit Ihrem Vorhaben einverstanden sein muss. Wer die Wohnung selbst besitzt, ist selbstverständlich unabhängig von der Meinung beziehungsweise Erlaubnis Dritter und kann nach Belieben agieren.

Der Farbauftrag setzt sich aus zwei Schichten zusammen. Für beide – die Grundierung sowie die Endbeschichtung – verwenden Sie am besten sogenannte Epoxidharzlacke. Dabei handelt es sich um Zweikomponentensysteme, gebildet durch Lack und Härter. Die Komponenten werden gründlich miteinander verrührt und danach zügig mit einer Rolle oder einem Pinsel aufgetragen. Epoxidharzlacke zeichnen sich durch ihre besondere Strapazierfähigkeit aus und lassen sich vom Fachhändler, etwa im Baumarkt, in der gewünschten Farbnuance anmischen.

Fliesenlack

Tipp: Im Handel begegnen Ihnen auch praktische Fliesenlack-Sets, in denen sämtliche Bestandteile enthalten sind, die Sie für das Lackieren Ihrer Wand- und Bodenfliesen im Bad und/oder in der Küche benötigen.

Grundsätzlich ist es möglich, alle Fliesen zu streichen. Allerdings unterliegen Bodenfliesen einer besonderen Belastung, sodass die verwendeten Lacke entsprechend robust geartet sein müssen. Achten Sie beim Kauf auf Hinweise wie „nur für Wandfliesen“ oder „nur für senkrechte Fliesen“. Solche Produkte sind gemeinhin ausschließlich für Wandfliesen geeignet. Jedoch finden sich mittlerweile auch spezielle Zweikomponentenlacke, die nicht nur für Wand-, sondern auch Bodenfliesen konzipiert sind. Informieren Sie sich umfassend, ehe Sie mit der Bearbeitung Ihrer Bodenfliesen beginnen, um folgenschwere Beschädigungen zu vermeiden.

Hinweis: Beim Lackieren der Fliesen müssen Sie generell sehr genau und vorsichtig arbeiten. Gilt dies schon für Wandfliesen, so sollten Sie beim Verschönern der Bodenfliesen noch akribischer vorgehen. Unsere nun folgende Anleitung bezieht sich sowohl auf Wand- als auch Bodenfliesen – sie ist also für beide Varianten anwendbar. Wichtig ist, dass Sie über den richtigen Lack für den jeweiligen Zweck verfügen.

Lüften Sie vor und während der lackierenden Tätigkeiten das Badezimmer beziehungsweise die Küche intensiv, um die Luftfeuchtigkeit herabzusenken. Sie sollte unter 60 Prozent betragen. Nur so kann der Fliesenlack richtig trocknen.

Fliesen lackieren leicht gemacht

Wir führen Sie in neun logischen und detailliert geschilderten Schritten zu Ihrer neu lackierten Fliesenwand beziehungsweise zum frischen Fliesenboden.

Diese Materialien brauchen Sie:

  • Epoxidharzlacke für die Grundierung und Endbeschichtung
  • Schaumstoffrollen (feine sowie harte, geschlossenporige Modelle)
  • Essig-, Seifen- und/oder Fliesenreiniger, Alkohol oder salzsäurehaltiges Mittel sowie Schwämme und Tücher (zur Reinigung der Fliesenwand beziehungsweise des Fliesenbodens)
  • Schraubenzieher oder Klebeband (zum Schutz der Armaturen)
  • Schmirgelpapier oder Schleifvlies (optional, falls Anrauen erforderlich ist)
  • scharfes Messer und Silikonentferner (optional, wenn Silikonfugen entfernt werden sollen)
  • Fugenweiß, Sanitärsilikon und Fugenband (optional, je nachdem, wie umfangreich Sie die Fugen bearbeiten wollen)

Farbroller aus Schaumstoff

Tipp: Legen Sie sich jeweils mehrere feine und harte Schaumstoffrollen bereit. Möglicherweise werden diese durch die Spezialpräparate so stark angegriffen, dass sie kontinuierlich ausgetauscht werden müssen.

Schritt 1: Fugen überprüfen

Überprüfen Sie zunächst die Fugen. Kleine Löcher und Risse können Sie mit Fugenweiß ausbessern. Sehen Silikonfugen hingegen schon sehr mitgenommen aus, so ist es sinnvoller, sie zu entfernen. Nehmen Sie ein scharfes Messer zur Hand – mit diesem lässt sich die Masse leicht herausschneiden und anschließend abrubbeln. Als dienlicher Helfer erweist sich in einem solchen Fall auch ein spezieller Silikonentferner. Achtung: Schrauben Sie die Armaturen ab, ehe Sie mit der Arbeit beginnen. Sollte das nicht oder nur schwer möglich sein, so können Sie sie auch sorgfältig abkleben.

Wichtiger Hinweis: Handelsübliches Silikon ist nicht überstreichbar. Das bedeutet für Sie, dass Sie es vor weiteren Schritten entweder abkleben oder entfernen müssen. Um Absätze zu vermeiden und ein rundum schönes Ergebnis zu erzielen, empfiehlt sich die zweite Variante, also das Entfernen aller Silikonfugen. Nach dem Streichen der Fliesen können Sie sie dann erneuern. Diese Vorgehensweise ist natürlich mit mehr Aufwand verbunden, bringt aber das deutlich bessere Resultat.

Schritt 2: Fliesen reinigen

Es mag lästig erscheinen, ähnlich wie das sorgfältige Überprüfen der Fugen im ersten Schritt, aber es wirkt sich entscheidend auf das Endergebnis aus: das gründliche Reinigen der Fliesen. Darin besteht Ihre nächste Aufgabe. Der Untergrund, den Sie später lackieren wollen, muss absolut sauber – das heißt staub-, schmutz- und fettfrei – sowie trocken sein.
Um dies zu gewährleisten, führen Sie eine energische Behandlung mit einem Essig- oder Seifenreiniger durch. Darüber hinaus unterstützen Sie spezielle Fliesenreiniger, die effektiv gegen Schmutz und Fett wirken. Alternativ können Sie auch Alkohol oder ein salzsäurehaltiges Mittel (Vorsicht: ätzend!) verwenden – diese Utensilien erfüllen denselben Zweck.

Fertig? Dann prüfen Sie noch einmal sorgfältig, ob die Fliesenwand beziehungsweise der Fliesenboden wirklich komplett sauber ist. Gibt es auch wirklich keine Klebstoff-Rückstände mehr, etwa von Handtuchhaken?

Viele Fliesenlacke erfordern vor dem Lackieren ein Anrauen der Fliesenoberfläche – vor allem solche, die ohne Grundierung auskommen. In dem Fall müssen die Kacheln gleichmäßig aufgeraut werden. Um dies zu bewerkstelligen, schnappen Sie sich klassisches Schmirgelpapier oder – noch besser – Schleifvlies. Beide Hilfsmittel sind im Fachhandel erhältlich.

Tipp: Beachten Sie stets die Hinweise des Herstellers Ihres erwählten Fliesenlacks. Nur so finden Sie heraus, ob das Anrauen tatsächlich nötig ist.

Schritt 3: Fliesen grundieren

Zum jetzigen Zeitpunkt haben Sie die mühsamen, aber essenziellen Vorbereitungsmaßnahmen geschafft und können mit der eigentlichen Arbeit starten. Zur Grundierung der Fliesen nutzen Sie eine feine Schaumstoffrolle. Das Agieren mit diesem Instrument geht auch Ungeübten leicht von der Hand. Mischen Sie die Komponenten des oben beschriebenen Zweikomponentensystems wie in der Gebrauchsanweisung Ihres gekauften Produkts erklärt und tragen das Gemisch zügig, aber dennoch systematisch und sorgsam auf.

Tipp: Einige Hersteller bieten auch 2-in-1-Produkte an, bei denen die Grundierung entfällt und Sie sofort mit dem ersten Lackauftrag beginnen können.

Schritt 4: Trocknen lassen

Nun haben Sie erst einmal Pause, denn die Grundierung muss trocknen. Dies dauert etwa 16 bis 24 Stunden. Danach sind Ihre Fliesen bereit für die erste Lackschicht.

Schritt 5: Fliesen lackieren

Mischen Sie den Fliesenlack sorgfältig – wiederum wie in der Gebrauchsanweisung erläutert – und fangen dann unmittelbar an, ihn aufzutragen. Für diesen Schritt eignet sich eine harte, geschlossenporige Schaumstoffrolle optimal.

Fliesen lackieren

Achtung: Nach dem Anmischen kann der Fliesenlack nur circa sechs Stunden verarbeitet werden. Danach beginnt schon die Aushärtung. Achten Sie also unbedingt darauf, die richtige Menge Lack vorzubereiten und während der Arbeit keine üppigen Pausen einzulegen, sondern konsequent – ohne längere Unterbrechungen – zu streichen.

Schritt 6: Trocknen lassen

Nachdem Sie die erste Lackschicht komplett aufgetragen haben, bricht die zweite Trocknungsphase an. Für diese können Sie mindestens zwölf Stunden einplanen.

Schritt 7: 2. Lackierung

Sobald die erste Schicht ausgehärtet ist, geht es an die zweite Lackierung. Mischen Sie noch einmal die richtige Menge Fliesenlack und tragen sie auf. Achtung: Verwenden Sie nicht die alte, sondern eine frische Rolle! Sie werden sehen, wie gut der Lack selbst sehr dunkle Fliesen abdeckt. In der Regel blicken Sie bereits nach dieser zweiten Lackierung auf ein strahlendes Ergebnis. Sollte es noch nicht zufriedenstellend sein, so tragen Sie einfach noch eine dritte Schicht auf – aber natürlich erst nach der Aushärtung der zweiten Schicht, die wiederum mindestens zwölf Stunden dauert.

Schritt 8: Fliesenfarbe aushärten lassen

Um eine ausreichende und gute Aushärtung zu gewährleisten, sollten Sie die Fliesenfarbe nach dem letzten Anstrich lieber etwas länger trocknen lassen. Wir empfehlen zwei bis drei Tage. Mit den weiteren Arbeitsschritten sollten Sie erst nach dieser Zeitspanne fortfahren.

Schritt 9: Fugen bearbeiten

Nun sind Sie fast fertig. Es gilt nur noch einige Handgriffe zu erledigen: Setzen Sie die Fugen mit Fugenweiß oder einem anderen Ton farblich von den Fliesen ab. Anschließend können Sie die Silikonfugen an Stößen und Ecken mit Sanitärsilikon und gegebenenfalls Fugenband erneuern, beispielsweise am Waschbecken und an der Badewanne. Zu guter Letzt montieren Sie die Armaturen oder entfernen die Klebeteile, je nachdem, wie Sie in Schritt 1 verfahren sind.

Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie die Fliesenfugen sauber erneuern!

Ob geübt oder ungeübt – jeder, der seinen Fliesen einen neuen Anstrich verpassen will, kann dies in Eigenregie umsetzen. Die erforderlichen Materialien gibt es im Baumarkt. Dann brauchen Sie nur noch unseren Schritten zu folgen und schon erstrahlen Ihre Bad- und Küchenwände beziehungsweise -böden in neuem Glanz!

Eine andere Variante für neu und farbige Fliesen: Sie können Fliesen auch mit Folie bekleben. In dieser Anleitung zeigen wir genau, wie es geht: Fliesen bekleben

Tipps für Schnellleser

  • Immer mit strapazierfähigen Epoxidharzlacken arbeiten
  • Armaturen abschrauben oder abkleben
  • Fugen überprüfen und gegebenenfalls ausbessern oder entfernen
  • Fliesen staub-, schmutz- und fettfrei reinigen
  • Für die Reinigung Essig-, Seifen- und/oder Fliesenreiniger, Alkohol oder salzsäurehaltiges Mittel verwenden
  • Eventuell Fliesenoberfläche mit Schmirgelpapier oder Schleifvlies anrauen
  • Fliesen mit feiner Schaumstoffrolle grundieren
  • 16 bis 24 Stunden trocknen lassen
  • Fliesen mit harter, geschlossenporiger Schaumstoffrolle zügig lackieren
  • 12 Stunden aushärten lassen
  • Zweite Lackschicht auftragen und 2 bis 3 Tage trocknen lassen
  • Fugen mit Fugenweiß, Sanitärsilikon und Fugenband bearbeiten
  • Armaturen wieder anschrauben oder Klebeteile entfernen

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